Madame Lila

In der Rumpelkammer

Dienstag, 24.März 2008 · 16 Kommentare

Da war ich also gestern in der Rumpelkammer von villa Lila. Dieser kleine Raum ist durch eine Schiebetür mit einer kleinen Treppe in den Keller verbunden. Man sieht weder die Tür, noch ahnt man, was sich dahinter verbirgt. Und das ist gut so. Denn dort steht und liegt ein halbes Leben, zwölf Jahre, die ich in dem morbiden, charimatischen Haus auf dem Land verbrachte, ist auf Holzregalen aufgereiht. Da ich nicht nur die Hüterin der Feuers bin, sonder auch eine Sammlerin, verbrachte ich also gestern Abend Stunden damit, in die Vergangenheit zu tauchen .
Und Geschichten erneut zu durchleben.

Da ist das letzte Glas eine Chutneys, die meine Tante mir immer brachte. Sie hatte lange in England gelebt und von dort die verrücktesten Rezepte mitgebracht. Als sie starb, behielt ich das letzte Einmachglas. Es stehen Gläser mit Muscheln dort, die schönsten sind aus der Bretagne und sie riechen nach Meer und nach Fernweh. Steine, jede Menge Steine und allen Grössen und Formen, die mit Bestimmtheit für mich magisch waren, als ich sie fand und heimtrug. Federn ! Gläser, die halb mit Sand gefüllt sind und in denen hunderte von Federn stecken. Auf Spaziergängen im Wald oder auf dem Feld von Vögeln geschenkt bekommen.
Schneckenhäuser !  schnecke
Grosse und kleine. Irgendwann habe ich sie wohl mal nach Grössen sortiert. Auch sie stehen in grossen Gläsern da, warten still auf ihre Bestimmung. Und wecken Erinnerungen. Zum Beispiel erinnern sich mich an meinen Freund, den ich mal hatte: Jedes Mal, wenn wir Streit hatten, und das hatten wir ziemlich oft (was die Versöhnung um so schöner machte) , ging er raus in den Wald. Um Nachzudenken und seine Wut zu kanalisieren.

Wenn er dann zurück kam, manchmal Stunden später, waren seine Augen glänzend, seine Worte liebevoll und seine Taschen voller Schneckenhäuser.

 

In den Gläsern dort ist auch Meerwasser. Oder Sand, den mir Freunde von ihren Reisen zu den schönen Sandstränden brachten. Was mein Nomandenblut eher noch mehr ins Seufzen brachte. Da stehen Gläser mit eingemachten Quitten, ohne Datum. Fläschen mit Brombeerlikör, die ich bekam und nie öffnete, weil die Flasche so schön ist.
Kleine Wurzeln liegen dort, die die Form eines Tieres oder eines Menschen haben. Getöpferte Geschenke, die zwar hässlich sind, aber einen herzlichen Erinnerungswert haben. Selbstgezogene Kerzen, die nirgens hin passen, weil sie krumm sind.
Windlichter stehen dort, in der Schule von kleinen Händen gebastelt.

…. All das…Sollte weg.
Kram, den ich zwar liebe, die aber nicht mit mir auch die Reise dürfen.
Fazit des gestrigen Abend: Lila stand verzückt und verträumt vor den Regalen mit den Gläsern. Erdachte sich Geschichten und schob, Stück für Stück, liebevoll wieder ins Regal zurück, statt in die Müllkiste.  Und heute morgen plagt mich meine Vernunft:
„Schmeiss weg. Um Himmels willen Lila. Was bist du doch für eine melancholische Tröte ? „
Könnte mal jemand kommen, und alles wegwerfen, ohne dass ich dabei sein muss ?

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen · Leben

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