Wenn Mme Lila spätabends splitterfasernackt vor dem grossen Spiegel Verrenkungen macht, hat das nichts mit Eitelkeit oder Komplexen zu tun. Sie macht auch keinen Balztanz und Yoga übt sie woanders. Wer ihren entsetzten Gesichtsausdruck gesehen hätte, wüsste, dass es sich um eine ganz schlimme Angelegenheit handelt, die sie zu so akrobatischen Übungen zwingt. (Nein,nach Cellulite oder Falten suchte sie nicht. )
Wer Lila kennt weiss, dass sie ein netter Mensch ist. (Du kannst meine Mutter fragen) . Und sie Tiere liebt. (Frag die Katzen und die Mäuse, die ich rette) Auf der Liste der Dinge, die sie hasst, stehen ganz oben (Nein, nicht Spinnen ! Die sind okay) :Zecken ! Diese kleinen Biester, die sich festsaugen und ihren Bauch dick mit Blut von Wirten füttern. Die sich festkrallen, einbohren und freiwillig nicht loslassen.
Der Spiegelaktion gestern abend ging ein Spaziergang im Wald am Sonntag voraus. „Hier hat es viele Zecken, glaub mir“, sagte ich noch. Natürlich wurde ich nicht ernst genommen. Ich hätte triumphieren können, als mir Mr.T gestern am Telefon sagte, dass er eine ebensolche auf seinem Körper fand.Z.e.c.k.e ! Panisch beendete ich das Gespräch, forderte vom Mitbewohner, dass er mich untersucht und schob schon hoffnungsvoll das T-Shirt hoch. Dieser ergriff die Flucht, schreiend: „Mam ! Nicht ausziehen, ich werde blind !“ Inzwischen bereits hochgradig panisch, suchte ich die Mitbewohnerin. Diese aber wollte auch nichts von einer Rettungsaktion wissen, da sie (seit Stunden bereits) mit ihrem Liebsten am telefonieren ist. (Der Frage, wozu ich denn Kinder habe, stelle ich mir später).
Also flüchtete ich, die Kleider von mir werfend, zum Spiegel. Ging, hüpfend, jeden Zentimeter meines Körpers forschend durch. Hasste jeden kleinen Fleck, der sich schlussendlich doch nicht als Zecke entpuppte. Hasste den Wald und alle Tiere. Am Ende fand ich nichts.
Fazit: Zecke reimt sich auf Zicke. Ich stehe dazu.