Madame Lila

Beiträge vom Januar 2009

Balzverhalten und Himmelskörper

Freitag, 30.Januar 2008 · 5 Kommentare

Sie sitzen sich in irgendeiner Bar gegenüber. ( Es ist doch immer eine Bar, wenn Mann und Frau im Taumel der Gefühle ihr Interesse und die Neugierde auf den anderen ausleben. Oder kennt jemand ein Pärchen, dass sich bei einem Grossverteiler an der Kasse die gegenseitige Attraktivität versicherte und miteinander flirtetete ? Na also. )
Eben. Sie sitzen sich gegenüber. Er erzählt von seinem Job, wie wichtig und unersätzlich er dort ist, in welcher Band er gerade spielt oder wie schnell er 15 km rennt.
 
Während sie ihre Haare um den Finger zwirbelt, den Kopf schief legt und gurrend lächelt. Er macht ihr Komplimente, Frauen sind für Lob sehr empfänglich und wenn Mann das weiss, er dies doch geschickt ausspielt. Das rituelle Balzen folgt den Vorgaben bis…Bis Frau ihn zwischen zwei Schlucken Prosecco fragt:
-Was bist du denn für dein Sternzeichen ?

 

Sie wird sein gelangweiligten Blick sehen und ihm rasch versichern:
-Naja. Ich glaube ja nicht an den Kram, weisst du. Aber es würde mich doch interessieren. Widder ?

 

Er wird den Kopf schütteln. Während sie ein halbes Dutzend Sterne aus dem Tierkreiszeichen aufzählt. Bis er sagt:

 

zodiac-capricorn
-Stimmt. Ich bin Steinbock.
-Siehst du ! Das habe ich mir doch gedacht !

 

Wird sie antworten.
(Vergessend, dass die Wahrscheinlichkeit sein Sternzeichen herauszufinden, schon bei 70% lag. Da sie die anderen schon aufgezählt hatte).
Steinbock .
Wird sie einen Moment denken, während sich sein Blick tief in ihrem Auschnitt verliert.
Steinbock ? Das war doch, denkt sie weiter, derjenige, der sie damals mit der Nachbarin (dem Flittchen) betrog ! Das ist zwar über zehn Jahre her, trotzdem, das Misstrauen bleibt.
Und war nicht auch Thomas Steinbock, der damals im Betrieb in Verdacht geriet, Geld unterschlagen zu haben ? Und Sabine, die in der Schule immer die Beste sein wollte und die anderen beim Abschreiben verpetzte ? Steinbock !
Ihr Gegenüber spürt nichts von ihren Zweifeln, warum auch. In Gedanken ist er mit dem Erforschen ihres himmlischen Körpers beschäftigt. Hört sie lustvoll nach mehr und mehr schreien…Bis sie sagt:
 
-Naja. Ich meine…Mit uns. Das wird wohl nichts. Ausserdem muss ich heim, da ich morgen ja ins Büro muss. Du verstehst… ?!
 
Er versteht nichts. Aber bevor er Klarheit in die Szene bringen kann. Ist sie weg.
 

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben · Lieben · Psychologie

Wenn zwei sich irren…

Donnerstag, 29.Januar 2008 · 7 Kommentare

Erkenntnisse des gestrigen Abends:
 
-Konzerte finde nicht dann statt, wenn ich es will, sondern manchmal einen Monat später.
-Eine rot beleuchtete Bar ist immer ein Puff. (Auch wenn Mann das Gegenteil behauptet)
-Anatolien ist im Aargau
-Es gibt Menschen, mit denen es sogar Spass macht, sich im dunklen Wald zu verfahren
-Gewisse Katzen mutieren zu Furien, wenn sie den Boden unter den Füssen verlieren
-Männer die Eishockey spielen, müssen einen guten Zahnarzt haben. (Oder wie erklärt es sich, dass die meisten keine Vorderzähne haben ?)
-Es gibt Frauen, die nicht hysterisch auf spontanen Besuch reagieren, sondern herzlich und gastfreundlich.
-Ebendiese Frauen weisen zudem noch eine gut sortierte CD Sammlung auf, die Lilaherzen zum wummern bringen.
 
Fazit: Spontan bringts.
Pörömpömpöm. Das nächste Mal am 28.Februar. Dann werden wir nicht vor verschlossener Tür stehen.
Gäll Roscheee .

Kategorien: Befindlichkeiten

Eusebia

Mittwoch, 28.Januar 2008 · 7 Kommentare

eusebia3

Eusebia ist unser Haustotem. Sie wacht hier seit ein paar Jahren. Heute habe ich ihren Standort gewechselt, um ihren Horizont zu erweitern. Und wie man sieht, bereitet sie sich auf die Fasnacht vor .

Kategorien: FotoArt · Leben

Zwei Planeten

Dienstag, 27.Januar 2008 · 11 Kommentare

Einfach so.
 Man sitzt in einer Baar, den hämmernde Technobass wummert in den Beinen. Wo bin ich hier wieder gelandet ? Draussen wars bitterkalt, drinnen ist es warm und wir haben uns versöhnt. Wir hatten heftig gestritten, irgendwann im Herbst. Er stritt damals laut mit mir. Ich tat es leise, indem ich einfach beharrlich schwieg.

Einer von uns beiden vermisste den anderen trotzdem genug, um sich irgendwann mit einer winzigen Nachchricht beim anderen bemerkbar zu machen.

Inzwischen ist ziemlich viel Zeit vergangen und wir fragen uns, in dieser Bar mit dem Wein und der lauten Musik,warum wir damals eigentlich so aneinander geraten sind. Wenn zwei temperamentvolle Planeten mit Schwung aus ihrer Umlaufbahn geschossen werden und aufeinander zufliegen, knallt es mit grosser Wahrscheinlichkeit. Viel kaputt ist damals nicht gegangen. Jeder kleisterte und hämmerte die entstandenen Löcher anschliessend wieder zu . Und flog weiter. Weit weg vom anderen, damit es nicht wieder zu einer Kollision kommt.

Er streicht mit seiner Hand über meine Wange: „Du bloggst das bestimmt wieder, nicht ?“ Vermutlich habe ich den Kopf geschüttelt. Ich bin sicher, er hat gelacht. Unsere Hände sind sehr ähnlich: Wir haben beide diese drei Punkte zwischen Zeigefinger und Daumen.
Ich schiebe eine lange Strähne seiner Haare aus dem Gesicht. „Du bist verrückt..“
Und wofür war der Kuss eben ?
Einfach so.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

Konfetti ?

Montag, 26.Januar 2008 · 12 Kommentare

Frage des Tages:

Was ist hier passiert ?

 

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Kategorien: Fragen · Leben

questions #17

Sonntag, 25.Januar 2008 · 9 Kommentare

Worauf wartest du ?

Kategorien: Fragen

Paris

Freitag, 23.Januar 2008 · 9 Kommentare

Wir verbrachten die Nacht ohne zu schlafen. Er würde am Morgen nach Paris fahren für eine Weile, die uns beiden viel zu lang vor kam.
 -Wenn du in Paris wärst. Welche Plätze würdest du besuchen ? Wohin würdest du gehen ? Wo zieht es dein Herz hin ?

Ich brauchte nicht lange zu überlegen. Erzählte von Orten, die aus meiner Kindheit kenne. Von stillen, lauten, mike1schmutzigen aber auch herzwarmen Orten, die abseits der Touristenwege sind. Die nicht so spektakulär sind, die sich nicht in den Mittelpunkt drängen wie die bunte Divaschwester. Mir aber etwas bedeuten.

Als er aus Paris zurück kam, gab er mir das Schraubglas. Gefüllt mit Sand, Steinen und Kiesel.
-Ich war an all deinen Orten für dich und habe von jedem Ort etwas mitgenommen.

 Ich weiss noch genau wie berührt ich war, als ich das Glas in meinen Händen hielt und ihn umarmte. Heute früh ging es mir ähnlich, als ich beim Aufräumen das Glas fand. Ich hatte es nicht gesucht, es war einfach irgendwie da. Und jetzt bin ich in Paris.

Kategorien: FotoArt · Fühlen

Frauen und Parkplätze

Donnerstag, 22.Januar 2008 · 3 Kommentare

Warum Frauen nicht einparken können ?
Nun. Ich kann es. Grundsätzlich kann ich es. Jahrelange Erfahrung hilft mir dabei. Und ich will hier erklären, warum das einparken manchmal etwas schwierig ist oder das Auto am Ende des Manövers zuweilen nicht so akkurat steht, als hätte ein Mann sein Auto hingestellt: (Wobei ich der Frage nach der Wichtigkeit eines perfekt parkierten Autos hier bewusst nicht nachgehe. ) Die Heckscheibe ist schmutzig und weil meine Scheibenwischanlage nur temporär und unwillkürlich funktioniert, bin ich beim einparken handikapiert ! Das aktuell nasse Wetter hilft nicht dabei, meine Scheibe sauber zu halten und ich steige prinzipiell nicht aus meinem Gefährt aus, um meine Scheibe zu putzen. Wozu gibt es denn diesen netten, kleinen Knopf bei dessen Bedienung (normalerweise) die Scheiben flllutschhh selber sauber werden ? (Dürfte es auch für Wohnungen geben. Ehrlich. )

Und gleichzeitig gebe ich zu, dass mein Auto auch eine Wäsche nötig hätte. Das geschätzte Grün manifestiert sich in ein erdiges braungrau. Was sich dann als praktisch erweist, wenn ich in einem Parkhaus in der Stadt mein Auto abstelle und mal wieder nicht weiss wo es steht. Einfach der Nase nach und das schmutzigste, kleinste Auto suchen, das zwischen teuren und gepimten BMW und Audis steht.

Und nein. Vom Zustand meines Autos auf villa lila zu schliessen, wäre nicht fair. Und ja. Ich liebe mein Auto. es fährt mich zur Arbeit, ins Yoga, zum einkaufen und an Konzerte. Wenn es dass mal nicht tut, weil es zickt, dann kommt Otto. Er ist der Doc des Fahrzeugs. Ich bin nur die Fahrerin.

Kategorien: Leben · Staunen

A. und ihr Eisprung

Mittwoch, 21.Januar 2008 · 11 Kommentare

Ich treffe Anna, die natürlich nicht wirklich Anna heisst (aber der Name eignet sich so gut, finde ich) , in der Stadt. Wir laufen uns zufälligerweise über den Weg und teilen zuerst die üblichen Nettigkeiten aus: Gut siehst du aus. Danke, du auch. Das Rot deiner Haare steht dir gut ! Coole Stiefel, wo hast du die gekauft ?
Wir haben beide Zeit und beschliessen, die inhaltvollen Gespräche bei einem Cappucchino weiter zu führen. A. erzählt mir spannende Details aus ihrem Leben. Sie ist wieder Single und geht in drei Minuten die vergangenen Liebschaften durch, von denen ich keinen einzigen je zu Gesicht bekam. Vermutlich waren sie nie länger als drei Wochen bei ihr. bistro
Sie ist mitte dreissig und im hormonellen Korsett, die von der Angst bestimmt wird, dass ihr Eisprung bald einmal nicht mehr spontan ist und die Cellulitis sich nicht mehr für zweihundert Franken sie Stunde wegmassieren lässt. Ihre Lover wurden auf Herz und Nieren und passendes Testosteron geprüft, flohen aber, als die Autos von ihr nicht mehr nach PS gemessen wurden, sondern nach der Grösse des Kofferraums: Da muss gut ein Kinderwagen reinpassen, weisst du ? Was ja nicht wirklich schlimm wäre, wenn sie ein passendes männliches Pendant haben würde, dessen gefühlte Uhr genauso tickt.
 
-Und dein Job ? Wie stellst du dir das vor, so mit Kind ?
-Ist das dann alleine mein Problem ? Nein. Der Vater kann ja dann auch…
 
Modern. Sagt sie. Teilen von Job und Windelnwechseln. Jobsharing. Auch das nicht wirklich ein Problem, wäre denn ein optimaler und williger, zukünftiger Vater wenigstens in Sicht. Aber da ist nicht mal in weiter Ferne etwas.
Wir nippen am Kaffee, während A. mit ihrem Schlüsselbund spielt. Ein aaachhh soo sssüüsssses wollenes Schaf aus einer Spielzeugabteilung. Ist sie nicht mehr bei Sinnen oder fällt sie durch ihren intensiven Kinderwunsch selber in eine Kindheit zurück ?
 
-Ich will meinen 35. Geburstag im Gebärsaal feiern !
-Wirklich ? Du bist doch im Sternzeichen Krebs geboren.
-Ja. Und ?
-Dann müsstest du dich beeilen. Dir bleiben dazu knappe sechs Monate.
 
Anna ist eine wandlende Gebärmutter, die verzweifelt auf der Suche nach einem Samenspender herumtorkelt. Vielleicht sollte ich sie mal ein Wochenende in villa lila einladen. Damit sie sehen kann, was aus aaachhh soo sssüüssssen Babies wird, wenn sie gross sind. Sie muss gehen, konsultiert kurz ihren Terminkalender und weg ist sie. Schade. Gerade als sie ging, kam ein wunderbares, passendes Exemplar der Spezies Mann ins Bistro.
Pech für sie. Dann nehme ich ihn eben mit.

Kategorien: Leben · Lieben

Neben den Geleisen

Montag, 19.Januar 2008 · 5 Kommentare

Ich hatte es nicht. Yvette hatte es auch nicht. Baba hatte es ebensowenig. Anita auch nicht. Aber weil Claudia es hatte, hatten wir es alle.
 
Wir wohnten zusammen in einer WG,  wir waren noch in der Ausbildung/Studium und hatten dementsprechend nicht viel Geld zur Verfügung. Also teilten wir uns grundsätzlich alles. Zickereien gab es kaum und wenn, dann wurden sie laut ausdiskutiert: Die eine schlug bestimmt immer der anderen die Tür geräuschvoll vor der Nase zu, während die stehengelassene an die alte Tür polterte und ihr vorwarf, egoistisch und nicht konfliktfähig zu sein.
Wir teilten die Jeans, die letzten Zigaretten, die Erfahrungen, Träume, Allstars, Yoghurt und meistens auch die Wut auf ‘ungerechte Noten und unfähige Lehrer’. Unser Kühlschrank war voller Postkarten oder Einladungen für irgendwelche Partys. Die Stühle in der Küche und den Küchentisch hatten wir vom Vormieter übernommen : Drei der Stühle wackelte so bedrohlich, dass wir irgendwann beschlossen, Ende des Monats neue zu kaufen. Jede sollte einen Stuhl kaufen und so kamen wir zu dem lustigen Sammelsurium der Stühle, weil keiner so aussah wie der andere. graffitis20dammstrasse200021
Die Miete war so ausgesprochen tief. Vielleicht war es so, weil das alte Haus so zentral stand, aber direkt neben den Geleisen, auf denen bis tief in die Nacht alle halbe Stunde eine Bahn fuhr. Die Briefkästen waren nicht abschliessbar, sondern liessen sich durch einen kleinen Hebel öffnen, der angebracht war. Das Krankenhaus war zu Fuss in zwanzig Minuten erreichbar, darum wohnten zu jener Zeit viele Krankenschwestern dort.  
 
Aber. Ich schweife ab. Weil ich heute früh direkt in meine Erinnerung fiel, oder eher schwebte. Auf einer süssen Parfumwolke nämlich. Yvette, Baba, Anita, Claudia und ich. Wir hatten den Power und uns gehörte damals die Welt, wir waren jung – alles war möglich in der gedachten Zukunft- und weil Claudia es hatte, hatten wir es alle: Das Parfum nämlich. Das damals so trendy war und das sich keine von uns leisten konnte. Sie bekam es von ihrem Kurzzeitlover geschenkt, stellte es ins gemeinsame Badezimmer und fortan rochen wir alle gleich.
 
Als ich heute früh unerwartet  in diese Joopwolke platze, die eine Frau hinterliess, war ich eine lange Sequenz lang wieder sehr jung. Und alles ist möglich. Auch heute noch .
 

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben