Schreiben

Wenn Fische Purzelbäume machen

Wir sitzen an einem der roten Tische H. und ich, so nahe am Wasser, dass ich die Fische springen sehen kann. Sie tun es ausgiebig, werfen sich in die Luft, um das Brot zu erwischen, dass ich dem jungen Schwan in hohem Bogen vor den Schnabel warf. Über dem anderen Ufer schiebt sich der Mond hinter einer Wolke hervor, dick und rund.
Ich bin zapplig, an mir klebt noch der Tag, die Hektik und das Gefühl, noch  nicht wirklich frei atmen zu können. Die Projekte und die to do liste im August sind lang.
Die Semesterferien sind bald vorbei und ich sollte die Bücher mal wieder in die Hände nehmen. Eine Buchbesprechung steht an und ein Kurzreferat, wobei ich noch nichts vorbereitet habe. Die Ausstellung in zwei Wochen, und ich habe noch keine Ahung, welche Bilder ich präsentieren soll. Ein Artikel, der morgen in der Redaktion sein sollte, fordert heraus.

Die Bedienung bringt den Wein, sie gefällt H. Ihre blauen Augen, sagt er, seien himmlisch. Sîe wird an diesem Abend noch unzählige Male für Kleinigkeiten an unseren Tisch kommen : Vielleicht ist sie umtriebig, oder auch an H. interessiert. Sie zieht eine Schleimspur hinter sich her, sage ich, nur um H. zu ärgern. Obwohl ich weiss, dass er mich immer durchschaut, und das , genau das, mag ich. Er öffnet Türen, genau im richtigen Moment. Weil er Dinge sagt, bei denen ich denke, sie seien mir eingefallen oder ich hätte sie gedacht.
Wusstest du, das Schwäne ein Leben lang zusammen bleiben ? Ja, wusste ich. Krähen sind auch so. Monogam.
Wir bestellen noch eine Flasche Wein. Die roten Tische um uns herum sind längst leer, die Bedienung will nach Hause, wir nicht.
Ich wäre auch gerne so bunt und exaltiert wie du, sagt er. Obwohl wir beide nicht wirklich wissen, was das Wort bedeutet. Es klingt gut. Wie eine Flasche Champagner,
die, geöffnet, übersprudelt und ihren Inhalt wuuussschh über den Tisch ergiesst. Ich wäre lieber manchmal wie er: Klar. Lösungsorientiert. Beide Füsse auf dem Boden. Die Wertschätzung, die er Menschen entgegenbringt, seine sensible Wahrnehmung tun gut.
Wir reden über Ideen, Projekte und über das vergangene Wochenende. Dinge erledigen sich manchmal schon alleine dadurch, dass man über sie redet .
 
Später finde ich sieben sms auf meinem Handy (fünf davon von meinem Cornflakegirl, die möchte, dass ich sie bei einem Freund abhole)  und als ich zuhause durch die
Tür gehen will, habe ich plötzlich nur noch die abgebrochene Türklinke in der Hand.
Ich schlief lachend ein, glaube ich.
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13 Gedanken zu “Wenn Fische Purzelbäume machen

  1. sommermoon schreibt:

    ich lasse die hektik nicht gern an mich ran, wenn ich meine freien tage habe. doch auch bei uns ist sie eingezogen……… 🙂 ….. aber irgendwie gehört es dazu einfach um zu spüren……..

    ja so ein lauer sommerabend mit einer oder mehr flaschen wein 😉 kann viele ansichten, gefühle an die oberfläche befördern……. und es tut immer gut mit jemandem darüber zu reden……….
    wir sehen uns….. bald 🙂

  2. …meine wenigkeit hatte gestern nicht frei ;-).
    wir sehen uns, morgen, bei genau den roten tischen.
    (mir dieser ‚zufall‘ erst klar geworden, als ich gestern den namen des reatsurants gesehen habe. freu dich auf eine exklusive speisekarte und eine, ausgesprochen, hübsche bedienung 😉 )

  3. CvB&C schreibt:

    Ich sehe diese romantische Szene vor mir. Vollmond – Delfine, die springen (Delfine sind im Fall keine Fische! und … ist der Schwan ein Wesen?, ein Tier?, ein Geflügel? …)
    War das Brot denn für den Schwan gedacht? Ist ein Schwan auch dann noch monogam, wenn er eine Frau pflegt, die ihm das Brot geben will?

    Es ist echt nicht einfach sich von der Hektik zu distanzieren in solchen Umfeldern (Romantik hin oder her).

    Ist Monogamie normal?

    Ich kümmere mich jetzt um die Antworten und melde mich wieder bei Gelegenheit.

  4. sommermoon schreibt:

    ich weiss meine süsse…… doch dafür hattest du wegen meiner wenigkeit den montag frei 😉
    ohhhhaaaaaa dann werd ich mich einstimmen auf den morgigen abend, den ich sicherlich wieder mal geniessen werde, mit euch zusammen. 🙂
    und die bedienung :-0 die geht mich ja nicht wirklich was an …….. hübsch sind wir auch …… nämmli!!!!!!!! hihi

  5. @Clyde…Das Brot war natürlich für die schwäne gedacht, von mir ausgedacht natürlich.
    nein, sag jetzt nichts ;-).

    monogamie ?
    nein, der mensch ist nicht für die monogamie gemacht. schwäne und krähen schon.
    wenn der mensch zeitlebens mit einem partner verbringt, dann weil es das seine entscheidung ist. was aber nichts mit den natürlichen trieben zu tun hat.
    wohl eher mit liebe 🙂

    @sommer…die flut wird uns morgen mitnehmen. es wird nichts mit essen draussen. auf den roten stühlen. an den roten tischen.
    schade.
    drinnen soll es auch nett sein. glaubs.

  6. sommermoon schreibt:

    wir werden sehen wie es wird heute abend…… 🙂 aber auch so, mit dem regen, wirds gemütlich…… ganz bestimmt

  7. Für mich verliert Monogamie zur Zeit jeden Schrecken und ich bin bereit über Dinge nachzudenken, die ich vor drei Monaten noch weit von mir gewiesen hätte.
    Aber ich bin zur Zeit nicht voll zurechnungsfähig 😉

  8. @ngb…mein Lieber :-). Ich kenne dich doch nicht anders, als eben so.

    @canela…du . schreibst es klüger als ich. ich unterstütze deine these.
    als mensch haben wir die wahl. gäll .

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