Schreiben

das Glück ist lila

Ich wusste nicht mehr wie es war, oder ich hatte es erfolgreich verdrängt. Sich danach sehnen und es aber zulassen, das Fallenlassen (wohin falle ich und wer fängt mich oder niemand?) , in die Gefühle hinein, sind zwei Dinge. Man kann das Herz in die Hände nehmen, pochend, oder es verschliessen. Sich in den dunklen Augen des anderen verlieren, oder sie zumachen.
Vielleicht legt man sich eine dickere Haut zu, mit der Zeit, oder sie wächst dicker über die Narben, die man im Leben davon trägt.
 
Wenn der Zeitpunkt stimmt, und das kann überall auf der Welt passieren und ist nie an einen Ort gebunden, nimmt es einem den Atem. Es verschlägt ein bisschen die Sprache.
In diesem Moment könnte man noch wegrennen, sich schreiend hinter einer einem Passanten verstecken, diesem zuflüstern: Rette mich. Ich werde von Liebe verfolgt.
Oder in die  nächste Bar rennen, Tequlia trinken und sich nach Mitternacht mitnehmen lassen, um in einem fremden Bett mit Kopfschmerzen zu erwachen.
Ich will mir nicht nahe sein und dir auch nicht, könnte man sagen und die nächste Bahn nehmen, die zurück in die Heimat fährt.
Es kann aber auch passieren, dass man diesen Blick auf sich selbst aus den Augen des anderen zulässt. Die Wärme darin spürt und diese zurück spiegelt.
Dann verpasst man die Abfahrt des eigenen Zuges zurück und erwacht am nächsten Morgen zwar auch in einem Bett, aber es ist nicht fremd. Die geteilten Zärtlichkeiten und Träume wachsen aus dem Bett heraus, werden gross, verteilen sich in der ganzen Wohnung und schlingen die Wurzeln um uns selbst.
Dem anderen erwachend zublinzeln, flüstern was in der Nacht geträumt wurde. Keinen Kontrollzwang haben wollen, beide nicht. Warum auch ?
Sich umschlingen, immer wieder, keine Grenze mehr spüren zwischen ihm und mir: Wo atme ich und wo beginnst du zu atmen ?
Die Leute bleiben stehen, sie schauen uns an und spüren die eigenen, unerfüllten Sehnsüchte nach Liebe und der Umarmung, die uns trug.
Plötzlich werden die eigenen Schwächen unwichtig, sich selber zu lieben so einfach, die den anderen in die Liebe zu sich selbst einschliesst.
Damit habe ich nicht gerechnet, dass das passiert.
Nein, ich auch nicht.Aber diesmal renne ich nicht weg, sondern bleibe ganz ruhig stehen.
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13 Gedanken zu “das Glück ist lila

  1. Jetzt hast Du einige Fragen beantwortet, die sich gestern niemand zu stellen gewagt hat – ich auch nicht 😉
    Der Effekt ist wie so oft paradox: Man hat Antworten und die Anzahl der Fragen nimmt dennoch zu.
    Weil die Antworten neugierig machen.
    Weil man versteht, warum die Leute schauen.
    Weil man sich auch wünscht, was man da sieht!
    Apropos „Fallenlassen“: Redder ist im Traum auch gefallen …
    Wer hat Angst vor dem Aufschlag? Ich nicht!
    Ich will auch! …

  2. @ngb….’Dulcinea, however, plays an important role in Don Quixote as her presence is felt … We believe that Don Quixote believes Dulcinea exists–or does he? …‘
    Sie existiert, ich weiss es .
    Und Don konnte, es. Sich seinen Träumen und dem Fallen hingeben.

  3. @lila:
    Don Quixote – ‚der Ritter von der traurigen Gestalt‘ …
    Dabei fand ich, dass ich heute morgen im Spiegel eine sehr gute Figur abgegeben habe (Damit meine ich nicht solche Dinge wie Waschbrettbauch o.ä. – ich konnte mich ’nur‘ fröhlich anlächeln).
    Ja, ich bin sicher, Dulcinea gibt es. Diesen Monat komme ich nicht dazu, aber im August werde ich zu ihr reiten, egal wie viele Windmühlen sich mir in den Weg stellen – auch wenn Sancho keine Zeit hat … wo steckt der nur wieder???

  4. gratuliere zur gelungen ouvertüre, möge sie lange klingen! freue mich bereits auf die darauffolgenden sätze, wo die lebenserfahrene punkerin eine neue liebe gestaltet.

  5. heimlifeiss schreibt:

    so schön 🙂
    geniessen… einfach nur geniessen…
    🙂
    ich bin grad am kämpfen… hoffe ich kann dann auch endlich wieder mal von einem happy-end schreiben… 😉

    ach, und auf die gefahr, dass ich mich zum xten mal wiederhole: ich les einfach gerne hier… immer wieder 🙂

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