Archiv | Februar 2012

Wenn Frauen wissen, was sie wollen

Heute beim Frisör :

Die Lady kam lächelnd zur Türe herein und verkündete der Frisöse ihres Vetrauens:

-Du ! Ich möchte mich komplett verändern !

Die Haarschneiderin quittiert diese Aussage mit einem Zwinkern, während sie ihre Jacke auf einen Bügel hängt:
-Ein neuer Mann in deinem Leben ?

-Aber nein. Leider. Ich möchte für mich selbst meinen Stil ändern…

Sie setzt sich. Leider so in einen totel Winkel meiner Betrachtung, dass ich von nun an nur noch das Gespräch mitverfolgen kann.

Raschelraschel….wuschwusch…(Das Geräusch von fachkundigen Händen, die in langen Haaren wühlen. )

Die Frisöse, ihre Stimme ist unverkennbar, schlägt vor:

-Ich könnte dir zu einem frechen Kurzhaarschnitt…
-Ach nein. Die Länge muss bleiben, das bin Ich

Raschelraschel….Ein Stuhl wird etwas verschoben.

-Wie wäre es mit einer Tönung, etwas ins dunklere gehend….
-Nein. Blond, wie es ist, steht mir am besten, weisst du.

-Meches. Ein paar Akzente in einer anderen Farbe ?
-Ach nein. Nein. Die Farbe wächst doch raus und dann habe ich den Ärger mit dem Nachfärben.

Wuschwuschtschhhhh. (?)

-Stufen schneiden, damit du mehr Fülle ins Haar bekommst ?
-Ist mein Haar etwa platt ? Habe ich nicht genug Volumen ???
(Die Stimme fliegt zwei Oktaven in die Höhe und hört sich schrill an)

Die Frisöse beruhigt die Kundin und lobt die Qualität, Struktur und den Glanz der Haare.

-Vielleicht….(setzt sie etwas pikiert an) …könnten wir den Scheitel in die Mitte nehmen, sähe bestimmt fantastisch aus. Trägt man jetzt eher mittig.
-Och nein. Das hatte ich in der Schule mal. Stand mir gaaaar nicht !

-Was hast du dir denn vorgestellt ?
-Hmmmm. Waschen, Spitzen schneiden, das letzte Mal hast du zuviel geschnitten !, reicht aus für heute.

- ?
- !

Gefangenes Glück

Ich hätte Lust, ganz viele Einmachgläser zu kaufen um sie alle zu füllen. Mit Dingen, die mir lieb geworden sind oder Kleinigkeiten, die durch mich hindurch gefegt sind, Momentaufnahmen, unfassbar.
Um nichts zu vergessen.

In ein Glas würde ich ein gestohlenes Lachen, das helle, strahlende, meiner Mitbewohnerin stecken. Wenn sie glücklich ist, und das ist sie meistens, wandert ihr Lachen zu den grünen Augen und tupft goldene Lichter dort hinein.

In ein anderes Glas käme mindestens einer dieser berührenden Sätze, mit denen mein jüngerer Mitbewohner mir regelmässig den Atem nimmt.Weil sie so treffend sind und mir zeigen, wie gut er mich kennt.

Ein Stück Farbe würde in ein anderes Glas kommen. Die Farbe, mit der wir zu viert an einem der letzten Sonntage die Wand gestrichen haben. Herumalbernd, kichernd und mit dem satten Ton, der klebrige Farbe an sich hat, wenn sie mit dem Roller aufgetragen wird. (Hast du das schon mal gehört ? Ich liebe es)

Eine gestohlene Locke käme auch in ein Glas. Sie rollt sich ein wie eine Schnecke hinten im Nacken, wenn der Träger dieser Locke leicht anfängt zu schwitzen. Erst dann biegen sich die Haare zu einer trotzigen Locke, die anfängt sich zu kräuseln.

Dieses schwitzende Gefühl, wenn man rennt und rennt und glaubt, nicht mehr weiter zu können. (Und es trotzdem tut: Noch ein bisschen mehr und noch weiter) und dann plötzlich dieses Flow kommt, das alles möglich macht, würde ich auch in ein Glas legen. Es ist ein bisschen wie fliegen. Und du weisst: Egal was auf dich wartet im Leben, du schaffst das. Weil du mal wieder über dich hinaus gewachsen gerannt  bist.

Das hier käme auch in ein Glas. Nur ein winziger Tupfer, soviel wie auf meinen Zeigefinger passt. Weil es so glücklich macht. Mehr nicht. Weniger aber auch nicht.

Musik. Meine Lieblingssongs, die wechseln täglich, müssten auch in ein Glas. Von jedem Song, der mich momentan in Verzückung bringt, drei Töne. Nur drei. (Findest du das albern und wenig ? Nein. Schau. Womöglich ergibt dich dadurch eine neue, nie gehörte Harmonie. Ich hätte nicht nur einen Tonvorrat, sondern ein ganz neues Lied. Ein ganz persönliches.

Ich hätte gerne ein paar Haare meiner Katze in einem Glas. Der Diva, die ihr Futter nur isst, wenn man so tut, als würde man ihr neues geben. Aber es nicht tut. Sondern nur so tut. Ihr Fell ist weich und warm.
Manchmal liebt sie es, wenn sie gestreichelt wird. Oft nicht. Sie entscheidet. Und das macht es zu einem spannenden Spiel: Ich will immer. Sie nicht.

Die Stille würde ich in ein Glas einsperren. Jene Stille absolute Stille, die ich während dem Snowtrail in den Bergen fühlte: Rein. Gar. Nichts. Nicht mal das Knacken einer Tanne war zu hören oder das Bersten eines Stück Eis. Nichts. Unglaublich friedlich.

Ein Stück des selbstbestimmenden Tages würde ich in ein Glas legen, ganz vorsichtig. Dann, wenn ich frei habe und morgens aus einem Traum erwache und mir bewusst wird, dass ich heute nichts muss.
Nur tun darf, was  ich tun will. Und nicht mal das.

Ich würde diese Gläser nebeneinander stellen, sie womöglich beschriften. Jedes Glas mit einer anderen Farbe. Und täglich käme ein halbes Dutzend neuer Gläser dazu.
Ganz bestimmt.

Vielleicht fange ich damit an, Gläser zu sammeln.