Madame Lila

Liebe und Egotrip

Sonntag, 29.Juni 2008 · 14 Kommentare

Ich lag letzte Nacht auf einer Wiese unter den Sternen und teilte die ersten Kirschen mit jemandem. Wartete vergeblich auf eine Sternschnuppe, kurz zuvor hatte ich ein
Glühwürmchen entdeckt.
Und mir wurde bewusst, dass mit jeder vergangenen Liebe Risse und Narben zurückbleiben. Irgendwo. Sie sind da und sie hindern daran, einer nächsten Liebe unvoreingenommen die Nähe zu gestatten, die wichtig wäre.Es ist nicht die Einsamkeit des fehlenden Freundes, sondern immer die zerstörten Träume die schmerzen und wütend machen.
Damals, die Zeit der allerersten Liebe…Als Status Quo und Iron Maiden als Poster an den Wänden des Zimmers hingen, sie hatten die Bilder mit den Pferden ersetzt. Neben dem
Bett lag die Bravo und die ersten Zungenküsse schmeckten nach Kaugummi, Schule und ersten Zigaretten. Zu der Zeit war der innigste Wunsch, den anderen zu sehen, die kleinen Härchen im Nacken zu streicheln, die Finger mit denjenigen des anderen zu verschlingen und das genügte, um Eins zu sein. Nach der Schule nebeneinander auf der kleinen Steinmauer am See zu sitzen . Auflösung, ganz einfach. Das war die Liebe, die alles andere verschlang. Irgendwann zerbrach dieser Traum, hinterliess staunende Realität: Wie ist die Liebe, wenn nicht so ?
So muss fliegen sein, sich irgendwann die Shirts runterreissen, nachdem einer von beiden weit fuhr um den anderen zu sehen, geteilte Küsse und nie mehr essen, nie mehr schlafen.
Break. Alle paar Monate oder Jahre wieder. Dann ist man ist erwachsen und glaubt immer weniger daran, weil die Risse jedes geplatzten Traums ein bisschen den Atem nehmen.
Die Unschuld ist weg und man weiss, wie sie wäre. Die richtige, die genau richtige Liebe.
Eigentlich hätte man mit der ersten Liebe zusammen bleiben sollen, um alle da capo zu vermeiden.
Man spricht von Lebensabschnittgefährten, Liebe ist käuflich allerorts, nur ein Mausklick entfernt sogar. In der Zeit der Selbstanalyse, der Selbstfindung, wissen wir genau, was wir wollen. Grösser. Besser. Geiler, Schöner. Wir sehen die Werbung, die Filme und verlieren uns selbst dabei: Die Halbwärtszeit der Liebe wird immer kürzer.
Wir leben von der Illusion, sie hält uns gedanklich am geglaubten Leben : Es muss passen, und zwar sofort. Lieber ein Buschfeuer als sich echt mit sich und dem anderen auseinander zu setzen. Sich selber zu ertragen und einen anderen Menschen an seiner Seite wirklich zu er-tragen.
Gedankenpause.
Nein. Im Grunde will ich die erste Liebe nicht zurück. Weil ich nicht ein kleines, egoistisches Arschloch sein will. Fern ab jeglicher Realität.

Kategorien: Schreiben

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