Fühlen

…come on baby…

Sie lernte ihn im Sommer kennen, nicht irgendeinen Sommer, sondern in dem Sommer. In späteren Gesprächen wird es immer der Sommer sein, weil damals so viel passierte. Er verbrachte seinen Sommer in dem Dorf am See. Warum wusste niemand so genau. Er auch nicht. Es war einfach so.
Für sie war bald klar, dass er der Mann war, von dem sie in schlaflosen Nächten träumte: Allerdings sahen das andere auch so und man konnte  sehen, dass auf braungebrannten Armen nur noch ein Name gekritzelt war: Guy. So hiess er nämlich. Dass die wenigsten seinen Namen richtig schrieben, schien niemanden zu stören.
Die Jungs schworen sich, die Konkurrenz aus der Stadt war jetzt gross, sie Haare so lange wachsen zu lassen wie er. Ausserdem wollten sie so cool sein wie er.
Sie selber wurde sprachlos, wenn er in der Nähe war. Errötete, was für ein Schmach, und blamierte sich, indem sie über die eigenen Füsse stolperte.
Eines Abends, sie sassen alle um ein Feuer am See, konnte sie sehen , wie er knisterndheisse Blicke ihrer Freundin zuwarf. Diese erwiederte seine Gefühle und als die beiden im Dunkel der Nacht zusammen verschwanden, konnte man das Zerbrechen vieler Herzen hören. Und das platzen vieler Mädchenträume.Fortan war er nur noch mit ihrer Freundin zusammen und der Sommer war vorbei, weil die Sonne nicht mehr schien.

 
Sehr viele Jahre später, sie war inzwischen doppelt so alt wie damals, traf sie ihn wieder. In der Stadt, während sie in allerbester Laune mit ihrer Freundin unterwegs war.Sie hatten getrunken und sie war in Mitnehmlaune, was gefährlich war und sie gab sich Mühe, sich das nicht anmerken zu lassen.Er sah noch immer gut  aus wie damals, die schwarzen Haare lang und inzwischen von silbernen Fäden durchzogen.Diesmal warf er ihr, über alle Menschen in der Bar hinweg, diese Blicke zu. Come on baby…Er sprach sie an, ihr letztes bisschen Vernunft rutschte in den Keller, schien sich aber nicht an sie erinnern zu können. Sie tranken, lachten, erzählten und sie fanden nicht nur viele Gemeinsamkeiten, sondern waren sich auch einig (come on baby) , dass dieser Abend nicht würde enden dürfen.Beide wurden aus der Bar geworfen, man hatte die Stühle schon auf die Theke gestellt und die Gläser abgewaschen. Sie verbrachten die Nacht, was davon noch übrig blieb, auf der Treppe vor der Bar. Küssend. Während der Tag zunehmend die Nacht verschlang.

Sein erstes sms erhielt sie, als sie zuhause ankam: Ist es zu früh, wenn ich morgen anrufe oder zu spät ? Ich will-muss dich wiedersehen…
Das sms schloss mit einem Kuss, oder hunderte, sie erinnert sich nicht.Er kochte für sie und als Dessert gab es sie beide. (Er konnte sich immer noch nicht an sie  erinnern: Sie hatte ihm nicht erzählt wer sie war.)Der Zeitpunkt für eine grosse Liebe, das sei sie für ihn da sei er sich sicher, sei ganz schlecht. Sagte er. Es stehe eine grosse Reise an, die von langer Hand geplant sei.Sie fragte wann der Zeitpunkt der Abreise sei. Freitag, sagte er. In zwei Tagen.Er käme wieder, wolle sie nicht verlieren, in zehn Monaten sei er wieder da.Ob sie auf ihn warte ?
Sie wisse es nicht, sagte sie.
Und sie ging. Behielt äusserlich die Fassung und den warmen Druck seiner Lippen auf den ihren.

Er rief sie vom Flughafen aus an, sie hatten zehn Monate abgemachte Funkstille hinter sich, als er wieder zurück war: Ich muss dich wiedersehen. Ich glaube, liebe dich, habe dich so vermisst.Sagte er. Sie hielt ihr Handy an  ihr Ohr gedrückt und fror, als sie sagte: Nein. Es tut mit leid. Warum nicht ? Fragte er zurück.
Du kannst dich nicht an den Sommer erinnern, an mich. Antwortete sie.

Er rief noch ein paar Mal an die nächsten Tage, ich nahm den Anruf nicht entgegen.

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12 Gedanken zu “…come on baby…

  1. Sie ist glücklich, einfach mit jemand anderem.
    Er ist es inzwischen auch, denke ich, mit jemand anderem.

    Aber es ist komisch,wie das Leben manchmal so mit uns kleinen Menschen spielt.

  2. Aber vielleicht hat er nur noch keine Gelegenheit gefunden, es zu sagen?
    Vielleicht fand er es nützlich, noch einmal neu anzufangen?
    Vielleicht hat er die ganze Zeit gewartet, wann fragt sie endlich nach dem Sommer, hat sie den etwa vergessen?
    Oder – jetzt kommt’s – vielleicht hat ihm die CIA eine Gehirnwäsche verpasst?

  3. Alles ist möglich. An Fantasie mangelt es dir nicht Monsieur Müller.
    Spekulation.
    Jedoch: Sie wusste (!) dass es mit ihnen nur klappen würden, wenn er sich an sie erinnern würde.
    Weil es für sie einfach wichtig war. (Frauen sind so. Ich kann sehen wie du jetzt den Kopf schüttelst T.M. 😉 )

  4. Und, meine Güte, wer will schon 10 Monate warten? Wohl die wenigsten, wenn wir ehrlich sind. Zudem waren die Voraussetzungen eh nicht allzu gut (Vergesslichkeit der Männer und so).

  5. Das ist aber ein schöner Erguss, Madamelila! Aber hart, ich muss schon sagen. Ich weiss nicht, ob ich so viel Härte aufgebracht hätte. Wahrscheinlich hätte ich mich in eine dieser Geschichten verrannt, und dann… also, es war wohl richtig, hart zu sein.

  6. @Wilderer….:Mach das. Besser jetzt als zu spät 😉

    @Rabbit…: Zehn Monate sind lang, wenn zwei Menschen erst *ein* Dessert zusammen gegessen haben. Oh ja.
    Es ist eine schnelle Zeit, alles muss heute schon möglich sein, nicht erst morgen. Da sind zehn Monate huere lang.

    @Frogg…Hart ? *nickt*
    (Ich glaubs zumindest. WER denkt denn da, dass Mme Lila die Protagonistin ist ?)
    🙂 und weg.

  7. Am Schluss steht: „Ich nahm den Anruf nicht entgegen.“ Also vermutete ich, dass vielleicht… aber: Legt mein Kommentar denn überhaupt nahe, dass ich Sie als Protagonistin vermutete?

  8. @Frogg…der ganze Text scheint mir voller Schreibfehler zu sein. Das kommt davon, wenn frau während des Schreibens in Träumen schwelgt. (Wird unzensuriert und korrigiert so belassen. )

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