Madame Lila

Beiträge vom März 2009

Glückliche Nomadin

Montag, 30.März 2008 · 3 Kommentare

Ich war homeless dieses Wochenende. Von Haus und Hof vertrieben. Eine Nomadin auf Zeit. Einsam und verlassen irrte ich…Gut, ich gebe zu: Ich neige zu Übertreibungen.
Tatsache bleibt, dass langhaariger Mitbewohner eine Party vorbereitet hatte, zu der ich nicht eingeladen war.
 Wollen wir bitteschön eine Schweigeminute einlegen um die gefühlte Tragik, als Muttertier, einzulegen . Die ihre Brut Mitbewohner ausser Kontrolle sich selber überlässt ?
Danke.
 Asyl fand ich beim Lieblingsmann. Der mich liebevoll davon ablenkte, dass ich minütlich auf das Display des Handys starre und endzeitapocalyptische Gedanken pflegte.
Keine Kontrollanrufe. Keine sms. Obwohl ich sicher war,  mütterlicher Instinkt, dass Villa Lila dem Erdboden gleichgemacht wird. Dass die Mitbewohner ohne mich zugrunde gehen.
Ich legte den Autoschlüssel auf seinen Küchentisch und redet mir ein, dass er einen Zeitzünder enthält, der mir einen elektrischen Schlag versetzt, sollte ich ihn vor Sonntagabend in die Hand nehmen.
Fazit ? Ende des Jammerns: Villa Lila steht noch. Sauber und still. Mitbewohner waren übermüdet aber total happy. Und Lila selber ?
 
Fand Schlüsselblumen. Lachte viel.  War Schlosszofe und küsste den Prinzen. Teilte Träume und Gedanken.
In einem Haus, dessen Räume mir immer vetrauter werden. Wie die kratzenden Geräusche, die der Hund dort macht, wenn er sich unter dem Tisch einrollt. Oder die Krähen, die Sonntagmorgen über das Dach hüpfen. Die Geräusche des Regens, draussen. Man kann den Mann beobachten, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Seine lockigen Haare um den Finger wickeln   und wieder springen lassen. Berührt den anderen, so im vobeigehen, an der Schulter oder sonstwo. Lächelt dabei.Kauft einen Stadtplan von Paris zusammen. MIt zwei Fingern den Orten und Plätzen folgen, die wir besuchen wollen.
Am Ende ist man dann traurig über die Stunde, die einem an diesem Wochenende gestohlen wurde.  
Aber auch glücklich. Dann alle glücklich sind, die mit einem verbunden sind. Einschliesslich man selber.

 

edit/Der Lieblingsmann denkt, ich sollte Blues mögen. Tue ich nicht. An diesem Clip mag ich allerdings die Gitarre von Buddy. Rock me baby.

Kategorien: Schreiben

Die Kleider der Kaiserin

Freitag, 27.März 2008 · 8 Kommentare

Mme Lila war gestern nicht nur auf der jagt nach den Schuhen, sondern ebenfalls nach einem Stück Stoff. t52_1974_uwear
Dessen Muster sie genau im Kopf hatte. Ebenso wusste sie, wie sich der Stoff zwischen ihren Fingern anfühlen sollte,
damit sie ihren Treffer landet und glücklich ist.
Dazu suchte sie den etwas verrückten second hand Laden auf, der immer etwas nach Patschuli riecht.
Eine Lady trat gleichzeitig in das Geschäft ein. Sie roch nicht nach einer Räuchermischung, sondern teuer nach BMW und Dior. Genauso führte sie sich auch auf: Sie riss energisch an den Kleiderbügeln, liess Kleider zu Boden segeln und liess sie schulterzuckend liegen. Mit einem arroganten Seufzen und spitzen Fingern griff sie in Kisten, förderte Jeans zutage, die sie wieder fallen  liess.

 

 

-Sagen sie mal…Hallo ? Sagen sie mal …
(Wild gestikulierend. Mit der Hand dem  Besitzer zuwinkend)
-Diese Jacke da …Ist die neu ? Die fühlt sich so neu an. Ist sie neu ?

Er lässt sich Zeit. Verabschiedet ein paar Kundinnen, bevor er sich zu ihr gesellt. Lächelnd.
-Bitte ? Kann ich helfen ?

-Ja ! Ich fragte ob die Jacke da neu ist !
-Kann sein. Möchten sie sie kaufen ?
-Nur wenn sie neu ist ! Ich trage doch keine getragenen Kleider !
-?!

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

Heute ist Sommer

Donnerstag, 26.März 2008 · 19 Kommentare

Ich hab sie. Es war ein harter Kampf, aber es hat sich gelohnt: Sie sind mein.
Sie waren die letzten ihrer Art in Luzern in Grösse 38 und genau dieser Farbe.
Nein, ich gebe sie nicht her. Vergesst es.
Ich kann dich hören ! Du hast gesagt: „Phhh. Was soll das ? Es sind doch nur Schuhe…“
Nein, das sind sie eben nicht. Sie sind Kult: Während die Freunde damals in der Schule noch Big Star Sneakers  trugen oder die von Adidas, lief ich in Converse herum. Oder Barfuss.
Und das ist heute noch so. Zumindest im Sommer…Die neuen Grauen werden sich wunderbar mit den Roten unterhalten, den Grünen, den Beigen, den ehemals weissen und den Rosaroten. (Jenen vom Cornflakegirl).
Heute ist LilaSommer. Basta.

 

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Kategorien: Schreiben

Nähe

Mittwoch, 25.März 2008 · 7 Kommentare

xxx …

das gilt jenen, die immer dann noch an mich glauben, wenn ich es nicht tue. Die mir in Gedanken auf die Schulter klopfen oder mir sagen: „Du packst es !“ Mir die Flausen aus dem Kopf schütteln und eine gefühlte Nähe ermöglichen, die mich immer wieder überrascht.
Oder mir mit einem Lächeln frühmorgens sagen, dass der Kaffee ohne Milch wundervoll schmeckt. Weil ich keine Milch eingekauft habe.
Und meinen Schneckenhäusern, den Federn und Steinen Asyl im eigenen Garten anbieten. Oder sogar vorschlagen, bei der Entsorgung mitanzupacken.

Menschen lösungsorientiert und erfolgreich zu coachen ist das eine. Oft scheitern man aber beim Selbstcoaching.

Ihr seid wundervoll. Und euch gilt jetzt die fette Umarmung, die ich in alle Himmelsrichtungen fliegen lasse .

D.W….Heute weiss ich

Kategorien: Fühlen

In der Rumpelkammer

Dienstag, 24.März 2008 · 16 Kommentare

Da war ich also gestern in der Rumpelkammer von villa Lila. Dieser kleine Raum ist durch eine Schiebetür mit einer kleinen Treppe in den Keller verbunden. Man sieht weder die Tür, noch ahnt man, was sich dahinter verbirgt. Und das ist gut so. Denn dort steht und liegt ein halbes Leben, zwölf Jahre, die ich in dem morbiden, charimatischen Haus auf dem Land verbrachte, ist auf Holzregalen aufgereiht. Da ich nicht nur die Hüterin der Feuers bin, sonder auch eine Sammlerin, verbrachte ich also gestern Abend Stunden damit, in die Vergangenheit zu tauchen .
Und Geschichten erneut zu durchleben.

Da ist das letzte Glas eine Chutneys, die meine Tante mir immer brachte. Sie hatte lange in England gelebt und von dort die verrücktesten Rezepte mitgebracht. Als sie starb, behielt ich das letzte Einmachglas. Es stehen Gläser mit Muscheln dort, die schönsten sind aus der Bretagne und sie riechen nach Meer und nach Fernweh. Steine, jede Menge Steine und allen Grössen und Formen, die mit Bestimmtheit für mich magisch waren, als ich sie fand und heimtrug. Federn ! Gläser, die halb mit Sand gefüllt sind und in denen hunderte von Federn stecken. Auf Spaziergängen im Wald oder auf dem Feld von Vögeln geschenkt bekommen.
Schneckenhäuser !  schnecke
Grosse und kleine. Irgendwann habe ich sie wohl mal nach Grössen sortiert. Auch sie stehen in grossen Gläsern da, warten still auf ihre Bestimmung. Und wecken Erinnerungen. Zum Beispiel erinnern sich mich an meinen Freund, den ich mal hatte: Jedes Mal, wenn wir Streit hatten, und das hatten wir ziemlich oft (was die Versöhnung um so schöner machte) , ging er raus in den Wald. Um Nachzudenken und seine Wut zu kanalisieren.

Wenn er dann zurück kam, manchmal Stunden später, waren seine Augen glänzend, seine Worte liebevoll und seine Taschen voller Schneckenhäuser.

 

In den Gläsern dort ist auch Meerwasser. Oder Sand, den mir Freunde von ihren Reisen zu den schönen Sandstränden brachten. Was mein Nomandenblut eher noch mehr ins Seufzen brachte. Da stehen Gläser mit eingemachten Quitten, ohne Datum. Fläschen mit Brombeerlikör, die ich bekam und nie öffnete, weil die Flasche so schön ist.
Kleine Wurzeln liegen dort, die die Form eines Tieres oder eines Menschen haben. Getöpferte Geschenke, die zwar hässlich sind, aber einen herzlichen Erinnerungswert haben. Selbstgezogene Kerzen, die nirgens hin passen, weil sie krumm sind.
Windlichter stehen dort, in der Schule von kleinen Händen gebastelt.

…. All das…Sollte weg.
Kram, den ich zwar liebe, die aber nicht mit mir auch die Reise dürfen.
Fazit des gestrigen Abend: Lila stand verzückt und verträumt vor den Regalen mit den Gläsern. Erdachte sich Geschichten und schob, Stück für Stück, liebevoll wieder ins Regal zurück, statt in die Müllkiste.  Und heute morgen plagt mich meine Vernunft:
„Schmeiss weg. Um Himmels willen Lila. Was bist du doch für eine melancholische Tröte ? „
Könnte mal jemand kommen, und alles wegwerfen, ohne dass ich dabei sein muss ?

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen · Leben

Isa-la-belle

Freitag, 20.März 2008 · 3 Kommentare

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Teil eines grossformatigen Projektes in der
Bibliothek Luzern.

Kategorien: FotoArt · Sehen

Über den Horizont hinaus

Donnerstag, 19.März 2008 · 11 Kommentare

Wo man überall leben könnte…Überall, eigentlich. Wenn man die geknebelten Stimmen in sich befreit, sie reden lässt und ihnen Gehör schenkt. Wo wollt ihr hin ?
Man kann sich auf die Zehenspitzen stellen und in alle Richtungen schauen: Zum Horizont und darüber hinaus. Die Schafherde sehen und sich fragen, ob es einfach Wölfe im Schafpelz sind. Oder friedliche Schafe .
Eine neue Perspektive, eine neue Aufgabe, die irgendwo wartet und die man zu erspähen versucht. Auf einer normalen Zeit, alltaggelebt, folgt eine Unsichere.
Sie ist noch namenlos. Aber statt  Angst und Unsicherheit, lässt man sich ein bisschen fallen. Mit noch offenen Augen.

Man schaut morgens in einen Spiegel, der nicht der eigene ist, betrachtet das noch müde Gesicht. Dann nimmt man die noch unbenutzte , lilafarbene Zahnbürste in die Hand, die der Mensch hingestellt hat. Und während man sich die Zähne putzt, lacht man innerlich.

 Wo willst du hin ? Flüstert man leise und geht ganz nahe an das Spiegelbild heran. Sag. Wohin ?!
Als der Mensch mit frischen Croissant zur Tür hereinkommt, stellt man keine Fragen mehr. Man weiss es einfach.
Man kann überall leben. Es sollte einfach in der Nähe des Menschen sein, bei dem das eigene Herz zur Ruhe kommt und der Kopf frei von lästigen Fragen ist.

Kategorien: Fühlen · Lieben

Gepflegte Neurose

Mittwoch, 18.März 2008 · 9 Kommentare

-Hast du schon je einen Afrikaner mit einem Hund gesehen ?    hund

Diese, unbefangen gestellte Frage, brachte mich in eine grosse Zwangslage: Einerseits grübelte ich darüber nach, wie ich einen schwarzen farbigen Aggloamerikaner nun nennen darf, ohne mich zu blamieren. Zudem verbrachte ich seither einen Teil meines Lebens damit, die Frage wurde mir vor einem Dutzend Jahren gestellt, eine Zwangsneurose zu pflegen. Die darum geht, endlich einen afrikanischschwarzfarbigenaggloamerikaner anzutreffen, der einen Hund spazieren führt. Um Ruhe zu haben. Nicht mehr an einen Hund zu denken, der mit einem dunkelhäutigen Mann unterwegs ist.

 Das ist wie mit den rosaroten Elefanten, kennt jeder. Denk nicht dran, dann tust du es. Weil du nicht anders kannst.

Verschiedene Therapien brachten nichts, ich suchte Mann mit Hund. Schwarz.
Jetzt versuche ich aus diesem Muster herauszukommen. Indem ich Mann mit Hund durch etwas anderes ersetze.
Ich könnte beispielsweise beginnen, Ohrläppchen der Menschen zu vergleichen. Naja. Jeder hat zwei davon, die Chance, endlich Erfolg im Zelebrieren meiner Neurose zu haben, liegt nahe. Oder ein Muster in den Leberflecken im Gesicht der Menschen suchen: Geheime Botschaften, wäre doch was.
So wie Sternenbilder:Linien zwischen den Punkten ziehen. Ich denke darüber nach.

Bis ich mich entschieden habe, bin ich LilaguckindieLuft. Auf die Ankunft der Schwalben wartend, die sich noch hinziehen kann. Aber ihre Nester sind bereit. Ich bin es längst.

 

An Gregor (12. März) kommt die Schwalbe über des Meeres Port, an Benedikt (21. März) sucht sie im Haus ‘nen Ort, an Bartolomä (24. August) ist sie wieder fort.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

question #18

Dienstag, 17.März 2008 · 17 Kommentare

Spürst

du

es

schon ?

Kategorien: Fragen

Trotzkopf

Montag, 16.März 2008 · 11 Kommentare

-Du magst mich nicht mehr !

Sie sagt das nicht laut und wütend, sondern eher traurig.

Ich war im Begriff gedanklich in eine Wolke zu beissen, die vor dem Fenster vorüber zog.

-Quatsch. Wie kommst du darauf ?

Verlegen räuspert sie sich. Ich kann hören, wie sie sich leicht schüttelt:
-Du hast mich vernächlässigt, mich einfach links liegen lassen.
-Habe ich nicht …
-Natürlich hast du das. Nur weil du Besuch hast, heisst das nicht, dass du mich ignorieren sollst.

Ich drehe mich zu ihr um. Blicke sie direkt an, als ich erwiedere:
-Ich hatte nicht so viel Zeit, das gebe ich zu. Schliesslich galt es, Prioritäten zu setzen und…
Sie unterbricht mich schroff:
-Prioritäten ?! Interessant. Du hattes Zeit, um mit deinem Gast zu reden, zu lachen, dir mit ihm die Nächte um die Ohren zu schlagen. Mich würde ja interessieren, wieviele Flaschen Wein ihr zusammen geleert habt. Phhhhh ! Und euch Kassandra Sterne anzusehen und Spaziergänge zu machen und…
-Cassiopaea !
-Kassandra oder Cassiopaea. Wen interessiert das schon !

Sie ist wütend. Definitiv.

-Schau…
Sage ich schlichtend, weil mich doch das schlechte Gewissen plagt.
-Schau…Ich habe jetzt wieder Zeit für dich.
-?!

Statt weiter mit ihr zu reden, schiebe ich sie näher ans Fenster. Sie steht jetzt im Sonnenlicht. Ich zupfe ihr ein paar welke Blätter weg und giesse sie mit lauwarmem Wasser . Ich höre sie leise seufzen. Während sie ihre Blätter wohlig schüttelt.
Ich glaube, mein kleiner  Basilikum hat mir verziehen.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben