Träumen

Von Rimuss und Sternen und der Fernbedienung

Ich liebe den Sommer, barfuss, wenn’s geht. Mag aber den Winter genau so: Endlich legal unzählige Kerzen anzünden und in ihrem Schein lesen. Henning Mankells ‚Die italienischen Schuhe’ seit gestern. Vorgestern war es noch Hemingway.

Oder am Fenster stehen, zusehen wie Schneeflocken das Feld vor dem Haus zudecken. Kein Schnee die Tage. Betrüblich.
Zurück denken an die Weihnachtstage zuhause. Ich bin ein Nestflüchter und flog viel zu früh aus. Raus aus der Umarmung der Familie, Welteroberin. Bedauern tue ich das an Weihnachten, was gefällt, sollte lange ausgekostet werden.  Mein Grossvater schmückte die Tanne, das war immer so. Er war es, der von sich behauptete, dass er am meisten Sinn für Formen und Farben habe. Vielleicht war er auch einfach, als einziger Mann in der Familie, Macho. Wir assen vor der Bescherung, die Kinder in unruhiger Spannung wegen den Geschenken, und Opa trank Wein. Ich bekam keinen, dafür gab es Rimuss. An Weihnachten, an Sylvester und an Geburtstagen.
Wenn die Geschenke ausgepackt waren, spielten die Kinder mit roten Wangen mit ihrem neuen Spielzeug. (Ich gehöre noch heute zu den ungeduldigen Päckliaufreisser. Ratsch, ein entschuldigender, lächelnder Blick an den Schenkenden, und offen ist das Geschenk. Das Papier wieder zusammenfalten, es schön glätten  und es in nächsten Jahr wieder verwenden, käme mir nicht in den Sinn. Das hat was knauseriges.)

Opa startete dann den Fernseher, Oma schaltete wieder  aus , warf ihm einen bösen Blick und jedes Jahr die gleichen Worte zu: Pas de tele a noël mon cher ! Er ging dann jeweils, beleidigt, ins Bett. Am nächsten Tag war alles wieder in Ordnung: Er war wieder für ein ganzes Jahr der Boss der Fernbedienung: Bis zum nächsten Weihnachtsabend.  

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4 Gedanken zu “Von Rimuss und Sternen und der Fernbedienung

  1. Gemütliches Zusamensein im Kreise der Familie ist immer schön. Ausser die vielen Beteiligten schnauzen sich wieder an. Auch wie jedes Jahr. Irgendwie bricht es wie ein Vulkan über uns herein wenn alle (der Frau ihre Familie) zusammen sind. Es sind schliesslich auch ne Menge Kids, erwachsene Kids. 7 Geschwister mit Anhang und viel Potenzial zum streiten. Aber was solls. Man gewöhnt sich an alles oder man bricht mit der Tradition. Und so geschah es vor ein paar Jahren schon. Jetzt ist Ruhe eingekehrt und alles wird im kleineren Rahmen durchgeführt. Ein paar ausgegrenzte Leichen blieben links liegen.

  2. @Rabbit: Soviele Emotionen und dicke Bäuche gibt es nur an Heiligabend !
    Ich kann dich sehr gut verstehen, weil ich jahrelang in einem ähnlichen System gefangen war wie du. Als Erwachsene.
    Die Mischung zwischen weihnachtlicher Freude und familiären Spannungen, ist dünn.
    Aber alles geht vorbei, spätestens im Dezember des folgenden Jahres die geflüstert gestellte Frage an den Partner: Dieses Jahr wieder ? Oder einfach mal alleine ?

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