Schreiben

Madarinenballone und Pfefferminzküsse

Es fliegen Luftballone hin und her zwischen uns. Und das Lächeln, herausfordernd seines, strahlend meines. Kisten mit Spielzeug , ein Duplomännchen. Eine Ukelele. Zwei kleine Stühle, bunt und auf Kindergartengrösse . Seine Nase läuft, es stört ihn nicht.
Absolut versunken im Spiel und seiner Welt: Weil der Ballon so rot ist wie ein Kürbis, es ist der Mandarinenballon, sagt er.  Und weil es Pasta zum Nachtessen geben wird. Er wird sie mit den Fingern essen, das gesunde Gemüse an den Tellerrand schieben. Es wird Sirup zum Trinken dazu geben. Süss. Und zum Dessert ein Weihnachtsguetzli und Tränen beim anschliessenden Zähneputzen.

Als ich anschliessend wieder heimfahre, zu dem Mitbewohnern mit Schuhgrösse 46 und ihr  mit dem Kajalstrich um die grünen Augen und dem unwiderstehlichen Lächeln und zu ihm, dem sensiblen Trotzkopf, (der irgendwann, wie sein Bruder, auch Grösse 46 tragen wird) , frage ich mich leise: Habe ich es genug genossen ? Die Zeit der liegen gebliebenen Legos, die  sich Barfuss so schmerzhaft in die Fusssohlen drücken. Die der Nuggis, die entweder verloren gingen oder in nächtlichen Aktionen gesucht wurden. Die Epoche der Schlafteddys, der Windelberge, der süssen Küsse .
Heute gibt es fast keine mehr, Mütterküsse sind uncool.
Nähe ist unpassend. Sie wollen eigenwillig Grenzen ausloten, sich orientieren, ihren Platz finden, vielleicht wieder verlieren. Neu suchen.
Teilweise mit dem gleichen, gewaltigen Potential, wie der Mandarinenballon zwischen meinem Göttibuben und mir  hin und her flog.  

Habe ich es genug genossen ? Keine Ahnung, ich habe keine Zeit wirklich darüber nachzudenken. Weil der Umgang mit ihnen mich ganz fordert, Mitbewohner sind zeitweise wie Colaflaschen, die durch den Orkan der Pubertät fliegen…Und wenn es Küsse gibt, dann sind sie noch immer süss. Aber sie schmecken nach Pfefferminz, RedBull und nach etwas ganz seltenem …

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5 Gedanken zu “Madarinenballone und Pfefferminzküsse

  1. Nein, hat frau nicht. Nie nicht. Und doch taucht immer mal wieder einer dieser kostbaren Momente auf, stiehlt sich aus der Erinnerung ins Bewußtsein und ich weiß…ja, ich hätte mir und uns mehr Zeit geben sollen, aber es war schön…selbst die großzügig verteilte Malseife im Bad mit anschließendem Wecken durch Indianerkinder….und ein Lächeln kräuselt meine Lippen.

    Und dann….hoffe ich still, irgendwann eine wundervoll verrückte Omama sein zu dürfen…

  2. Das Bewusstsein, das Wissen darum, wie schnell die Zeit verrinnt. Macht sie nur noch wertvoller.
    Ein bisschen Melancholie steckt darin, ganz bestimmt.

    Das Leben im Jetzt schliesst die Erinnerungen nicht aus 🙂

  3. Wollte ich auch sagen. Melancholischer Text. Ob es an den bevorstehenden Festagen liegt, wer weiss das schon. Wenns draussen dunkel wird, gehen die Blicke wieder öfters nach innen und hinterfragen so viele Sachen, die während des Jahres, des gelebten Lebens passiert sind. Irgendwie muss es so sein. Selbstreflektionen sind wie Selbtbereinigungen oder etwas in der Art.

  4. @Rabbit: Ja. Das ist so. Der Weihnachtskram schlägt irgendwie doch auf die Seele. Erinnerungen an die eigene CjristbaumKindheit und die der eigenen Mitbewohner.
    Doch doch.

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