Archiv | Januar 2012

Ansichten einer Strasse

Sie ist hässlich wie eine zerlumpte Frau in geflickten Kleidern, die im Schmutz nach Zigarettenkippen sucht. Ist eine der Kehrseiten dieser Stadt, die sorgfältig vor den Touristen versteckt wird.
Die Huren dort verkaufen sich billig. Vielleicht, weil viele von ihnen schon ihr halbes Leben dort verbringen und in schäbigen Zimmern auf ihre Freier warten, die im Dunkel der Nacht ihre Autos ein paar Strassen weiter parken, damit niemand ihre Autonummern sieht.

Die Fassaden der Häuser verlieren ihre Farbe wie billiges Make up, auf das Leute Graffiti gesprayt haben.
Menschen torkeln mittags betrunken aus dem Restaurant  und streiten auf der Strasse um irgendwas, das nur für sie eine Bedeutung hat. Sie scheinen viel Zeit zu haben. Keiner hetzt.
Ein Hund verrichtet sein Geschäft auf dem Trottoir, man passt auf, wo man hin tritt.

In dieser sauberen Stadt, die sich jeden Morgen schön zurecht macht und die Besucher mit einem perfekt zurecht gemachten Lächeln begrüsst .

~°~

Diese Strasse besucht man nur, wenn man vom Sozialamt und der Suche nach billigem Wohnraum dazu gezwungen wird. Man nachts nicht schlafen kann, weil eine Frau für die unbefriedigende Momentwärme fehlt.
Oder man Patientenbesuche macht.

Als ich aus dem Auto steige, grinst mich ein fast zahnloser Mann an und bittet  um eine Zigarette. Oder Geld. Oder beides : Es hat sich nichts verändert hier, seit ich vor vielen Jahren einmal hier gewesen bin.
Ich werde mit der Neugier eines Kindes gemustert, als ich die Strasse entlang laufe und die Hausnummer suche, ohne geheuchelte Zurückhaltung. Vielleicht haben die Leute dort ihre Masken verloren, weil es ihnen zu anstrengend war, sie täglich neu zu polieren, damit sie glänzt ?

Ich widerstehe meiner Lust, mir einfach die Kapuze über den Kopf zu ziehen, weil ich mir kein Fell als äussere Membran habe wachsen lassen. Und lasse all die Eindrücke durch mich hindurch ziehen, wie
ein Wind durch die Äste eines Baumes.

Der Patient lebt in dem verwitterten Haus mit den roten Lichtern vor den Fenstern.
Und er bedankt sich herzlich und aufmerksam, als ich später wieder gehe.
Draussen werde ich mich schütteln wie ein nasser Hund, damit die meisten Eindrücke an mir
abperlen wie auf einer glatten Oberfläche.
Und dennoch wird einiges kleben bleiben: Ich lasse mir trotzdem kein Fell wachsen. Weil das keine wirklichen Lebens-Berührungen zulässt.

True

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit “zur richtigen Zeit am richtigen Ort” bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnung für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das heißt AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo. Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”, aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und Anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen machmal aufeinander und es entstehen neue Welten. HEUTE WEIß ICH, DAS IST LEBEN!

°°°Charlie Chaplin°°°

Kieselsteinherz

 

 

 

Sie hat tausend Kinder und für jedes davon trägt sie ein Herz mit sich herum. Manche sind wie Ballone, deren sonnige Reflexe sie so blenden, dass sie manchmal einen Sonnenbrille trägt. Andere sind schwer wie eine Wagenladung voller Kieselsteine, die ihren Rücken dazu zwingen, trotz dem Gewicht nicht zu zerbrechen.
Jedes dieser Kinder ist einzigartig und trägt in seinem Wesen dazu bei, dass sie selber wächst und die Welt staunend mit den Augen der Kinder sieht.

Manchmal überlässt eines der Kinder sich dem lockenden Wind und fliegt weg. Über den Horizont hinaus. Sie winkt lächelnd eine Weile nach, bis der Punkt am Himmel nur noch so winzig ist, dass man ihn kaum mehr sehen kann.

Gelegentlich kommt es auch vor, und das sind die schmerzhaften Kieselsteinherzen, dass ein Orkan eines der Kinder weg fegt. Es mitreisst in eine ungewisse Zukunft. An einen Horizont, der schwer trägt an dunklen Wolken. Die sich auch mit einem Lächeln nicht wegwischen lassen und schon gar nicht mit unzähligen Tränen. Solchen, deren Salz senkrechte Linien in das Gesicht brennen.
(Man kann diese Narben nicht mit offenen Augen sehen. Zuweilen aber, wenn man andere mit dem Herzen berührt, spürt man sie.)

Sie erwacht dann jeden Morgen mit der Zuversicht, dass sie dieses gefolterte Herz mit Tesafilm nur zu kleben braucht, um es wieder heil zu machen. Also klebt und kleistert sie. Jeden Tag aufs neue.
(Wer aufgibt hat schon verloren)

Veränderungen kündigen sich meistens an, manchmal aber auch nicht. So kommt es, dass ein gewöhnlicher Tag durch einen Telefonanruf zu einem der  schönsten Tage ihres bisherigen Lebens wird :
Das tausendmal zerbrochene Kieselsteinherz bricht nicht mehr auseinander, nachdem sie es in täglicher Kleinarbeit flickte, sondern es hält.
Ganz vorsichtig balanciert sie es in ihren Händen und bläst ihm, zaghaft zuerst und dann immer mutiger, Leben ein.
Sie lockt die Sonne hervor, bitte sie, zu diesem Herz ganz besonders Sorge zu tragen und hängt es zu den anderen Luftherzen, die im Licht neben ihr her fliegen.

Dann weint sie. Und die Tränen, die jetzt fliessen, sind zuckersüss und füllen die dumpfen Narben im Gesicht mit einer glänzenden Glasur, die sie all die vergangenen Jahre vergessen lässt.

Merci



Danke.
An all meine Leser, die mich hier auf diesem Blog durch das Jahr begleitet haben: Den leisen, die man nicht hört und nicht sieht. Den lauten, die ihre Kommentare und Meinungen zu Beiträgen posten .

Danke. 
An die Schreiberlinge anderer Blogs, die mich zum Nachdenken oder zum Lachen brachten. 
Ich lese euch. Auch wenn ich eher zu jenen gehöre, die selten Kommentare schreiben. 

Danke.
All jenen Menschen, die mich 2011 inspirierten. Durch Mails. Bücher.Gedanken.Wirken. 

Ohne euch wäre mein Blog ohne Farben und atemlos. 

Ich wünsche euch allen für das 2012, dass eure Träume niemals die Kraft verlieren, real zu werden.