Madame Lila

Telefonliebe

Montag, 22.Juni 2008 · 11 Kommentare

Mme Lila nimmt einen Anruf entgegen.

-Hallo ?
-Hallo mein Schatz !

Die Stimme ist zwar männlich, klingt aber ganz anders als jene von Mr. T

-Wer bist du denn ?
-Na, ich. Meine Süsse. Ich wollte dir nur sagen, dass ich dich sehr liebe…
-Hmmm. Nein, glaub mir. Du liebst mich nicht. (Ich sage das lächelnd)
-Ich weiss es mit Bestimmtheit: Ich liebe dich. Nur dich !

Ich lache. Laut . Weil ich nicht anders kann und sage:
-Süsser. Du  liebst nicht mich, sondern Miss Cornflake. Ich gebe sie dir….
-Oh Mann. (Er ist ausser sich. ) Mme Lila ! Ich fasse es nicht. Sorry. Sie klingen wie das Cornflakegirl !

Er schämt sich. Entschuldigt sich und ich weiss mal wieder, dass ich offenbar die Stimme einer Sechzehnjährigen habe.

Kategorien: Leben · Lieben

Victoria und die Himbeermarmelade

Montag, 22.Juni 2008 · Kommentar schreiben

Ich nennen ihn Sokrates, weil er den Philosphen so gerne zitiert. Seit seine Frau starb, zog er sich noch mehr vom Leben um ihn herum zurück, lächelt er kaum mehr. Weil es für ihn ohne sie keinen Grund gibt, um fröhlich zu sein. Atheist sei er und früher zog er als Journalist um die halbe Welt. Wenn ich sage: „Hallo Sokrates ! Alles klar heute …?“, lächelt er und nickt. „Sokrates „, erwiedert er dann leise,“ jaja“. Kürzlich hatte er Besuch von zwei jungen Frauen. Er trank Kaffee mit ihnen, als ich ihn sah, umschloss die Tasse mit beiden Händen. Die Schultern gebückt. „Sie nennt mich Sokrates !“ Sagte er und lächelte. Die beiden Frauen nickten und lachten. „Ja. Das ist schön. Sokrates sein…“ Sie haben mich nicht gesehen, und auch nicht, dass mein Herz ganz warm wurde…

 Er habe kein Geld und kein Einkommen. Sagt er. Ausserdem Kinder zuhause, die nichts zu essen haben.
Sie gibt ihm Geld und er zottelt weg.
Später wird sie ihn wieder sehen. Mit einem ganz grossen Eis in der Hand.

 “Victoria !“ Sagt ein anderer erfreut, als er mich sieht. „Victoria!“ (Vermutlich gehören hier mindestens sieben Ausrufezeichen hin.) „Wer ist Victoria ?“ Frage ich, als er meine Hand in seine nimmt. „Du bist Victoria!“
Gut, dann bin ich eben Victoria. Gestern war ich Barbara. Vorgestern irgendwas anderes. Ich bin das, was er in mir sieht. Und wenn wir alle Frauennamen durch haben, fangen wir einfach wieder vorne an.

Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Konto wächst monatlich in einem Bereich, der mein Jahreseinkommen wohl übersteigt. Seine Krawatte wurde morgens passend zur Jacke geknöpft. Seine Brille ist sauber geputzt und seine Sprache klar und es gewohnt, Anweisungen zu geben. Die befolgt werden.
An seinem Kinn klebt ein roter, glänzender Fleck. In seinem Mundwinkel hängt beharrlich etwas ähnliches: Ich kann einen Mann nicht ernst nehmen, der Resten von Himbeermarmelade im Gesicht kleben hat. Einer, der zwar eine Führungsposition inne hat, aber nicht gelernt hat, seinen Mund nach dem Frühstück sauber zu wischen.

 

arnold

Kategorien: Befindlichkeiten · Leben