Himmel oder weites Wasser ?Ich bin der Himmelmensch.
Glaube ich. Der es seit je her liebt, in die Wolken am Himmel zu träumen. In der klaren Nacht Sterne zu zählen und tagsüber Wolkenschlösser zu bauen. Liebe es, ganz oben auf einem Berg zu stehen, dem Himmel ganz nahe.
Ich bin der Wassermensch. Liebe die Dynamik des Windes, des Meers, die Möglichkeit bis an den Horizont zu denken und darüber hinaus. Mag die Gischt in meinen Haaren und die Geschichten von alten Männern und dem Meer. Und ich liebe Moules und ihre Verwandten.
Ich habe mich so sehr auf dich gefreut, dass ich die Tage zählte, bis ich dich in meinen Armen halten konnte. Jeder Tag wurde abends von mir mit einem roten Filzstift durchkreuzt: Einer weniger. Mein Bauch wurde mit der Zeit so dick, dass ich mir die Schuhe nicht mehr selber schnüren konnte und ,als Bauchschläferin, nächtelang wach lag.
Und ich dich in mir spürte, so intensiv, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn wir zusammen abgehoben hätten.
Als ich dich endlich in meinen Armen hielt wurde mir klar, dass die Antwort immer LIEBE ist. Egal welche tiefschürfende Frage gestellt wird.
Das ist heute auf den Tag siebzehn Jahre her.
Die Liebe zu dir ist nicht weniger geworden. Im Gegenteil.
Gestern wegen eines toten Schwanes, er flog zu tief über die Stadt hinweg (als er noch lebte) , einen Lachanfall bei ihr ausgelöst. Nicht pietätvoll, aber wundervoll.
Man stellt sich zwei Frauen vor, die Bäuche mit den besten Pasta resp. dem besten Risotto der Stadt gefüllt, die mitten auf der Seebrücke stehen, und laut in den blauen Himmel hineinlachen. Während die Menschenmenge uns umfloss.
Das ist Leben pur.
Meine Tante sagte, dass man das wahre alter einer Frau an ihren Ellenbogen erkennt.
Während ihre eigenen Ellenbogen in je einer Schale Avocado steckten. Es gab Guacamole.
Vorher. Nicht nachher. Im Fall.
Heute morgen um sechs kurz erwacht, verwirrt und gedankenmässig die Ursache suchend: Eine Amsel auf dem Egotripp (ich bin der Star !) draußen trällerte dermaßen laut ihr Lied, dass sie mir einen Moment lächelnd den Schlaf raubte.
Gestern sie und er von der Familie Storch auf der Wiese vor dem Haus beim flirten ertappt. (Projektion. Vermutlich grasten sie nur. ) .
Frühling ich freue mich auf dich.
Ich habe noch nie die Lindenstrasse gesehen, zumindest nicht eine ganze Sendung.
Habe mir noch nie den Blick oder die Bildzeitung gekauft und war noch nie auf Mallorca oder Ibiza oder New York. Ich bin noch nie bei einer Prüfung durchgefallen, weder bei der Autoprüfung noch bei einer anderen. Habe kein Hirschgeweih am Ende des Rückens, dafür andere Tattoos. Ich bin nirgends Mitglied, in keinem Verein. Ich habe meine Steuern noch nie pünktlich bezahlt, habe noch nie ein Haus gebaut und habe nur eine drei Versicherungen. Habe noch nie ein Buch von Rosamunde Pilcher gelesen, dafür alle von Stephen King. (Damals) . Ich hatte noch nie einen negativen Schwangerschaftstest und meine Brüste sind echt. Genauso die Farbe meiner Haare.
Ich drücke nie für eine Fussballmanschaft die Daumen, dafür weine ich bei den meisten Kinofilmen irgendwann. Vorzugsweise am Ende. Ich trinke nie Weisswein, dafür Roten und ich kann Blumenkohl nicht ausstehen. Schuhe mit hohen Absätzen besitze ich keine, dafür ein halbes Dutzend Sneakers.
Ich kann nur die Hälfte der Landeshymne singen, dafür ganz viele Rocksongs auswendig. Ein Instrument habe ich nie gespielt, wenn ich die Blockflöte nicht zähle, und ich bin der Meinung, dass Schokolade viele Probleme löst.Ich habe noch niemals alleine gewohnt und will muss immer in Sichtnähe eines Sees leben können.
Und du ?
edit/ Und ich war noch niemals an einem Flohmarkt mit Frau canela .
Ich bin glücklich.
Einfach so. Während die Scheinwerfer meines alten Autos die Nacht durchbrachen, lief im Radio ein Song. Aufdrehen , Lila, und mitsingen. Mitten in der Nacht gehört die Strasse mir.
Den ersten Rhabarber gegessen. Und die ersten Spargeln in diesem Jahr.
Der heutige Abend gibt dem Begriff Wundertüte eine ganz andere Bedeutung: Sie ist eine. Sie auch und sie sowieso.
Ladys, es war total schön mit euch .
-Magst du einen Kaffee ?
Fragt sie mich. Wir haben uns eine Weile nicht gesehen, irgendwie streiten wir immer, wenn wir uns sehen. Ich kann mich aber nicht mehr an den Grund erinnern. Sie hat schwarze Haare, tiefschwarz. Schon immer, ohne Chemie. Und ich frage mich woher sie diese Gene hat. Als einzige in der Familie, die anderen sind alle blond.
Da steht sie, kocht Wasser, stellt zwei Tassen auf den Tisch und erzählt. Irgendwas von ihrer Arbeit mit behinderten Menschen. Ich höre zu, konzentriert, bis ich sehe was sie vor hat: Sie schüttet sich Pulverkaffe in ihre Tasse.
-Mir bitte nicht. Ich trinke keinen Nescafe. Sage ich.
Ich halte die offene Hand über meine Tasse. Keramik. Kunst wohl.
-Siehst du ! Das ist der Grund warum du immer Chaos mit deinen Männern hast ! Ich kann die Wut in ihren Augen sehen.
-Weil ich, noch nie übrigens, keinen gefriergetrockneten Kaffee trinke ?!
-Weil du so kompliziert bist und zickig ! Früher hätte ich sie für diese Aussage in die Seite geboxt. Oder an den Haaren gezogen.
- ICH bin kompliziert ?! Projektionen. Schliess nicht von dir auf andere.
Sie stellt wütend das heisse Wasser auf den Tisch. Schüttet sich Zucker aus einer silbernen Dose in ihren Kaffee.
-Gut. Lassen wir das. Magst du einen Tee ?
Ich nickte. Dann sagt sie :
- Ich habe allerdings nur Tee in Beuteln hier. Keinen losen. Sie giesst kaltes Wasser in ein Glas, stellt es vor mich hin.
Und plötzlich erinnere ich mich wieder, warum wir eine längere Sendepause zwischen uns hatten.
Eigentlich wollten wir zusammen ins Kino…
Ich weiss nicht mehr genau, wann ich das erste Mal auf Jacques-Henri Lartigue stiess. Es war in Frankreich und ich ging noch zur Schule. Seine Bilder faszinieren mich je länger, je mehr.
Diese eindrückliche Tiefe der Fotos, die berührende Schlichtheit und Klarheit. Die gebannte Bewegung.
Minimalistische Schönheit.
Grund genug, eine seiner Musen für eine Weile als Blog Header zu verwenden.
Kann man die Stille hören ? Er sagt: Schnee bringt viel Stille. Wirklich still ist es niemals. Nicht solange Mensch ein pochendes Herz hat. Stille ist nicht schneeweiß für mich, sondern rabenschwarz.
Absolute Stille wäre wohl durchsichtig.
Welchen Sinn ich hergeben würde, wenn ich es müsste ?
Das Sprechen wohl. Ja, ganz bestimmt.
In Gedanken irgendwo am Meer. Auf einer Klippe stehend, den warmen Wind im Haar. Die Weite des Wassers vor mir. Barfuss mit warmen Füssen.
Die Wirklichkeit aber entspricht Wollsocken, einem dicken Pullover bis an die Knie und noch klammen Fingern. Welche von den Buchstaben rutschen beim Tippen.
Sie sagt, sie sei neben einem Mann erwacht und wisse nicht, wie sie dort hingekommen sei.
Egal, sage ich, Hauptsache du bist gekommen.
Langsamkeit ist keine Schwäche. Im Gegenteil. Aber ich beschleunige lieber, fülle den Tag bunt, statt Geschwindigkeit raus zu nehmen. Momentan.
Weil Bewegung warm hält.