Schreiben

Purzelbaum im Sommer

Wir waren fünfzehn oder sechzehn und wir trafen uns im Sommer nach der Schule immer am See. Jemand hatte stets etwas Geld dabei, genug um eine Flasche Cola für alle zu kaufen. Und jemand hatte immer Liebeskummer, oder gerade nicht, und ein paar Zigaretten dabei. Wir teilten die Gedanken, unser Lachen und die Liebe zum Leben: So klein das Tal auch war, in welchem wir aufwuchsen und so hoch die Berge drumherum…Unsere Ideen wuchsen weiter über den Horizont hinaus.

Der Glaube an die Wirklichkeit der Träume auch: T. wollte mit dem Motorrad mal Rennen fahren.
(Soviel ich weiss, tat er es auch).R. wusste, dass er die Zahnarztpraxis seiner Vaters würde übernehmen müssen und hatte keine Träume. (Er tat es nicht sondern brannte mit E. durch) Ich wollte die Welt retten und darüber schreiben. (Naja. Ich arbeite daran….) G. war der Meinung, dass sie gar nichts tun wolle später, sondern sich darauf konzentrieren, ein schönes Leben zu führen. (Sie landete in Indien in einem Baumhaus, trug das Foto von Baghwan an einem Lederband um den Hals und eine schweren Hepatitis im Körper als sie zurück kam. )

M. wollte für die Legalisierung von Hanf kämpfen, den See austrocknen lassen und darauf Plantagen bauen. (Sein Vater war Oberrichter, holte ihn aus allen Schlamasseln raus, starb früh und hinterließ ihm ein paar Häuser, viel Geld und die Freiheit, nichts zu tun. )
R. wurde Arzt. (Er wollte Tennisprofi werden) .
E. wollte Kindergärtnerin werden. (Sie wurde in einem dieser Sommer schwanger von R. Sie verliess mit ihm und einem Kugelbauch die Schule frühzeitig)

Wir fuhren Fahrrad oder Mofa, trugen noch keine Tattoos und waren meist Barfuss. Spielten Frisbee auf der Wiese, sprangen in den See, schlugen Purzelbäume. Das war etwas, was ich besonders gut konnte! Wir lagen auf der grossen, marokkanischen Webdecke von M. im Schatten der Platanen. Jemand wusste immer die Antwort auf irgendwas, sei es eine Schulaufgabe oder ein Rätsel des Lebens.
Regnete es mal, gingen wir ins Probelokal der Band.

Im Winter ?Es gibt keine Winter in meiner Erinnerung, es war immer Sommer.
Damals.

 

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12 Gedanken zu “Purzelbaum im Sommer

  1. Ja, 75 war ein guter Sommer. Ich glaub, in dem Jahr hatte ich begriffen, dass Mädchen sich vor Schnecken ekelten, zumindest wenn es dieses „Krack“ gab, während man sich auf einer ausgebreiteten Decke placierte. Und und und mein Fahrrad hatte am Vorderrad einen mit Hilfe einer Wäscheklammer befestigten Marmeladenglasdeckel, der ein wenig in die Speichen ragte, so dass es beim Fahren ein Klappern gab. Am anderen Ende der Klammer war ein Bindfaden, der hinauf zum Lenker reichte, womit man die Lautstärke und den Sound einstellen konnte. Töff-Fahrer (mit Tattoos) beneiden mich heute noch um diese constrüction.

  2. @Lucas….les années merveilleuses, oh ja. (in den worten steckt eine bunte melancholie, jetzt gerade)

    @Mösiö…Soo härzig. wenn ich das so lese, dann bedauere ich es, dass ich nie auf die idee mit so klapperdeckel am rad kam. dafür habe ich tattoos. und du nicht. gilt das auch 😉 ?!

    @Roger….die, meine, zeit war furchtbar kompliziert :-). wie bei allen in dem alter, glaube ich.
    wenn es sich einfach liest, das posting, dann nur…weil ich selektionierte, ganz subjektiv in der erinnerung. 🙂

  3. nedganzbachert schreibt:

    @Madame Lila
    Purzelbäume kenne ich, die gibt’s auch bei uns in Deutschland.
    Sommer auch.

    Aber eigentlich schreibe ich, um mich zu beschweren.
    Da war doch bis vor kurzem ein Bild von Dir – Endlich mal.
    Wieso ist es schon wieder weg?

  4. Wissen Sie, Segnor C., das Büro für Beschwerden wurde wegrationalisiert.
    Ich bitte Sie deshalb, darauf Rücksicht zu nehmen und Gummibärchen zu essen: Das hilft 😉

  5. Iwi schreibt:

    Doch es gab Winter! Das war die Zeit, in der wir – Mädchen und Jungs – alle zusammen auf der schneebedeckten Wiese hinter der Kirche Fußball spielten. Das besondere daran: wir trugen alle unsere Moonboots (schreibt man das so?), denn damit konnte jeder unfassbar weit schießen. Alles andere war für ein Spiel damals unwichtig. Ach waren wir stolz auf uns!

  6. Iwi ? Wieder da :-). Wir trugen sie auch, diese unförmigen Winterfinken.
    Aber wir haben winters nicht Fussball gespielt: Wir fuhren Ski. Ohne Moonboots. Dafür mit ziemlich viel Power .

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