Madame Lila

Beiträge vom Juli 2009

Zum Mond fliegen

Donnerstag, 30.Juli 2008 · 4 Kommentare

Ich erwachte die letzten Tage nicht im eigenen Bett. Sondern in dem Zimmer mit der Wendeltreppe. Dort gibt es Küsse in der Nacht und morgens einen Kaffee, der ans Bett gebracht wird. „Guten Morgen Prinzessin“. Die Prinzessin bin ich: Eine zerzauste Medusa, die sich aus ihren Träumen von Meer und Reisen wickelt. Ich weiss nicht, warum das Ziel meiner Nachtträume in letzter Zeit immer wieder das Meer ist. Wenn ich es endlich erreicht habe, erwache ich.
Mit dem Gefühl nach Salz auf der Haut und Sand an den Füssen. Es würde mich nicht überraschen, wenn ich eine Muschel in der Hand umklammert hätte.
 
Tagsüber haben wir gemeinsam Orte erforscht. „Die Landschaft im Aussen, so wie du sie siehst, spiegelt  dein Inneres wieder…“ Keine Ahnung wer das sagte. Das Innen wäre demnach, als wir im Emmental waren, hügelig, grün und sanft. Mit einem blauen Himmel und weissen Wolken, die im Grunde Fische sind. Oder Herzen. Oder Schiffe. Manchmal Drachen. Freundlich lächelnd .
Das Innen ist aber auch ein Wildbach gewesen, in dem wir Barfuss standen und schöne Steine sammelten: Sally die uns interessiert zusah und dann anfing, sich eigene (immer viel zu grosse) Steine zu suchen um sie ebenfalls weg zu tragen.
Oder kleine Städte mit mittelalterlichen Häusern, manchmal mit verzauberten Gärten. Aber immer mit Blumen vor den Fenstern. Cafes an Plätzen, mit Sommermenschen, die offenbar alle in Ferienstimmung sind. Hübsche Mädchen mit klitzkleinen Röcken treten fast immer kichernd und gruppenweise auf.
Eine alte Frau, die ihre Einkäufe mit einem Trottinette heimfährt. Und der Mann, dessen verschrumpelter Hund genauso aussieht, wie sein Herrchen:
Er schlürft Kaffee (der Mann)  und schiebt sich Tortenstücke in den Mund, bedächtig und versonnen kauend. Während der Hund im Schatten des Tisches liegt und vor sich hin hechelt.
 
Abends schmücken wir Träume aus, erzählen uns Geschichten und bauen gedanklich Luftschlösser, in denen wir wohnen werden. Schafe züchten in Neuseeland ? Warum nicht ? Oder Kakteen in Arizona ? Klar. Apollo 11 brauchte 4 Tage für die Reise zum Mond. Wir brauchen für die Reise dorthin nur ein paar Sekunden.

Kategorien: Fühlen · Lieben

Engel….

Donnerstag, 30.Juli 2008 · 7 Kommentare

 

angel

….sind unter uns. Manchmal können wir sie sehen.

Kategorien: FotoArt · Leben

Zeichen

Montag, 27.Juli 2008 · 5 Kommentare

Ein Clip von  Patrick Hughes. Gefunden bei Liz. Einfach herzwarmschön. Finde ich.

Kategorien: Fühlen

Mohamed und Maike und die gelebte Sehnsucht

Donnerstag, 23.Juli 2008 · 1 Kommentar

Wir fuhren mit dem Nachtzug durch Frankreich. Unser Ziel war Valencia und zugleich die Endstation des Zuges.Von dort aus wollten wir ans Meer fahren, wenn eine Bahn nach Portugal führe, würden wir den nehmen, dachten wir. Als wir den Zug in Lyon bestiegen, durchwanderten wir ein paar Wagen. bis wir tatsächlich ein Abteil für uns hatten. Wir waren müde und freuten uns auf die weichen Sitze, auf eingekuscheltes Schlafen mit dem Klacken der Bahnschwellen. Kaum hatten wir unsere Taschen ins Gepäcknetz verstaut, kam Mohamed durch die Tür. Er grüsste freundlich, setzte sich und er liess sich durch unser provozierendes Gähnen nicht davon abhalten, uns seine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die die ganze Nacht dauerte.
Ein Monolog, unterbrochen von Fotos, die er aus seinem Portemonnaie zog und die er uns präsentierte: Drei schwarzlockige Kinder, eine üppige Frau und jede Menge Onkeln und Tanten. Tränen flossen in Strömen, wenn er von Algerien erzählte und wie er seine Familie vermisse. Natürlich würde er sie holen, irgendwann, wenn er dann erfolgreich bei seiner Jobsuche sein würde. Er viel Geld verdient und ihnen ein angenehmes Leben in Frankreich ermöglichen könnte.
Ich glaube, ich habe nie wieder einen Mann so weinen sehen.
Als er den Zug in Perpignan verliess, waren wir müder als zuvor. Wir wurden umarmt, geküsst und von ihm emotional adoptiert. Er schenkte uns seine letzten Zigaretten und wieder, wenn wundert es, Tränen des Abschieds. Von seiner Seite her.

Portugal erreichten wir übrigens auf dieser Reise nicht. Weil nach Perpignan irgendwann Maite zustieg. Und mit ihr dann eine andere Geschichte, die uns in ein pitoreskes Dorf am Meer führte und uns unter anderem die beste Paella bescherte, die ich jemals ass. Von Maite über einem offenen Feuer zubereitet.

Wir waren Fern-weh-fahrer, glückliche Nomaden, deren Trägheit in der Hitze die grösstmögliche Ausdehnung erreichte. Denen es gleichgültig war, wo wir schliefen. Ob Sterne über uns blitzten oder ein ungemachtes Bett eine luxuriöse Übernachtung bot. Unsere Ziele waren genauso flexibel und im Grunde keine. Manchmal sassen wir abends im warmen Sand, den Blick über das Meer an den Horizont geklebt. Kitzelnde Sandkörner an den Füssen, die Hand des Freundes streichelnd am Rücken. Die von der Sonne gold gebleichten Haare lockig von der feuchten Luft. Der gelebte Traum von der grösstmöglichen Freiheit, im Kopf Wurzeln schlagend.

Hair. Aquarius.

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen

Regennasse Sommertage

Samstag, 18.Juli 2008 · 3 Kommentare

Es ist sehr heiss an dem Tag und ich parke mein Auto mit offenen Fenstern neben einem Einkaufszenter. Der Kerl, der auf mich zu kommt, trägt seine Jeans in den Kniekehlen und die Mütze verkehrt auf dem Kopf. Er mustert mich, als ich das Auto verlassen will:
-Lady. Du musst die Fenster schliessen .
-Ach. Bei der Hitze dürfen sie offen bleiben.
Antworte ich. Er grinst und erwiedert:
-Würde ich nicht tun. Hier wird alles mögliche aus den Autos geklaut.
-So ?
-Ja. Hier lungern immer so Typen herum, die klauen alles.
Dann lacht er. Schiebt die Mütze tiefer ins Gesicht und sagt:
-Ich zum Beispiel. Ich gehöre zu denen…
 
Die Tage um mich herum blähen sich auf und entschwinden viel zu schnell und blubbernd.
Sie bringen mich zum Lachen, immer wieder. Meistens wegen Sally, die über die Felder rennt und Krähen jagt. Oder die es schafft, Hundespielzeug innert Minutenfrist zu zerlegen.
Sie küssen mich auch, die Tage. Eingerollt einschlafen, mit dem Kopf auf der Brust von Sir T. Während der Regen draussen ein beruhigendes Stakkato als Hintergrund liefert.
Auf die Frage: „Bist du müde?“ Wird mit „nein“ geantwortet. Darum: „Dann lass uns ins Bett gehen…!“
 
Und da waren noch die Kerle von Metallica, die mein dunkelbuntes Rockerherz am Donnerstag zum Bebben brachten. Well done, Jungs.
Fazit: Es gibt Musik, die auch nach 20 Jahren Business noch so klingt, wie damals. Und mein plüschigweiches inneres, kann sich musikalisch austoben.
 
 
 

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen · Leben

Fliegende Metamorphose

Montag, 13.Juli 2008 · 4 Kommentare

Sie fliegen. Die Ameisen im lila Garten. Warum sie das tun, ist mir unerklärlich. Aber mit Bestimmtheit planen sie etwas…. Ich darf sie nicht aus den Augen lassen, da bin ich mir sicher !

 Aufgrund eines Textes über das Wort tingeln gestolpert. Darüber nachgedacht. Im Futur I Konjunktiv II gefällt mir das Wort am Besten.

 Und plötzlich viele Hundefreunde haben:
 - Ist der Süss ! (Er ist eine Sie).
- Oh. (In kindliche ‘kuschikuschi’ Sprache verfallend). Ist noch jung, das Hundi ?!
- Was für eine Rasse ist das ? Hübsch ! (Rasse unbekannt. Weder Stammbaum noch berühmte Vorfahren)
- Sie haben einen schönen Hund. Wächst der noch ? (Nur wenn man sie täglich giesst, dann kann sie 2 Meter gross werden)
- Darf ich den anfassen ?
- Hol das Stöckchen ?

Und plötzlich genauso viele Hundefeinde kennen:
Hund an die Leine nehmen !/Beisst der ?/ Iiihhh. Der schnüffelt an meinen Beinen !/Hunde sind eklig, die verlieren immer Haare/Wer einen Hund hat, hat keine Freunde/ect.

Meine Grossmutter sagte immer: „Von einem, der Tiere und Kinder nicht mag, halte dich fern. Mit dem stimmt was nicht.“

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen

Und dann kam Sally

Freitag, 10.Juli 2008 · 7 Kommentare

Er war mein treuer Begleiter. Das einzige männliche Wesen, das es länger als zwölf Jahre mit mir aushielt. Er ertrug meine Launen, und ich seine. Als er zu uns kam, war er knapp drei Monate jung, hatte keine Ahnung vom Leben und davon, was man als Hund tun darf und was nicht.. Wir rannten über Felder, wenn er meine Schuhe nicht zerbissen hatte, weil ich sie liegen liess. Er wärmte meine Füsse, wenn ich fror und er trug eine zeitlang Katzenbabys heim, wenn der Bauer nebenan Junge hatte. Kinder liebte er über alles: Er fand immmer wieder Wege, um aus dem Garten auszubrechen und hoch zur Schule zu gehen, wenn er die Kinder in der Pause spielen hörte. Die Lehrer waren weniger begeistert davon, weil er doch ein stattlicher Hund war und ein paar Kinder Angst vor Hunden hatten.
Ich kann mich erinnern, dass er einmal mit auf die Schulreise gehen wollte, die an unserem Haus vorbeiführte. Sie konnten ihn nicht abwimmeln, er stieg mit den Schülern in die Bahn und ich bekam einen Anruf, dass ich ihn in Luzern am Bahnhof, bitteschön, abholen sollte. Er hatte viele Macken, die ich ihm abgewöhnen konnte und solche, die ich akzeptierte. Seine Treue und abolute Zuneigung uns gegenüber war einzigartig. Als er im Januar eingeschläfert wurde, litt ich. Er fehlte mir in meinem Leben. Seinen Napf schob ich unter die Ofenbank, aus meinem äusseren Sichtfeld heraus. Ich schaffte es bis heute nicht, diesen wegzuwerfen.
Und ich war mir nicht sicher, ob ich je wieder einen Hund haben wollte.

Und dann kam Sally. Das Hundemädchen, das fremde Leute wie alte Bekannte begrüsst. Die in ihrem kurzen Leben schon jene Geschichten erlebte, die einfach nicht nötig sind und trotzdem immer noch passieren: Dass Menschen sich einen Hund anschaffen und dann merken, dass sie doch keine Zeit dafür aufwenden wollen. Sally liegt jetzt unter dem Schreibtisch, während ich schreibe. Genauso wie mein Hund vorher. Und genauso wie damals, werde ich jetzt die Hundeleine nehmen und mir ihr an den See laufen. Sie liebt Wasser.
Und sie scheint mich zu mögen, genauso wie ich sie.

Kategorien: Befindlichkeiten · Fühlen · Leben

Rotationsgeschwindigkeit

Dienstag, 7.Juli 2008 · 6 Kommentare

Manchmal rast das Leben so pfeilschnell an mir vorbei, dass ich hüpfend hinterher hinke.
Darum:

————————————— Hier selber den Text deiner Wahl einfügen —————————————

Kategorien: Befindlichkeiten

Kornfeld

Sonntag, 5.Juli 2008 · 6 Kommentare

002

Worum denn in die Ferne schweifen ? Sieh…das Gute liegt so nahe.
Abendstimmung auf dem Feldweg hinter Villa Lila.

Kategorien: FotoArt

Morgenliebe

Donnerstag, 2.Juli 2008 · 7 Kommentare

Liebe ist…. …
wenn sie frühmorgens auf den Kaffee verzichtet, weil nur noch eine einzige Kapsel für die Maschine da ist.
Weil sie weiss, dass er morgens ohne Koffein nicht in die Gänge kommt. …

wenn er später aufsteht als sie, seinerseits auf den Kaffee verzichtet, um ihr die letzte Kapsel zu lassen.
Weil er weiss, dass sie nach der Arbeit immer einen Kaffee braucht.

Kategorien: Befindlichkeiten · Lieben