Schreiben

Folge mir…oder nicht.

Es war eine düstere Zeit und mir sprang an diesem Tag das Leben mitten ins Gesicht.
„Ich möchte an dir riechen. Nur das. Weil ich vergessen habe, wie du riechst…“
Sagte sie. Wir sassen auf einer Bank, die Farbe schon halb abgeblättert, und wir hatten beide
viel durchgemacht. Vermutlich blätterten wir auch schon etwas.
Sie fragte nach meinem Leben, nach mir und der Liebe.
Es gab keine, zumindest in dem Augenblick nicht. Obwohl ich damals immer verliebt war, bin ich es an diesem Tag nicht gewesen.
Die Nacht senkte sich langsam auf uns herab und mit ihr kam die Feuchtigkeit. Ich zog meine Beine auf die Bank und umschloss sie
mit meinen Armen. Ihr Kopf sank auf meine Schulter. Kaum spürbar. Langsam.
Eine Weile sprachen wir nicht. Wir waren vorher zusammen durch den Park gelaufen und uns, unzusammenhängend, aus unserem Leben erzählt.
Weil wir uns lange nicht gesehen hatten. Sie machte noch immer diese mir vertraute Geste mit den Händen, als wollte sie nach den Sternen greifen, bevor sie
laut lachte. Ich mochte ihr dunkles Lachen immer, sie lachte hemmungslos wie ein Mann es tut, nicht kichernd wie eine Frau.
 
Sie stand auf, trat hinter die Bank und schlang ihre Arme um mich. Dann spürte ich ihr Gesicht in meinen Haaren.
Es war nicht unangenehm, überhaupt nicht. Wir kannten uns zu dem Zeitpunkt bereits über ein halbes Leben lang und waren schon zusammen
zur Schule gegangen. Ich konnte hören, wie sie Luft holte und geräuschvoll ausatmete. Dann küsste sie meinen Hals, bevor sie sagte:
„Ich habe dich immer geliebt.Du warst meine erste Liebe.“
Wenn ich erschrak, liess ich mir nichts anmerken. Zumindest erinnere ich mich, dass mir die Bedeutung ihrer Worte erst später wirklich bewusst wurde.
 
Sie sagte, dass sie jetzt gehe. Ich könne mitkommen, oder sitzen bleiben. Sie wartete ein paar Minuten, dann hörte ich das sich entfernende Platsch ihrer Turnschuhe auf dem
nassen Asphalt des Parkes .
Ich blieb.
 
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