Madame Lila

Beiträge vom Mai 2008

Küssen und Liebe

Samstag, 31.Mai 2008 · 5 Kommentare

Weil diese Woche eine war, die viel von mir forderte und ich heute das erste Mal seit Tagen zuhause bin, (Mein Bett. Mein Hund. Mein Laptop. Meins. Alles meins) ging ich raus um den Kopf zu lüften. Die Gedanken fliegen zu lassen, sie sortieren sich unter freiem Himmel von selbst , und um durchzuatmen. Den Kopf tief in den Nacken zu legen und einfach in den blauen Himmel zu starren. Würden die Farben, durchs Anstarren,an Glanz verlieren,  wäre vieles um mich herum inzwischen blass .
Unten am See sitzen sie auf Bänken und im Gras, die Verliebten. Lassen ihre Zungen einander umschlingen, nie endende Küsse. Hände, die sich unter TShirt schieben und erforschen. Während die Enten auf ihren Nestern sitzen und brüten. Liebende, die einander umarmen. Und am Himmel zieht ein Milan seine Kreise.
Nein, ich mag es ihnen gönnen. Den Küssenden, den Leuten auf den Bänken, die im Blick des anderen einzigartig werden: Für immer. Nicht wahr ? Für immer !
Eifersüchtig, ich etwa ? Bestimmt nicht.
Ich laufe zurück nach Hause zu meinen Büchern. Zu den Notizen, angefangene Studien, dem Apfel, den ich mitnehmen wollte und der einsam auf dem Küchentisch liegenblieb. Im Kühlschrank nichts neues, die Post der letzten Woche drückt mit Rechnungen, die beglichen werden wollen.
Ich denke an den Montagmann, der zum Mittwoch-Donnerstag-Freitagmann wurde. Eine ausgelebte Form von Liebe, die keine ist. Herz und Körper sollten sich nicht trennen, sie sind eine Einheit. Manchmal tun sie es doch:Körperliebe ohne Herzliebe.
Wäsche in die Maschine stopfen, eine Weile zusehen, wie die Trommel sich dreht…Ich bin doch nicht eifersüchtig auf die Zungenküsse auf Sitzbänken am See ! Ich nicht.
Ganz sicher nicht.
Ich beantworte die sms der Wochenmannes, ob ich gut zuhause angekommen bin: Danke. Viel Verkehr aber…Ja. Alles Ja.
Abends dann, das Internet funktioniert nur beschränkt mal wieder und lässt mich nur sequenzweise online sein, eine Mail an c punkt. Weil der Kopf Buchstaben entlassen will, weil er sonst explodiert, weil ich nicht eifersüchtig bin auf die Liebenden am See. Sicher nicht.
Die Antwort kommt schnell, ich warte auf die (wieder) blockierte Verbindung des WLAN und lese.
Und mir wird während des Lesens des Mails  klar: Ich bin es. Eifersüchtig auf die Liebenden.
Ich schneide Chillis und esse sie zusammen mit Curry und Reis. Die Zunge brennt und ich lache….Weil es keine Zungenküsse waren, die meine Zunge verbrannten und weil der Effekt am Ende der Gleiche ist.
Wenn ich nicht darüber nachdenke.
Zuviel Denken schadet manchmal, Lila. Wusstest du das nicht ?

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Keine Freiheit hinter Gittern

Samstag, 31.Mai 2008 · 5 Kommentare

Freiheit….ist dann, wenn man eine Zellentür hinter sich schliesst und nach Dienstschluss ins Auto steigt, um irgendwo noch ein Glas Wein zu trinken kann. Draussen.
 
Die Tage im Jugendstrafvollzug waren ein Blick in eine Welt, die mir ganz viel mitgegeben hat. Und ich werde noch einige Zeit brauchen, um alles sacken zu lassen. Einzuordnen. Die Jungs, die jüngsten sind gerade 17 geworden und gleich alt wie mein Sohn, und haben oft schon Wege hinter sich, die unglaublich scheinen.
Wut und Aggression zu äussern, verbal und körperlich, ist einfacher als zuzugeben, dass sie verzweifelt sind und traurig. Sie sehen sich oft als Opfer, haben den Zugang zur Wahrheit, dass sie straffällig wurden weil sie ein Delikt begangen haben, noch nicht integriert.
Es hat mich berührt, immer wieder, vor allem als die Jungs von der Gruppe sich von mir verabschiedet haben. Mir die Hand reichten und einer sagte:
„Geniess deine Freiheit und….grüss meine Mutter, wenn du sie siehst. Sag ihr…Dass ich sehr oft an sie denke und dass ich mich schäme. Weil sie sich für mich schämen muss.“
Sie zu sozialisieren ist der Job der Sozialpädagogen und Psychologen  dort. Ob sie es am Ende schaffen, einen anderen Weg einzuschlagen, ist oft fraglich. Zwei Drittel, statistisch gesehen, tauchen wieder auf. Und wieder. Die Arbeit lohnt sich trotzdem, unbedingt. Sie aufzugeben wäre falsch.
 
Worte ?
Bunker. Arrest. UP (Urinprobe). Auf Kurve gehen. Was gibts  zum Mittagessen?  Spielst du Tischtennis mit mir ? Gilt das ? Kann ich mit meinem Anwalt reden ?
Keine  Lust. Muss ich ? Scheisse, Mann….! Willst du wissen warum ich hier bin ? Ich habe keine Zigaretten mehr . Massnahme. Stao. Qualipunkte. Welche Stufe ?
Kannst du mir die Haare schneiden ? Filzen. Ist Post für mich gekommen ? Wer ist grad oben im Bunker ?
 

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Madame Lila vermisst!

Mittwoch, 28.Mai 2008 · 4 Kommentare

LUZERN: Seit wenigen Stunden wird Madame Lila vermisst. Laut Zeugenaussagen soll sie gegen 19:00 Uhr bei einer bekannten Hamburgerkette ein Frikadellenbrötchen gegessen haben. Danach wurde sie nicht mehr gesehen. Die Bevölkerung ihres kleinen Wohnorts im Aargau ist entsetzt. Auch die Redaktionsangestellten ihres Blogs sind sehr besorgt, weil es Gerüchte gibt, die Mutter dreier Kinder und Herrin eines Hundes bewege sich seit kurzem in kriminellen Kreisen. Die Blogpolizei bittet die Bevölkerung um sachdienliche Hinweise. Wer etwas zum Verbleib der beliebten Bloggerin sagen kann, wird gebeten einen Kommentar zu diesem Post zu hinterlassen. Bis zum Wiederauftauchen der attraktiven Karrierefrau, wird der Redaktionsbetrieb eingestellt. (gech)

/edit: :-) . Danke Carlos für die Spurensuche und das  ‘Hüten’ des Blogs während meiner Knastabwesenheit !

 

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questions #13

Mittwoch, 28.Mai 2008 · 16 Kommentare

Trägst du ein Tattoo ?

 

 

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Versager mit Herz

Mittwoch, 28.Mai 2008 · 2 Kommentare

Sie werden nicht glücklich, vielleicht wollen sie es auch gar nicht. Weil Glück sich irgendwie gut anfühlen würde.
Und gut ist schlecht. Genauso wie das Aufwachen nach einer durchzechten Nacht, der Arm einer bleichen Frau quer über den Brust: Wer ist sie und wie kommt sie in das Bett ? Keine Zigaretten mehr im Haus.  Die Kaffeemaschiene funktioniert nicht, oder es gibt keine, weil das Geld dazu nicht vorhanden ist. Die Miete wurde nicht bezahlt , irgendwann klingelt es an der Tür und ein aggresiver Typ wird Geld einfordern. Vielleicht wird eine Nase dabei bluten. Nur ein wenig, weil der Protagonist kein übler Mensch ist. Eigentlich.
Und die Geschichte ist kein Krimi.Und kein Porno. Obwohl er vielleicht noch mit dem Mädchen schläft, bevor sie in schimpfend verlassen wird ( seine Frauen sind sehr fränzösisch und laut und schön und selbstbewusst) , weiss er nie ob er sie liebt oder nicht. Obwohl Sex für ihn ständig visuell präsent ist und erstrebenswert, will er keine Beziehung eingehen.
Er ist ein Künstler, die Protagnisten sind oft selber gefallene Schriftsteller, ein Versager und er ist immer unglücklich.
 
Philip Djian. Seit Betty Blue hat er einen Kultstatus bei mir und ein eigenes Stockwerk in meinem Bücherregal. Er ist mein Bukowski und atypisch für meine Art zu lesen.
Egal.
Die Texte, die er für Stephan Eicher schrieb, sind genauso berührend faszinierend.
 
J’avais des hauts, j’avais des bas…

Chaque jour je me tenais prêt
Je guettais l’heure et la page
Ou les eaux s’ouvriraient
Me laisserais un passage
L’espoir me faisait vivre
L’attente me rendait nerveux
Je trouvais dans les livres
De quoi patienter un peu

 
Ich hatte Höhen, ich hatte Tiefen.
Jeder Tag hielt sich bereit.
Ich passte die Stunde ab und die Seite
Auf das sich das Meer teilt
Und mir einen Weg öffnet
Die Hoffnung erhielt mich am Leben
Das Warten machte mich ungeduldig
Doch ich fand in den Büchern
Wie ich mich gedulden kann.

(sinngemäss übersetzt)
 
 

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Erdbeerküsse und weit weg

Dienstag, 27.Mai 2008 · Kommentar schreiben

Nach zweieinhalb Stunden  Fahrt durch die Hölle , geschätzte Innentemperatur meines Autos ohne AC : 99° , auf der Autobahn von Norden nach Westen, zuhause angekommen. Für 24 Stunden. Dann die gleiche Fahrt in umgekehrter Richtung: Für die Hospitation im Gefängnis.

 

Die beiden Tage den Kopf weit weg von zuhause füllen mit psychologischen Analysen und Philosophie. Kongruenz ist eines der Themen. Gender und die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Damals und heute. Was unterscheidet die Kommunikation von Mann und Frau ?
Wie fühlt sich ein ‚Nein’ an ? Was für archaische Muster tragen wir noch in uns ? Wie umgehen mit Störungen ?

Wie frei ist heute die Sexualität der Frau ?

(Nein, Carlos. Du wirst von diesem Thema kein Manuskript bekommen…Doch, ich erzähle dir die Essenz dieser Frage J )

 

Heute morgen lustsatt in einem fremden Bett erwacht. Einen Kaffee ans Bett gebracht bekommen und anschliessend meine verstreuten Kleider und Schulbücher zusammengesucht. Zerzaust und mit leuchtenden

Augen beinahe zu spät ins Schulzimmer geplatzt. Der Montagabendmann gab die ersten Erdbeeren mit auf den Weg. Und ein paar letzte Küsse.

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Sie und ich

Sonntag, 25.Mai 2008 · 8 Kommentare

Wir waren zusammen am See spazieren, sie und ich. Ich merke immer sehr schnell, wenn sie mich mitnimmt. Dann wenn sie ihre blauen Sneakers anzieht und spätestens, wenn sie die Hundeleine vom Haken neben der Tür nimmt. Meine Freude ist jeweils riesengross, nur sie und ich. Ich liebe sie, erwähnte  ich das schon ?
Heute war sie frisch geduscht, roch nach Dove und hatte noch feuchte Haare. Ihr Laune war, naja, eher grantig. Ob das an den Büchern und Manuskripten liegt, die sich neben ihrem Laptop breit machen und an ihren post it, die dort kleben ? Morgen fährt sie weg für eine Woche. Sie hat es nicht mir gesagt, ich hörte es, als sie es am Telefon jemandem erzählte.
Schlimm für sie, so ohne mich, wie sie das aushalten wird ? Ich meine, ich bleibe hier und hier riecht es überall nach ihr. Also werde ich mich in meine Lieblingsecke setzen, schmollen (das gehört zum Spiel) und auf sie warten.
Als wir am See waren, sie redete kaum mit mir weil sie morgens nicht reden kann, traf ich eine hübsche, langhaarige Lady. Sie war auch nicht an der Leine und ich wir berochen einander, schnüffelten und ich verliebte mich augenblicklich in sie ! Ich bin ein Rüde, möchte ich erwähnen und niemand hat an mir rumgeschnippselt. Das wollte sie nicht.
Leider wurden wir getrennt. Die hübsche und ich.
Sie wollte einen Schnappschuss mit ihrem Handy von mir machen. Im Grunde weiss sie genau, dass ich das nicht mag. Also sprang ich ihr jedesmal aus  dem Bild, wenn sie knippsen wollte. Komm schon, Othello ….Bat sie mich.No ! No way. Sie war nicht sauer, aber ich. Als sie mir einen Ast ins Wasser warf Hol ihn dir blieb ich am Ufer stehen und lief weg. Heute nicht, keine Lust.
Ich liebe Kinder, das war schon immer so. Schliesslich wuchs ich mit einer Bande Kids auf. Als ich am See ein halbes Dutzend Kinder sah, wollte ich hingehen,freudig, um sie mir näher anzusehen. Vielleicht ist ja eines aus meiner Herde dabei, das muss ich doch sehen ! Sie hielt mich auf….Manchmal wünschte ich mir, dass ich weniger gut erzogen wäre.
Und sie nicht so lieben würde, dann würde es mir leichter fallen, ihren Anweisungen nicht Folge zu leisten.
Aber ich kann nicht anders, schliesslich riecht sie so gut. Und ich liebe sie. Sie mich auch, das weiss ich.
Ich höre ihr zu, wenn sie erzählt. Unterbreche sie nicht und liebe sie auch frühmorgens, wenn sie zerzaust und übel gelaunt ist. Und ich freue mich immer riesig, wenn sie heimkommt.

Egal wie lange sie weg war.

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Gartenzwerg

Samstag, 24.Mai 2008 · 4 Kommentare

Er trägt Levis Jeans und klammert sie an Hosenträgern und karierten Hemden, die aus Kanada importiert wurden. Nicht von ihm, von seinen Enkeln.
Wenn er die Gartenstühle um den Tisch arangiert, räumt er sie abends wieder weg und stapelt sie ordentlich an der Hauswand. Sein Garten, es ist der einzige Garten, den ich von Villa Lila aus sehen kann, ausser dem eigenen, ist akkurat in Reihen gezogen. Die Blumen streben mit nach oben getreckten Köpfen gen Himmel und keine würde es wagen, auch nur eine Wurzel neben die Reihe wachsen zu lassen. Seine Salathäupte, sind so gross und voller Dünger, dass nicht mal Schnecken daran knabbern.
Wenn er tagsüber im Garten jätet und hackt, tut er das mit einer Inbrunst und dem Ehrgeiz eines Buchhalters, der am Ende des Tages eine stimmige Rechnung hat. Keine einzige Zahl, die nicht passt.
Vor dem Eingang zu seinem kleinen Haus stehen Blumentöpfe. Hundert, oder neunundneunzig, ich habe sie nicht gezählt. Jeden Abend giesst er sie alle mit den Kannen, die er morgens schon mit Wasser füllte, damit es abends schön temperiert ist. Zupft verwelkte Blätter, bindet Ranken hoch und schneidet verblühtes ab.Letztes Jahr hatte er noch drei Gartenzwerge, sie standen neben den Töpfen mit den Geranien.
Dieses Jahr nicht. (Sie zerbarsten, im laufe des Sommers, und starben den BallTod.)
Sonntags zieht er sich ein weisses Hemd an, parfümiert sich ein bisschen (ich kann es riechen, wenn er bei mir am Haus vorbeizieht) und geht zu Fuss zur Kirche.
Seine Frau ist klein, zierlich und verlässt das Haus nicht mehr. Sie raucht Marlboro, trinkt Cola und sitzt den ganzen Tag vor dem Fernsehen, um sich Sitcoms anzusehen.
Beide sind alt, um die achtzig. Und machmal ruft er mich nachts an, wenn sie mal wieder auf dem Weg zur Toilette umgefallen ist. Weil sie sich dabei meistens was bricht und ins Krankenhaus muss.
Er hört schlecht, sein Hörgerät trägt er selten. Dann jammert er über die unerzogenen Kinder, früher war ja alles besser , die nicht mal mehr grüssen und einfach an ihm vorbeilaufen.
Einmal in der Woche fährt er in den Supermarkt im nächsten Dorf um einzukaufen. Mit seinem Mofa. Seit die Polizei ihn verwarnte, weil er trotzig ohne Helm rum fuhr, trägt er provokativ einen alten Militärhelm .
 
Als ich gestern abend von der Arbeit heim kam konnte ich sehen, wie er A., seine Frau, zu den Blumentöpfen trug, sie sorgfältig auf einen Stuhl setzte.  
Dann zog er die Gartenschere aus den Taschen seiner Levis , schnitt Rosen und büschelte sie zu einem schönen Strauss und legte sie A. auf ihre Beine.
Ich konnte nicht sehen ob sie lächelte, es war mir eigentlich egal: Mein eigenes Lächeln zog von einem Ohr zum anderen.
Er ist ein launischer,wortkarger und verchnortzter Spiesser. Aber er liebt seine Frau und er liebt Blumen.
Also mag ich ihn auch.

 

Kategorien: Schreiben

black power

Samstag, 24.Mai 2008 · 3 Kommentare

Gordon Parks wuchs in armen Verhältnissen auf und er war der erste schwarze Fotograf  (und später Regisseur) der weltweit Beachtung erhielt.
 
„I think most people can do a whole awful lot more if they just try. They just don’t have the confidence that they can write a novel or they can write poetry or they can take pictures or paint or whatever, and so they don’t do it, and they leave the planet dissatisfied with themselves.“

Kategorien: FotoArt

Samstagmorgenliebe

Freitag, 23.Mai 2008 · 8 Kommentare

Was tut eine Biene, wenn sie Heuschnupfen hat ?
 
Ich frage mich das, nachdem ich zwei Gläser Champagner trank heute abend. (Auf dich. U punkt. Möge deine Ehe dir länger als ewig Glück bringen)  Die Wirkung, vermischt mit den Antihistamintabletten, ist enorm und gleicht einem mittleren, schwebenden Rauschzustand.
 
Später kritzle ich Papierfetzen voll. Kringel die fliegende Spiralen nachjagen. Mond. Sonne.
„Kind. Das geht nicht. Wenn der Mond am Himmel steht, ist da keine Sonne zu sehen. „
Doch, Herr Lehrer. Das geht. Bei mir ging das immer. Und es geht auch heute noch: Der Mond und die Sonne sind bei mir ein Paar.
Ich zeichne sie mit Bleistift, statt mir Notizen für nächste Woche zu machen. Lernen. Mindmap machen. Eine Zusammenfassung der gelesenen Kapitel machen.
Kann nicht, bin zu müde und zeichne lieber MondSonne.
Nächste Woche zwei Tage Seminar in der Ostschweiz. Dann zwei Tage Hospitation im Knast bei den harten Jungs.
Müde.
 
Morgen ist ein freier Samstag für mich. An solchen Samstagen hätte ich frühmorgens gerne Sex.
Das wird aber nicht gehen, weil ich zu müde bin, um aus zu gehen und jemanden mitzunehmen  niemand da ist, mit dem ich Samstagmorgensex haben könnte.
(Auch wenn ich einen hätte, einen Mann, hätte ich wohl auch keine Garantie auf den Sex. Aber daran mag ich nicht denken)
Wenn ich intensiv nachdenke, die Konzentrationsspanne  meiner pollenmüden Hirnzellen ist sehr kurz und auf ein Minimum beschränkt,
kommt mir nichtmal im Entferntesten ein möglicher Samstagmorgenmann in Frage. (Oder nur zwei, drei, die ich aus organisatorischen Gründen streiche) .
Einer, der nicht mal bleiben müsste. Oder, noch besser, zu dem ich gehen könnte, weil ich dann die Freiheit hätte, den Ort zu verlassen. Wenn er mir ungastlich erscheint.
Das grosse, grosse Bett.
Neben einem  Fenster, das offen ist und die unschuldige atmende Samstagmorgenluft auf die Körper bläst. Und  sommerlich-leichte Gänsehaut erzeugt.
Vielleicht würde ich nochmal einschlafen, danach. Und irgendwann geweckt werden, mit einem Kuss.

Kategorien: Leben · Träumen