Schreiben

Lebe !

Heute nicht alleine gekämpft, sondern zwei vier sechs Arme um mich geschlungen gespürt. Unabhängig voneinander. Wenn ein Blick genügt, keine Frage nach Erklärungen verlangt, sondern einfach Wärme da ist….dann entsteht eine Form von Liebe. Und Dankbarkeit. Später schallendes Lachen und eine Flasche Wein zum späten Sonntagsfrühstück getrunken. Wir haben gearbeitet, wohlgemerkt.
Immer wieder Gedanken darüber, was ich tun würde, wenn ich nur noch einen Tag zu Leben hätte und davon wüsste. T. wusste es nicht, als er seinen Tag verbrachte, hatte er keine Ahnung, dass er abends sterben würde.
Die kribbelige Lust bändigen, allen, die nahe an meinem Herzen atmen, eine Nachricht zu schicken . Ich liebe euch, vergesst das nicht. Weil das Leben manchmal sehr kurz sein kann und manchmal unvermittelt endet.
Was würde ich tun ? Wenn ich es wüsste ? Alles , was ich jemals gerne und lustvoll getan habe, in kurzer Zeit nochmal wiederholen ? Innerhalb von 24 Stunden ? Was würde aus meinen Plänen ?
Dann die leise Einsicht, dass mich niemand daran hindert, meine kleinen Träume und Pläne auszuleben.
Auch der Tod nicht, der irgendwo lauert, müde, zusammengekauert oder hämisch grinsend, voller Vorfreude . Weil er es weiss, nur er, wann er zuschlägt.

Später im Garten der Krähe zugesehen, die mich inzwischen kennt und nahe an mich heran kommt. Ihre Augen sind dunkle, glänzende Steine.
Während ich da stand, kam Wind auf der mir zuerst die Haare ins Gesicht blies, die Katze vertrieb und sämtliche Samen der Löwenzahn auf der Wiese entliess. Fliegt! In eine weisse Wolke aus tanzenden Pustblumensamen um mich herum, in meinen Haaren und meiner Nase, stand ich da. Barfuss und die pochende Gewissheit: Das Leben ist schön.
Es ist MEIN Leben. Ich lebe. Punkt.

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11 Gedanken zu “Lebe !

  1. Mann oh Mann, ich wäre wirklich nicht geschaffen, diesen Job zu machen. Zum Glück für die Gesellschaft gibt’s Menschen wie Dich. Danke, dass Du soviel Gefühl für mich und uns alle bei den Bedürftigen zeigst, rüberbringst. Danke, dass es Dich und deinesgleichen gibt.

  2. ich liebe dich auch, auf meine art! 🙂

    übrigens canelito kennt diese blume genau. einmal fuhren wir an löwenzahn vorbei und er sagte ganz botanisch: mama lug, das isch löwezaaahh! gli gli chame blueme furtbloose. herrgottnochmal! dieses kind wird erst heute in einer woche drei! woher weiss er solches zeugs?! 😉

  3. hmmm….und mich brachte dieses geben an die grenze meines selbst:-(
    dabei war mein beruf immer berufung für mich…und nun?
    scherbenhaufen, neuer horizont, weg vom pflegen, betreuen, geben und da sein.
    und es tut immer noch weh…eigetli

  4. nedganzbachert schreibt:

    Ich habe mir oft überlegt, welche „Ausscheifungen“ ich mir an meinem letzten Tag gönnen würde.

    Aber jedesmal, wenn ein geliebter Mensch unvorbereitet aus dem Leben gerissen wurde, habe ich hinterher am meisten bedauert, nicht Abschied genommen zu haben.

    Wüsste ich, dass ich nur noch einen Tag zu leben habe, würde ich 24 Stunden von Freunden Abschied nehmen.

  5. nedganzbachert schreibt:

    @bluetime:
    pflegen, betreuen und geben ist sehr wichtig.
    und es ist schön.
    Ich habe einige Jahre meinen Urlaub mit der Betreuung Behinderter bei Freizeiten verbracht, und das hat mir viel gegeben.
    Aber ich neige (wie Du vermutlich auch) dazu, mich selbst aus dem Auge zu verlieren.
    Mein Bruder ist bei der Feuerwehr. Die oberste Priorität bei Einsätzen sollte die eigene Sicherheit sein, da nur ein lebender Feuermann noch hunderte Feuer bekämpfen oder viele Menschen retten kann.
    Gönne Dir Deine Aufmerksamkeit, wie Du sie zuvor den zu pflegenden Menschen gegönnt hast. Du hast es verdient.

  6. nedganzbachert schreibt:

    @lila: Meine Arme waren die, die Dir die Luft genommen haben und von denen Du jetzt die blauen Flecken und die angeknackste Rippe hast.

  7. *Wüsste ich, dass ich nur noch einen Tag zu leben habe, würde ich 24 Stunden von Freunden Abschied nehmen.*

    Du bringst da einen anderen Aspekt in meine Sichtweise. Du denkst an diejenigen, die hier bleiben. Ich, und die meisten Menschen, denken an sich. (Wertneutral…Gell 😉 )

  8. @Blue…die Balance ist extrem wichtig. Niemand kann nur Geben, wenn nicht auch getankt werden kann. Irgendwo.
    Und Standortbestimmungen sind wichtig, Anpassungen auch. Dazu braucht es Mut und die Fähigkeit, sich selber zu spüren. Wahrzunehmen was man braucht, welchen Balast man loswerden muss und die Idee einer positiven Zukunft im Kopf, wie sie möglich wäre.
    (Und wo das Netz ist, das einem hilft ein Ziel zu erreichen )

  9. nedganzbachert schreibt:

    @lila: Ich denke beim Verabschieden nicht nur an die anderen. Genau genommen denke ich dabei sogar immer auch an mich. Ich kann leichter gehen, wenn ich Abschied genommen habe. Und ich würde mir damit auch wieder bewusst machen, dass ich so viele Menschen liebe, dass die 24 Stunden viel länger dauern sollten.
    Wenn ich daran denke, motiviert es mich dazu mal wieder ein paar Leute anzurufen.

  10. nedganzbachert schreibt:

    @bluetime: Woher ich Dich kenne? Nun, ich habe Dein Tagebuch gelesen 😀
    Ach übrigens: Du gibst gerne? Das tust Du auch, wenn Du auf Dich achtest. Für die Menschen, die Dich lieben, ist es ein Geschenk, wenn es Dir besser geht.

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