Schreiben

…am Ende steht der Regenbogen

Wenn die Frauen Colette, Paulette, Claudine oder Juliette heissen und ihre langen Haare im Nacken zusammen binden.
Wenn an den Hängen Spitzenwein wächst und die Orte darunter wie putzige Häuser aus einem Monopolyspiel aussehen, die jemand unwillkürlich in die Landschaft gehaucht hat.
Wenn plötzlich dutzende von Störchen über einem Dorf kreisen und zu ihren Nestern auf dem Dorfplatz fliegen.
Und die Menschen abends gegen elf die Restaurants schliessen, die Dörfer ins NachtKoma fallen, dann ist man im Elsass.
(Lila, der Nachtmensch, bedauert es noch immer, dass sie morgens um zwei keinen Ort fand, um die gefühlte Party  bis zum Exzess auszukosten. )

 
Mein persönlicher Luxus besteht darin, einfach mal wegzufahren.
Meine Baustellen sein lassen und meine Verpflichtungen ebenso. Dafür Vollgas an den Horizont, losfahren, kleine Wolken als Begleiter.
Wenn es Momente gäbe, an denen ich Wolken essen könnte, dann sind es jene meiner inneren Freiheit, wenn die Landschaft an mir vorbeizieht. Mich lockt. Meine Augen kitzelt und mich einlädt, einfach anzuhalten.
Ich mich fallen lassen kann, innen***aussen, auf eine Wiese und die Oliven und das Brot zu essen und den Wein zu trinken. Der dort wuchs und gekauft wurde. Spüren wie die Anspannung mit jeder Sekunde nachlässt und die Haare sich vor Freude kräuseln und in Locken werfen.
Das Bauchgefühl wieder da ist, warm und weich. Einatmen, ausatmen. Sich selber so ausgeprägt genügen, dass ein plötzlicher Tod als mögliche Erweiterung des Gefühls richtig zu sein scheint. Weil man sich gefühlsmässig so treiben lassen kann, dass man sich vorkommt wie in einem Film vom Fliegen. Hoch, höher.Wenn die Gespräche mit dem Gegenüber sich nicht mit Alltagsproblemen beschäftigt, sondern gefühlte Stunden lachend und fühlend sich darüber auslassen kann, wieviele Wumm es im Leben gibt…Dann ist das wie der Regenbogen, der sich über die eh schon perfekte Szene spannt.Manchmal ist das Leben eben doch ein kitschiger Hollywoodfilm. Einer mit einem weiten Horizont, Zuckerwolken, einem Regenbogen und einem gepflüsterten Oh und dem bestimmten ‚zack‘ am Ende eines Satzes.
Und ich weigere mich, hier zuhause mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen: Mit einem Fuss tanze ich noch immer in der Luft.  Ich kann das, ohne umzufallen. 

..tres francais: Coralie.

 

 
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10 Gedanken zu “…am Ende steht der Regenbogen

  1. Weisch Roger…es war schon gruusig, auf der Speisekarte Schnecken und (bei den Fischen) Froschschenkel angeboten zu bekommen.

    (Obwohl ich das Zeug ja kenne. von besuchen bei Verwandten früher. Ich ass sowas nie. No way. )

  2. bin über ngb zur dir zum gucken gekommen – mir gefällt wie du schreibst – bei lila hab ich gesehen, dass du wie ich zur Zeit im gleichen Weiterbildungtopf fischen und uns bereichern

  3. @christina…wir knüpfen unsere biografie offenbar ähnlich 🙂

    @TM…die vogesen warens und ganz viele ballone waren eh da.
    danke für den blue blue sky 🙂

  4. *lach*…Süsse. den zweiten Glenfidich an dem besagten Abend trank ich auf dich.
    Du bist einfach zu gut : Ich hätte mich wegrollen können vor lachen 🙂

  5. @C…ich kann dich ja verstehen. Es ist halt nicht einfach, wenn es ausser schwarz/weiss noch lila gibt 🙂

    @morgiane…thx ! neid ist nämlich doof, mitfreuen ist besser . weisch.

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