Schreiben

Apfelstern

Ich bekam heute Nacht ein Haus geschenkt. Es war alt, vielleicht so alt wie Villa Lila, und ich war die ganze Zeit damit beschäftigt, die alten Vorhänge von den Fenstern zu nehmen. Spinnweben zu entfernen und Wände zu streichen. Hellblau. Während ich mit dem Handwerker stritt, der auf dem Dach hätte Ziegel ersetzen sollen, und es nicht tat. Weil er die ganze Zeit in den hellblauen Himmel starrte.
Wir keiften einander an wie Wäscheweiber: Ich schrie hoch und er brüllte runter.

Es gibt kaum etwas, was so unbeschreiblich schön ist, wie ein schlafendes Lebewesen an sich gekuschelt zu spüren. Diese Vertrautheit ist ein Stück Glück. (Dabei ist es egal, ob es ein Kind ist, ein Freund, eine Freundin . Oder der Hund, der sich auf den Füssen zum schlafen einrollt. Oder Katze, die schnurrend den Schoss wärmt)

Wenn ich früher das Haus voller kleiner Kinder hatte, schnitt ich manchmal einen Apfel in der Mitte durch, gab die Apfelhälfte mit dem Stern in der Mitte herum und erzählte vom kleinen Stern. Den nur Kinder im Apfel sehen können. Sie glaubten mir.
Und ich war lange der Meinung, dass Apfelkerne giftig sind, wenn man sie isst.

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7 Gedanken zu “Apfelstern

  1. Mein Vater isst einen Apfel wie ein Pferd. D.h. vollständig, inklusive des sog. Kerngehäuses (wie sagt man hier? Griebsch? Grüps? Butzen?). Und so halte ich es seit frühester Kindheit. Übrig bleibt nur der Stiel. Soooo giftig können die Kerne also nicht sein.

  2. Bitschgi. Sagen wir in der Innerschweiz.
    Ich kenne eine Lehrerin, die macht das genauso mit dem Apfel und bringt mich damit immer zum lachen.
    Sie beisst, schluckt, beisst, schluckt und weg ist der ganze Apfel. Zurück bleibt…Der Stiel. Wobei, DER könnte wohl auch noch gegessen werden ;-).

  3. Bitschgi, soso. Klingt fast wie спички („Streichhölzer“).
    Eine Birne isst man merkwürdigerweise nicht so. Ich glaub, die ist innen bitter.

  4. jetzt redet ihr hier über bütschgis und bemerkt den wundervollen inhalt der story gar nicht?
    tsts
    🙂
    ich mag deine texte lila….sie sind so tief wie das meer und so lebendig wie ein kind!

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