Madame Lila

Beiträge vom Juni 2009

Sommersonntag

Dienstag, 30.Juni 2008 · 4 Kommentare

 

loveyou

 

Wenn frau morgens eine Liebeserklärung im Auto vorfindet, bläst das einem verschwitzten Dienstag die Aura eines Sommersonntag ins Gesicht.

Nein. Es geht dabei nicht um die, noch, winterblassen Beine der Schreiberin. Und auch nicht um das Auto.
Möchte ich einfach erwähnt wissen.

Kategorien: FotoArt · Fühlen · Lieben

Wirf den Frosch an die Wand

Samstag, 27.Juni 2008 · 11 Kommentare

Ein ans Bett gebrachter Kaffee, den Gedanken, den anderen küssend erneut verschlingen zu wollen. Kissen auf dem Boden verstreut, in inniger Umarmung eingeschlafen. Nachdem zuvor das eigene Universum explodierte und neue Sterne geboren wurden. Sich nochmal an den Menschen kuscheln, während draussen Regentropfen auf die Blätter knallen.

Von einer aufdringlichen Fliege geweckt worden. Kaffee selber geholt. Aber regnen tut es tatsächlich. Ungeküsst in den Tag fliegen. Langsam.

Gestern dem grossen Drang widerstanden, einen Menschen an die Wand zu werfen. Oder ihn, wie eine Fliege, zu zermantschen. (Das mit dem an-die-Wand-werfen hilft wohl nur bei Fröschen.) Dafür blieben ganz viele Steine zurück, die man mir in den Weg legte. Gerade jetzt, während ich mich in dem zufriedenen Zustand der Ruhe befand. Also wieder von vorn: In die Hände spucken und Felsen abtragen in der Geografie meines Lebens.

Abends dafür wütend meine ungefilterten Gefühle am Bass ausgelebt. Ich glaube, ich habe bisher noch nie so gut gespielt.

Frauenfreundschaften lösen sich zuweilen in Luft auf.“Wie geht es deiner Freundin ?“ „Keine Ahnung“. Man fragt nochmals nach, weil sie doch überall zusammen hin gingen. Wie Kletten. Eine war ohne die andere nur halb. „Was ist passiert ? „, frage ich. „Ohh. Nichts…“
Und ich bin sicher, dieses Nichts ist männlich.

…White stripes… mir gefällt die einfache Basslinie, die hängen bleibt.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

Wo ist Fatma ?

Freitag, 26.Juni 2008 · 2 Kommentare

„Selam !“ Sagt er meistens. Oder er fragt :“NasIsn ?“ Manchmal klingt es auch wie : “GünaydIn.“
Ich bewundere seine Ausdauer, vor allem, wenn er mir nachts das Handy vollplappert. Dass ich nichts verstehe, scheint ihn nicht zu stören.Womöglich hat er mir bereits seine ganze Lebensgeschichte erzählt oder missbraucht meine Voicebox als Beichtstuhl.
 
Vorausgegangen war ein Anruf des Bassisten, der den Termin nächste Woche absagte und dabei erwähnte, dass er eine neue Handynummer hat.
Als ich dort anrief, meldete sich ein Mann, der erfeut ausrief: „Gülkütu !“
Etwas überrascht über die fremde Sprache, fragte ich nach Mark. „Mak ?“, fragte er zurück und ein Schwall fremder Worte folgte.
Nein ! Ich meine…Sorry…ich habe mich wohl verwählt. „Efendim ?“ Hmmmm? Meine Erklärung ging im Schwall seiner Sätze unter.
Beleidigt legte ich auf.
Seither scheine ich einen neuen Freund in Ankara zu haben, dessen Zeitgefühl alles sprengt, was ich bisher kannte.
 
Ist hier jemand der türkischen Sprache mächtig und kann mir eine Übersetzung für Ich bin nicht Fatma liefern ?
 
 
 
edit/ Nein, das wird jetzt kein Blog für die Wirrungen der Kommunikation im modernen Zeitalter.
 

Kategorien: Befindlichkeiten

Telefonliebe

Montag, 22.Juni 2008 · 11 Kommentare

Mme Lila nimmt einen Anruf entgegen.

-Hallo ?
-Hallo mein Schatz !

Die Stimme ist zwar männlich, klingt aber ganz anders als jene von Mr. T

-Wer bist du denn ?
-Na, ich. Meine Süsse. Ich wollte dir nur sagen, dass ich dich sehr liebe…
-Hmmm. Nein, glaub mir. Du liebst mich nicht. (Ich sage das lächelnd)
-Ich weiss es mit Bestimmtheit: Ich liebe dich. Nur dich !

Ich lache. Laut . Weil ich nicht anders kann und sage:
-Süsser. Du  liebst nicht mich, sondern Miss Cornflake. Ich gebe sie dir….
-Oh Mann. (Er ist ausser sich. ) Mme Lila ! Ich fasse es nicht. Sorry. Sie klingen wie das Cornflakegirl !

Er schämt sich. Entschuldigt sich und ich weiss mal wieder, dass ich offenbar die Stimme einer Sechzehnjährigen habe.

Kategorien: Leben · Lieben

Victoria und die Himbeermarmelade

Montag, 22.Juni 2008 · Kommentar schreiben

Ich nennen ihn Sokrates, weil er den Philosphen so gerne zitiert. Seit seine Frau starb, zog er sich noch mehr vom Leben um ihn herum zurück, lächelt er kaum mehr. Weil es für ihn ohne sie keinen Grund gibt, um fröhlich zu sein. Atheist sei er und früher zog er als Journalist um die halbe Welt. Wenn ich sage: „Hallo Sokrates ! Alles klar heute …?“, lächelt er und nickt. „Sokrates „, erwiedert er dann leise,“ jaja“. Kürzlich hatte er Besuch von zwei jungen Frauen. Er trank Kaffee mit ihnen, als ich ihn sah, umschloss die Tasse mit beiden Händen. Die Schultern gebückt. „Sie nennt mich Sokrates !“ Sagte er und lächelte. Die beiden Frauen nickten und lachten. „Ja. Das ist schön. Sokrates sein…“ Sie haben mich nicht gesehen, und auch nicht, dass mein Herz ganz warm wurde…

 Er habe kein Geld und kein Einkommen. Sagt er. Ausserdem Kinder zuhause, die nichts zu essen haben.
Sie gibt ihm Geld und er zottelt weg.
Später wird sie ihn wieder sehen. Mit einem ganz grossen Eis in der Hand.

 “Victoria !“ Sagt ein anderer erfreut, als er mich sieht. „Victoria!“ (Vermutlich gehören hier mindestens sieben Ausrufezeichen hin.) „Wer ist Victoria ?“ Frage ich, als er meine Hand in seine nimmt. „Du bist Victoria!“
Gut, dann bin ich eben Victoria. Gestern war ich Barbara. Vorgestern irgendwas anderes. Ich bin das, was er in mir sieht. Und wenn wir alle Frauennamen durch haben, fangen wir einfach wieder vorne an.

Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Konto wächst monatlich in einem Bereich, der mein Jahreseinkommen wohl übersteigt. Seine Krawatte wurde morgens passend zur Jacke geknöpft. Seine Brille ist sauber geputzt und seine Sprache klar und es gewohnt, Anweisungen zu geben. Die befolgt werden.
An seinem Kinn klebt ein roter, glänzender Fleck. In seinem Mundwinkel hängt beharrlich etwas ähnliches: Ich kann einen Mann nicht ernst nehmen, der Resten von Himbeermarmelade im Gesicht kleben hat. Einer, der zwar eine Führungsposition inne hat, aber nicht gelernt hat, seinen Mund nach dem Frühstück sauber zu wischen.

 

arnold

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben

questions #18

Donnerstag, 18.Juni 2008 · 11 Kommentare

Was liebst du ?

 

Kategorien: Fragen

Die Neurose der Mme Lila

Mittwoch, 17.Juni 2008 · 13 Kommentare

Wenn Mme Lila spätabends splitterfasernackt vor dem grossen Spiegel Verrenkungen macht, hat das nichts mit Eitelkeit oder Komplexen zu tun. Sie macht auch keinen Balztanz und Yoga übt sie woanders. Wer ihren entsetzten Gesichtsausdruck gesehen hätte, wüsste, dass es sich um eine ganz schlimme Angelegenheit handelt, die sie zu so akrobatischen Übungen zwingt. (Nein,nach Cellulite oder Falten suchte sie nicht. )

Wer Lila kennt weiss, dass sie ein netter Mensch ist. (Du kannst meine Mutter fragen) . Und sie Tiere liebt. (Frag die Katzen und die Mäuse, die ich rette) Auf der Liste der Dinge, die sie hasst, stehen ganz oben (Nein, nicht Spinnen ! Die sind okay) :Zecken ! Diese kleinen Biester, die sich festsaugen und ihren Bauch dick mit Blut von Wirten füttern. Die sich festkrallen, einbohren und freiwillig nicht loslassen.

Der Spiegelaktion gestern abend ging ein Spaziergang im Wald am Sonntag voraus. „Hier hat es viele Zecken, glaub mir“, sagte ich noch. Natürlich wurde ich nicht ernst genommen. Ich hätte triumphieren können, als mir Mr.T gestern am Telefon sagte, dass er eine ebensolche auf seinem Körper fand.Z.e.c.k.e ! Panisch beendete ich das Gespräch, forderte vom Mitbewohner, dass er mich untersucht und schob schon hoffnungsvoll das T-Shirt hoch. Dieser ergriff die Flucht, schreiend: „Mam ! Nicht ausziehen, ich werde blind !“ Inzwischen bereits hochgradig panisch, suchte ich die Mitbewohnerin. Diese aber wollte auch nichts von einer Rettungsaktion wissen, da sie (seit Stunden bereits) mit ihrem Liebsten am telefonieren ist. (Der Frage, wozu ich denn Kinder habe, stelle ich mir später).
Also flüchtete ich, die Kleider von mir werfend, zum Spiegel. Ging, hüpfend, jeden Zentimeter meines Körpers forschend durch. Hasste jeden kleinen Fleck, der sich schlussendlich doch nicht als Zecke entpuppte. Hasste den Wald und alle Tiere. Am Ende fand ich nichts.

Fazit: Zecke reimt sich auf Zicke. Ich stehe dazu.

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen · Leben

Teufel und Liebe und Lebensatt

Montag, 15.Juni 2008 · 9 Kommentare

Es verhält sich ähnlich, wie mit einem Liebhaber, den man verlässt. Oder von dem man verlassen wird. Den man geliebt, und gleichzeitig gehasst hat. Mit dem man lachte und, manchmal gleichzeitig, weinte. Wenn man dem alten Geliebten begegnet, es ist immer überraschend, auch wenn das Zusammentreffen vorhersehbar war, klumpt sich der Magen zusammen. Bilder entstehen im Kopf und die Gefühle fahren Achterbahn: Rauf und runter.

Wenn ich mit dem Auto aus dem Tunnel rausfahre, beginnt das Tal meiner Kindheit. Berge auf allen Seiten, grün und schneefrei jetzt. Der See in der Mitte. So wie immer. Und die Gefühle blubbern. Immer. Jedes Mal. Die Einheimischen dort sind sehr eigen, vielleicht gerade weil sie von den Touristen leben, versuchen sie ihre eigene Identität festzuhalten. Iisereneine zu sein, ein hiäsigä, und dadurch akzeptiert, ist schwer. Die Geschichte des Urkantons hat sie geprägt, genauso wie die Berge ringsherum.

Da ist die uralte Holzbrücke, die mehr Geschichte mit den Menschen gemacht hat, die dort runter in die tiefe  Schlucht sprangen. Weil sie lebenssatt sind. Da helfen auch die Gitternetze nicht, die sie vor ein paar Jahren angebracht haben, nachdem eine verzweifelte Mutter ihre Kinder runter warf. (Und zwei Jahre später sich selber.) Die Netze sind aussen angebracht, dort, wo die sozialen Netze versagt haben. Wer springen will, tut es trotzdem. Landet im Auffanggitter, robbt die zwei Meter und macht den Absprung in die Tiefe von dort aus.
Gestern waren da Blumen, weil letzte Woche wieder ein Mensch das eigene Leben nicht mehr ertrug.

Oder der Teufelsstein: Dort fängt die Hölle an. Sagten uns die Klosterfrauen im Kindergarten. Und: Wenn du nicht artig tust, jagt dich der Teufel über den Stein. Der Stein ist übersäät mit Fussabdrücken von Kinderfüssen, von gespaltenen Hufen, Klumpfüssen und (wenn man gut hinsieht) von Entenfüssen. Wie eingemeiselt . Geschliffen. Dennoch natürlichen Ursprungs.Er ist nur zu finden, wenn man mit der Geschichte vertraut ist. Man macht sich Gedanken, wie die Fusspuren dort hinkamen, dann vergisst man es wieder: Wer nicht an Gott glaubt, braucht den Teufel nicht zu fürchten.

Am Ende so eines Tages springt man am Besten in den See. Dessen Kälte diesmal, trotz eingesetzter Schneeschmelze, mild war. Man wäscht die alten Geschichten ab und fährt wieder heim. In den anderen Kanton. Wenn man dann aus dem Tunnel fährt, ist man wieder beim anderen zuhause angekommen und am Fuss des Pilatus.

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben · Träumen

Nachts

Donnerstag, 11.Juni 2008 · 9 Kommentare

Als ich gestern Abend einschlief, trug ich ein schwarzes T-Shirt. Ein Buch in den Händen und komische Gedanken im Kopf. (Nein, auf die Gedanken werde ich nicht näher eingehen.)

Als ich mitten in der Nacht erwachte, trug ich gar nichts mehr,mein Handy in der Hand und das Licht brannte.

Muss ich mir Sorgen machen ?

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen

Bürgerliche Revolution in Turnschuhen

Mittwoch, 10.Juni 2008 · 1 Kommentar

Wir waren siebzehn. Oder achtzehn. Aber im Grunde spielte es keine Rolle, wie alt wir waren. Aber alles was über 25 war, hatte die Grenze und somit das Verfalldatum überschritten. Wir fuhren auf der Überholspur und Vollgas. Als gäbe es es kein Morgen. Der Punk hatte uns von England her eingeholt: Wir brauchten zu dritt einen ganzen Haarspray, um unsere Haare zu stylen. Oder benutzten dazu eine Flasche Cola, wenn das Geld nicht reichte.
Die geliebten Chucks an den Füssen und die Anarchie im Herzen. Einen tätowierten Stern am Arm und unzählige (sieben ?) Silbercreolen an den Ohren.
Wir bewegten unsere Welt, indem wir rumhingen (heute würde man ‘chillen’ dazu sagen), über Karl Marx Kommunismus diskutierten, die Unfreiheit des kleinen Bürgers lachten oder uns Gedanken machten, wo das nächste Konzert stattfinden würde.
 
Verliebt waren wir, immer und immer irgendwie unglücklich. Und nur eines wussten wir mit Bestimmtheit: So wie die anderen, würden wir nie werden !Die anderen waren immer die Spiesser. Jene, die uns in wohlgefällige Portionen teilen wollten. Konform. Passend machen. Brave Steuerzahler, rund, ohne Ecken und revolutionäre Gedanken.
 
Als ich gestern an dem Konzert war, die geliebten Chucks an den Füssen (das ist, mit dem Stern am Arm, das einzige was blieb) spielten sie die Riffs so punkig, dass ich wieder siebzehn war. Im Herzen. Für die Dauer des Konzertes.
Und am Ende war ich froh, dass ich den Schlafsack von damals gegen ein warmes Bett getauscht habe. Dass ich zuhause über die Sneakers der Mitbewohner stolpere, eine aufgebrochene Cornflakespackung auf dem Tisch und die Katze vorfinde, die ihr Futter haben will.
Dass ich heute jeweils morgens erwache mit Haaren, die freiwillig in alle Richtungen streben, scheint eine Gemeinheit der Natur zu sein. (Was hätte ich damals dafür gegeben, SO auszusehen. )
Ausserdem mache ich mir Gedanken über die Steuern und dass ich den Rasen wieder mähen sollte.
Bürgerlich brav im Aussen zu sein, ist gar nicht so schwer. Es lebt sich ziemlich gut damit…
 

 

Was Mr. Roschee  zum gestrigen Konzert zu sagen hat.

Kategorien: Leben