Schreiben

Liebe und Egotrip

Ich lag letzte Nacht auf einer Wiese unter den Sternen und teilte die ersten Kirschen mit jemandem. Wartete vergeblich auf eine Sternschnuppe, kurz zuvor hatte ich ein
Glühwürmchen entdeckt.
Und mir wurde bewusst, dass mit jeder vergangenen Liebe Risse und Narben zurückbleiben. Irgendwo. Sie sind da und sie hindern daran, einer nächsten Liebe unvoreingenommen die Nähe zu gestatten, die wichtig wäre.Es ist nicht die Einsamkeit des fehlenden Freundes, sondern immer die zerstörten Träume die schmerzen und wütend machen.
Damals, die Zeit der allerersten Liebe…Als Status Quo und Iron Maiden als Poster an den Wänden des Zimmers hingen, sie hatten die Bilder mit den Pferden ersetzt. Neben dem
Bett lag die Bravo und die ersten Zungenküsse schmeckten nach Kaugummi, Schule und ersten Zigaretten. Zu der Zeit war der innigste Wunsch, den anderen zu sehen, die kleinen Härchen im Nacken zu streicheln, die Finger mit denjenigen des anderen zu verschlingen und das genügte, um Eins zu sein. Nach der Schule nebeneinander auf der kleinen Steinmauer am See zu sitzen . Auflösung, ganz einfach. Das war die Liebe, die alles andere verschlang. Irgendwann zerbrach dieser Traum, hinterliess staunende Realität: Wie ist die Liebe, wenn nicht so ?
So muss fliegen sein, sich irgendwann die Shirts runterreissen, nachdem einer von beiden weit fuhr um den anderen zu sehen, geteilte Küsse und nie mehr essen, nie mehr schlafen.
Break. Alle paar Monate oder Jahre wieder. Dann ist man ist erwachsen und glaubt immer weniger daran, weil die Risse jedes geplatzten Traums ein bisschen den Atem nehmen.
Die Unschuld ist weg und man weiss, wie sie wäre. Die richtige, die genau richtige Liebe.
Eigentlich hätte man mit der ersten Liebe zusammen bleiben sollen, um alle da capo zu vermeiden.
Man spricht von Lebensabschnittgefährten, Liebe ist käuflich allerorts, nur ein Mausklick entfernt sogar. In der Zeit der Selbstanalyse, der Selbstfindung, wissen wir genau, was wir wollen. Grösser. Besser. Geiler, Schöner. Wir sehen die Werbung, die Filme und verlieren uns selbst dabei: Die Halbwärtszeit der Liebe wird immer kürzer.
Wir leben von der Illusion, sie hält uns gedanklich am geglaubten Leben : Es muss passen, und zwar sofort. Lieber ein Buschfeuer als sich echt mit sich und dem anderen auseinander zu setzen. Sich selber zu ertragen und einen anderen Menschen an seiner Seite wirklich zu er-tragen.
Gedankenpause.
Nein. Im Grunde will ich die erste Liebe nicht zurück. Weil ich nicht ein kleines, egoistisches Arschloch sein will. Fern ab jeglicher Realität.

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14 Gedanken zu “Liebe und Egotrip

  1. booaaah, die erste liebe? nö. die will ich nicht mehr. und ich bin auch froh, dass die zewite irgendwann vorüberging. menschen haben die tendenz, die vergangenheit zu romantisieren. aber echt, nochmals in die pubertät?, dann lieber gleich ins altersheim.
    schöne abig 🙂

  2. @wilderer…manchmal ist es wirklich einfacher, nicht zu lieben. aber eben nicht so schön.

    @redder…nostalgie ist sicher in der erinnerung mit dabei. klar. und die pubertät kann mir gestohlen bleiben. aber die küsse. ! DIE küsse.
    tamiguet.

  3. Ich kenne die Gedanken, es sei besser nicht zu lieben.
    Ich kenne die Angst, sich in der neuen Liebe etwas vorzumachen.
    Ich kenne die Vernunft die sagt, warum es auch dieses Mal nicht funktionieren kann.
    Aber wenn ich mich der Angst vor der Liebe beuge, brauche ich auch nicht zu leben.
    Jede Liebe hat Narben hinterlassen, aber jede Liebe war auch ein Gewinn.

  4. @ngb…weisch. im grunde gehören wir doch zu jenen, die sich mit 85 noch mit herz und seele verlieben. vielleicht in den hübschen pfleger mit den langen haaren im altersheim ?!
    ich bin gerne und oft verliebt.
    (ändert nichts daran, dass ich mir gedanken darüber mache….was bin ich bereit dafür zu tun ? innere reflexion und so.)

    @Monsieur….das sind tiefe muster in mir, die bands von damals.
    ohne rosen und den choreografisch perfekten tänzen ;-). jaja.

  5. @lila: ich stehe nicht auf die jungen Dinger. Ich werde mich auch mit 85 noch verlieben, aber in die 81-Jährige aus Zimmer 17. Ich werde sie jeden Tag sehen, beim essen neben ihr sitzen, sie ansehen, wenn die junge, hübsche, aber zu glatte Pflegerin uns eine Geschichte vorliest.
    Sie hilft mir danach beim Aufstehen, weil ich ein bisschen eingerostet bin. Manchmal besucht sie mich in meinem Zimmer.
    Nur zum Windeln wechseln schicke ich sie raus. Das ist mir immer noch peinlich …

  6. @MummPiz…vielleicht müssen die muster kompliziert sein, weil ‚einfach‘ keine herausforderung ist . und was einfach erlangt wurde, bald in vergessenheit gerät.

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