Madame Lila

Beiträge vom Mai 2009

Und wenn sie nicht gestorben sind..

Samstag, 30.Mai 2008 · Kommentar schreiben

Das Vreneli und der Hansjoggeli liebten sich. Leider kamen sie nicht zusammen. Irgendwas lief schief, war schon im 17.Jh so.
S’Vreneli starb jung, wohl an gebrochenem Herzen. Hans wurde, so steht es geschrieben, ohne das Vreneli 92 Jahre alt. Was für eine Ungerechtigkeit.

Ich fahre hin, zum Vreneli. Für ein paar Tage, mal nach dem rechten sehen dort in den Bergen.

Vreneli vom Guggisbärg.  Und wenn jetzt jemand den dringenden und unaufhaltbaren Wunsch hat zu singen, so möge er es tun. Die Version vom Stephan Eicher ist als Background vorzuziehen.

Kategorien: Leben · Lieben

Neue Helden

Donnerstag, 28.Mai 2008 · 7 Kommentare

Früher….da schlugen sie den Drachen die Köpfe ab und schleppten tote Bären zur Höhle ihrer Angebeteten. Um sie zu erobern. Oder sie sie kämpften, hoch zu Ross, gegeneinander mit Schwertern. Sie erkletterten Türme, wenn ihre Rapunzel nach ihnen rief. Brachten Nebenbuhler um, sich selbst oder (die poetischen unter ihnen) schrieben zuckersüsse Gedichte, Bücher. Eroberten Weltmeere.
Sie waren Helden, erschufen Welten und das mit dem einzigen Ziel:Das begehrte Weib bezwungen zu wissen.

Heute ist das anders. Die Bären haben sich klugerweise zurückgezogen in die Wildnis. Die Weltmeere üben keinen Reiz mehr aus. Die wilden Mustangs von damals wichen schnellen Autos. Und die Jungfrauen, deretwegen sich sich duellierten, sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Die Helden von damals reparieren heute die Fahrräder ihrer Geliebten. Wenn sie defekt sind. Sie pflückten angeknabberte Mäuse vom Boden auf, wenn SIE deswegen mit einem Würgereiz kämpft. Die modernen Prinzen hören zu und sie trösten, wenn SIE mal wieder hyperchaotisch mit ihrem Leben nicht mehr klar kommt. Oder sie streicheln SIE in den Schlaf. Bringen den Kaffee nach einer wilden Nacht an ihr Bett und fahren SIE mit dem Auto anschliessend zur Arbeit. Sie bringen ihre Lady zum lachen, immer wieder. Und sie sagen: Ich liebe dich, auch wenn Sie sich grad gar nicht mag und sich wie das hässliche Entlein fühlt. Die Heroes heute wissen, was sie wollen.
Sie sind eifersüchtig, haben Makel und Fehler und sie sind einfach wunderbar.

Kategorien: Fühlen · Lieben

Die Mohnblumenfrau

Dienstag, 26.Mai 2008 · 7 Kommentare

Sie steht in der Parfümerie vor mir: Alt und zerknittert, mit diesem lieben Omalächeln im Gesicht, das immer seltener zu sehen ist. Ihre Furchen im Gesicht sehen aus, wie ein frisch gepflügter Acker. Würden dort Blumen wachsen, wären es bestimmt blaue Kornblumen und roter Mohn. Hätte ich den Mut, meine Nase in die Falten ihres Kleides zu stecken, ganz kurz nur, röche ich Maiglöckchen. Da bin ich sicher. Sie wird von einem jungen Mädchen bedient, die ihr hübsches Gesicht zugekleistert hat mit Make up. Ihre Haare sind blauschwarz und kleben so an ihrem Kopf, als wären sie betoniert.

Ihr Lächeln wirkt aufgesetzt, als sie die Dame nach ihren Wünschen fragt.
„Eine Gesichtscreme hätte ich gerne…“ Sagt die Mohnfrau.
„Nun. Da haben wir ein breites Angebot. Was haben sie den bisher benutzt ?“
Fragt die Jüngere und verströmt einen süssen Caramelduft.
Die alte Dame lächelt als sie sagt:
„Wasser. Und Seife. Aber wissen sie….Ich denke, ich bin jetzt in einem Alter, in dem man doch mit Gesichtscremen anfangen könnte. „

In der darauf folgenden Stille kann ich nicht anders, als diese mit meinem Lachen zu unterbrechen. Wundervoll.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

LegoLila

Samstag, 23.Mai 2008 · 1 Kommentar

lego

Selber spielen ? Hier kannst du es.

Kategorien: FotoArt

Hundeliebe und Tränen

Mittwoch, 20.Mai 2008 · 6 Kommentare

„Sag mal…“ sagt er , „…hast du eigentlich geweint, als dein Hund starb ?“

Wir sitzen im Garten, trinken Wein und im Grunde mögen wir uns. Aber wir verstehen uns nicht. (Das eine schliesst das andere nicht aus. ) Er ist seit zwölf Jahren mein Nachbar, stellen wir fest. Er ist Biobauer, im Handeln und im Herzen, der nichts isst, was importiert wurde. Oder er nicht kennt. Da ist er konsequent. Ich mag Menschen die tun, was sie sagen . Er aber mag Frauen nicht besonders, die selber denken und handeln. Also gibt es zwischen uns immer wieder Spannungen. Laute uns leise. Als er mich fragt, ob ich weinte, als der Hund starb, tat er es auf eine distanzierte Weise. So, als würde er fragen: Du hast doch nicht etwa geweint …? Tränen sind was für Mädchen.
Ich antworte: „Natürlich habe ich geweint. Und wie…! Er fehlt mir, der Hund. „
Ein paar Atemzüge lang ist es still, dann erwiedert er: „Ich auch ! Als unserer starb im Herbst, weinte ich auch…“ Und dann erzählt er Episoden von seinem Hofhund.
Und wir mögen uns. Mal wieder.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

Das paradiesische Leben der Lila O.

Samstag, 16.Mai 2008 · 4 Kommentare

Zuerst war ich wütend und verwirrt. Oder verwirrt und wütend ? Egal welche Reihenfolge: Abends war ich dann glücklich . Und nur das zählt.
Angefangen hatte es damit, dass mein kleiner, grüner Frosch mitten auf der Strasse gurgelnd protestierte . Dagegen, dass ich ihn nicht längst zur Reparatur gebracht habe. Und dann röchelnd sein Bezingeist aufgab.
In der Folge liess ich ihn stehen, im frisch gesääten Maisfeld, nahm den Zug zur Arbeit und kam deswegen eine Stunde zu spät…heute
Meine Teamkolleginnen hatten glänzende Augen vor lauter Mitleid: „Jesses ! Du Arme…Du wohnst ja nicht grad neben dem Bahnhof.“ Eben. Das Mitleid floss wie Honig über meine cholerische Seele. Jawohl, eine Arme war ich, ganz genau.
Mittags fuhr mich eine Kollegin heim. Sie zwang mich richtig dazu. Ich schwör. „Du kannst doch nicht…schliesslich müsstest du, kaum zuhause, wieder los um deinen Dienst anzutreten“. Richtig.

Als ich dann die Bahn am Nachmittag retour zur Arbeit nahm, sah ich:
-Lachende Kühe (doch doch. Sie lächeln immer zurück, wenn man sie nett begrüsst. Zumindest hier im Tal )
-Blackbirds die mit einem Milan eine Flugshow für mich veranstalteten.
-Zwei Dutzend schöner Schmetterlinge
-Sieben wunderschöne Gärten
-Fünfzig Schnecken. (Fünf Häuser davon waren leer und sind jetzt in meinem Besitz)
-Zwanzig Katzen. Verschmuste und solche, die mich misstrauisch beobachteten.
-Ebensoviele schöne, alte Bauernhäuser
-Frau K. in ihrem Garten. Gesprächig.
-Eine Sonne, die nur für mich alleine schien.
-70 Polizisten. (Jaja. Tag der offenen Tür in der Polizeischule des nächsten Dorfes)
-Gesamthaft etwa dreissig Mädchen in kurzen Röcken und Flirtstimmung im Herzen
-Frau B. in ihrem Garten, Unkraut jätend und noch gesprächiger als Frau K.
-Ein verwirrtes Eichhörnchen
-Eine tote Maus
-Einen rüstigen Rentner in roten Socken, der mir von seiner geplanten Wandertour erzählte
- und und und.
 
Abends dann der SuperGau: „Lila. Hör mal…Nimm dir doch morgen frei.Ja? Wir meinen, dass wir es ohne dich schaffen sollten morgen. Du hast ja so einen mühsamen Weg hierher ohne Auto!“
Finde ich nicht. Aber danke !oh

 pic: Lila mit dem Handy . On the road.

Kategorien: Leben

Crazy ?

Donnerstag, 14.Mai 2008 · Kommentar schreiben

Crowe
A Beautiful Mind
Es kommt nicht darauf an wie normal du bist, sondern wie du damit umgehst.
 
 
Zitat von Clyde, der mit schizophrenen Menschen arbeitet.

Kategorien: Befindlichkeiten · Denken

Der Containerpirat

Dienstag, 12.Mai 2008 · 4 Kommentare

Ich stand müde am Glascontainer und warf Altglas hinein. Lustlos. Neben mir ein Korb mit Büchsen, die noch in die Quetsche kommen sollten. Dinge, die getan werden müssen, aber nicht zu meinen liebsten Aufgaben gehören. (Müll trennen ? Klar und sorgfältig. Sie aber entsorgen langweilt mich. ) Mein Retter kam in Form eines Jugendlichen, der schon von weit her zu hören war: Sein Handy plärrte die obligaten HipHop Rhythmen. Er trug eine Mütze, klar, und die Jeans in den Kniekehlen. Sein Ziel war die Bushaltestelle, mit dem Finger suchte er auf dem Fahrplan die wohl beste Verbindung ins nächste Dorf. Neugierig drehte er sich zu mir um.
 -Hallo
Sagte er.
Ich erwiederte es mit einem Lächeln.
-Darf ich ihnen helfen ?
Er sagte darf und nicht das pflichbewusste muss. Ich nickte, während er sich die Büchsen vornahm und sie in die Presse schob, an der Kurbel drehte und mir erzählte, dass er früher gerne Pirat geworden wäre. Die Kurbel erinnere ihn daran, dass er , als er noch bei seinem Vater lebte, daran drehen durfte und er sich dabei wie auf einem Seeräuberschiff vorkam.
Ein Pirat mit einem Kindergesicht im Körper eines 17jährigen, coolen HipHopers. Er erzählte mir noch einiges, als die Büchsen schon im Schlund des Containers verschwunden waren. Und irgendwann fuhr ich weg, während ich im Rückspiegel sah, dass er winkte. Bis ich um die Ecke fuhr und nicht mehr zu sehen war.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

Sonnegeküsst

Montag, 11.Mai 2008 · 7 Kommentare

Eichberg

 

Manchmal gibt es Tage, an denen man die Welt einfach einatmen möchte. Still . Oder den Tag in die Hosentasche packen, weil er so schön war, dass man ihn später, an weniger guten Tagen, in die Hand nehmen könnte. Dabei würde man lächeln.
Oder ihn verschlucken, den Tag. Als ganzes Stück. Wie ein grosses, wunderschönes Bild: Die Blumen verblühen nicht, die Fische im See sterben nicht und die Wolken ziehen nicht  weiter. Niemand würde sich über den verschluckten Tag aufregen oder ihn vermissen. Weil sich nichts ändern würde. Das ist wie mit der Kunst: Sie lebt auf Bildern weiter.
Wenn also jemand den gestrigen Tag nochmal haben will: Ich habe ihn. Verschluckt und eingepackt.
Weil er so schön war.
 

Kategorien: FotoArt

Lila und die Brille

Sonntag, 10.Mai 2008 · 3 Kommentare

Ich sah sie bisher ausschliesslich in Paris. Aber dort in einer Vielzahl, dass sie sich mir buchstäblich auf die Nase brannten. „Baby“, sagte ich zu Mr. T, „Ich will auch so eine Brille haben“. woodyallen
Die Antwort war ein gebrummeltes: Wenn du so ein Ding auf der Nase trägst, küsse ich dich nicht mehr. (Zumindest es hörte es sich genauso an ) Ich kann ohne Küsse leben, aber nicht ohne diese Retrobrille. Da war ich mir sicher in dem Augenblick. Ausserdem stört eine Brille beim Küssen und kann, wenn es denn sein muss, ausgezogen werden. Zurück in der Schweiz bummle ich seither nicht mehr durch Buchhandlungen oder Schuhläden, sondern schaue mir die Auslagen bei den Optikern an. Paris scheint weit weg zu sein. Und ich kam meiner Brille seither nicht näher. Erschwerend kommt hinzu, dass ich keine Brille trage. Im Grunde. Oder wenn, dann nur um mir an Meetings einen intellektuellen Touch zu geben oder mir damit eine Distanz in geschäftlichen Dingen zu schaffen. Meine Sehschärfe hat seit Paris rapid abgenommen. Da bin ich mir sicher. Vielleicht müsste ich mal Woody Allen fragen, wo er denn seine Brille her hat. Denn genau dieses Modell ist es.
Und das mit dem Küssen von Mr. T. klappt dann auch. Ganz bestimmt.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben