Schreiben

Harte Kerle

Es gibt sie noch, diese harten Kerle. Die richtigen Männer, die Jäger, jene mit der Aura , die das archaische Weib in mir zum beben bringen.Aber. Ich will nicht vorgreifen. Schliesslich ging es ja um die Besichtigung eines Betriebes.(Recherche, nichts anderes.)

Ich stand zum verabredeten Zeitpunkt vor einer grossen Halle, vorausgegangen war, dass ich auf dem kurzen Weg vom Parkplatz dreimal angesprochen wurde mit der Frage, ob ich mich den hier zurechtfinde. Was ich den suchen würde.
Dass ich so einen hilflosen Eindruck mache, war mir bisher nicht klar gewesen.
(Ich entschärfte den Barbieblick, bedauerte, dass ich meine Brille nicht dabei habe die Männer meistens auf emotionaler Distanz hält und ich straffte meinen Rücken.)
Dann stand ich in der Halle, sicherheitshalber meine Jacke um mich schlingend (Frau weiss ja nie) in gespannter Erwartung.

Ich wurde nett begrüsst, die halbe Belegschaft tuschelte bereits hinter meinem starken Rücken und die Meldung , dass da eine Frau im Betrieb ist, erreichte sogar den letzten Arbeitsplatz ganz hinten.
Nein, danke, ich will keinen Automatenkaffee.
Nein, wirklich nicht.
(Ich werde dies noch ein Dutzend Mal sagen müssen, weil jeder, der irgendwie was zu sagen hatte, irgendwann auf uns stieß und meinem Begleiter vorwurfsvoll etwas zuflüsterte.
Kaffee anbieten, konnte ich gerade noch so hören.)
Es roch nach Metall und nach etwas undefinierbarem, etwas, worüber ich mir erst später klar werden würde , was es war. Mir wurde gezeigt, wie grosse Maschinen Sie presst mit 26 Tonnen druck, stellen sie sich das mal vor ! aus Aluminiumplatten kleine Würfel macht.
Hinten an der Maschine klebt Pamela, oder eine ihrer grossbusigen Schwestern, und räkelt sich nackt um eine Säule herum.
Ich lächelte, freundlich, sprach wenig (weil ich kaum dazu kam, nicht weil ich eingeschüchtert war) liess mich herumführen und entdeckte….Dass mein Interesse mehr den working people gilt, als den ratternden Maschinen. Meine Aufmerksamkeit verlor sich in breiten Schultern, in verschwitzen Shirts, in Händen, die Schrauben eindrehen und im Nacken Schweissperlen haben, die die Wirbelsäule runter kullern. Verlor mich in Männerblicken, die mir unverhohlen auf meinen Hintern starrten (ich hielt noch immer meine Jacke züchtig bis oben geschlossen, trotz brütender Hitze. ) und denen ich genau ansehen konnte, woran sie denken.
(Pssst, Projektion ! Erste Lektion in Psychologie: Nicht von sich selbst auf andere schliessen. )
Überall dieser Geruch, dieses *hmmmm* , undefinierbar..
Am Ende, eine Stunde später, habe ich unerklärlicherweise doch einen Pappbecher Kaffee in der Hand, als ich zum Auto gehe und die Antwort des Werkstattleiters in den Ohren habe auf meine Frage, warum keine Frauen im männerorientierten Betrieb arbeiten:
-Würde nur Unruhe unter den Männern bringen.

Oh wie ich das verstehe.
Zuhause werde ich mir klar werden, was ich die ganze Zeit roch: Testosteron. Pures Testosteron !

Sorry an jene Männer, die jetzt hinter ihren Rechnern sitzen, an Pulten und in Büros. In netten Anzügen und mit Krawatten und mir Kaffee aus edlen Nespressomaschinen abieten
Ich bin gerne mit euch zusammen, höre euch zu, wenn ihr über Gigabytes redet und Aktienkurse und die News aus dem Tagi.
Aber manchmal…Da passt pures Testosteron gut, sehr gut. Und Kaffee aus Pappbechern ist doch nicht so übel.

Mans world
(Laut, ihr wisst ja. )

Standard

11 Gedanken zu “Harte Kerle

  1. Also erstens, ich hab mal an einer Stanze gearbeitet, die donnerte mit einer Kraft von 160t nach unten. (Damit hab ich gleich erstmal gewonnen. Gibt’s einen Preis?)

    Zwotens, Testodingens … Ich behaupte, es viel banaler (leider): Bohrmilch. Ein Gemisch aus Wasser und Öl, weiss bzw. crémeartig in der Farbe, man nimmt es zum Kühlen während spanender, metallbearbeitender Verfahren (Bohren, Sägen, Fräsen usw.). Hat einen charakteristischen, nicht unbedingt üblen Geruch.

    Drittens, ich sinniere schon seit Jahren darüber, woher Frauen wissen, dass man ihnen auf den Hintern starrt. Ich meine, vornerum, das würde ich ja verstehen, aber hinten, am Tender, madame?

  2. @T.M.: Wir Frauen haben auch augen am Hinterkopf ;o)

    Ich weiß, was du meinst, beste Madame…vor Jahren versuchte ich ein Essay zu schreiben derweil sich ein Trupp gut gebauter Straßenarbeiter daran machte die Straße zu pflastern…und dieses Essay blieb an jenem Tag unvollendet…

  3. Tja. Mösiö. Glaub mir: Eine Frau weiss, ob einer ihr aufs Füdli schaut, oder es eben nicht tut. 😉

    Bohrmilch ? Neinnein. Ich bleibe dabei: Es war Testosteron.Glaube ja nicht, dass ich auf schleimiges Gleitzeug für Maschinen so reagiere.
    (Danke für das Lachen !)

    @Morgiane…gell. Du verstehst mich !?

  4. Die Damen halten zusammen. Das war klar. Wo die eine keine Augen hat, schaut eine andere hin und erzählt es ihr spätestens auf einer dieser ominösen Geheimkonferenzen, die üblicherweise auf Damentoiletten stattfinden. Und dort wird am Ende wieder bemerkt werden, dass alle Kerle dreckige Schweine usw. ………….. aber die haben halt Bohrm… ich meine: Testosteron.

  5. Iwi schreibt:

    Schön, solche aus der Tiefe kommenden Gedanken von Frauen. Ich denke, es ist und bleibt wichtig, nicht jedes Detail nachvollziehen zu können…als Mann.
    So freue ich mich einfach und werde jetzt – nur ein klitzekleinwenig geknickt – weiterprogrammieren.

  6. Jaja Jungs. das war mir ja irgendwie klar, dass ihr jetzt betüpft (wie schreibe ich das wort jetzt für iwi damit er es versteht ?!) reagiert ;-).

    ihr guckt und strömt testozeugs aus und wir frauen wissen das.
    also, kein problem. so gesehen.

    @iwi: kopf hoch.

    und roger steht zumindest dazu, dass er es tut. yes !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s