Schreiben

Die Tellerwerferin

Ich bin eine Tellerwerferin.
 
Ja, das bin ich. Und ich tue das schwungvoll und mit ganzem Herzen. Wenn der Teller dann erfolgreich zerdeppert ist,
zerbricht in mir auch die vorangegangene Wut und macht Platz für gute Gefühle.
Warum ich das erzähle ? Nein, ich will keine Selbsthilfegruppe der Tellerwerfer gründen und auch nicht die Porzellanproduktion
wirtschaftlich ankurbeln, es hat andere Gründe: Meine Wurfgeschosse sind mir ausgegangen !
Meine extra dafür angelegte Reserve aus Tellern vom Flohmarkt ist leer.
 
Normalerweise kaufe ich mir Teller auf Vorrat: Billige Teller, die ich irgendwo erstehe und deren Bestimmung es ist,
zu Bruch zu gehen.
Sie lagern ruhig aufeinander gestapelt in einem Regal, auf den ich rasch Zugriff habe, wenn nötig. Ob sie glücklich oder eher
dumpf ihrem Ende entgegen sehen, kann ich nicht sagen und spielt auch keine Rolle.
Wichtig ist nur, dass sie mir schon oft das Leben gerettet haben. Doch doch. Sie hindern mich daran,
innerlich ein Geschwür aus Wut und Angst zu züchten.
Ich werfe gezielt, direkt vor meine Füsse, meistens begleitet von einem lauten Fluch.
Der Hund, um die Tierschützer hier zu beruhigen, kennt die Situation und beobachtet mich während des geschehens
mehr neugierig, als ängstlich. Wenn ich dann weinend, erst das laute Klack des zerberstenden Porzelland öffnet diese
gute Schleuse, die Scherben zusammenkehre, kommt er und setzt sich neben mich.
 
So. Und heute eben stellte ich mit Schrecken fest: Ich muss neue Teller kaufen.
Bevor ich mich notgedrungen an meinen Tassen vergreife.
Standard

23 Gedanken zu “Die Tellerwerferin

  1. bei uns im WH – wir bauen und planen um wie verrückt – wurde für 6 WGs und die Mensa das gesamte Geschirr ausgewechset … Teller – ich sage dir, so weit kann man gar nicht gucken … wo ist die TelNr von HERZ … bleib wo du bist, ich komme

  2. Ich erinnere mich and „werkeln“ und „zurücklassen“ … Was wird denn beim Tellerwerfen zurückgelassen?
    Ich vermute eine neue Lila-Josephina-Beuys.

  3. @Christina…sag mir wo ich mich austoben kann ! wobei der standort weniger relevant ist, als das akute gefühl dahinter. sprich: die wut fehlt im moment 😉

    @don…*lach*. zurückgelassen wird dabei kaum was, eher transformiert. wut weg und liebe zu mir selbst wieder verfügbar.

    @rockige…du meinst: statt in den abfall mit den tellern, zur villa lila verfachten ? 🙂

  4. kein Problem – ich stell dir den Laster einfach vors Haus – wir sollten noch einen TellerWerfWutZumTrotz-Schuppen bauen – denn es ist wirklich viel Geschirr und ob da das bisherige Regal seine Dienste tut … also Laster steht vorem Haus … übrigens: wir sind früher von der Baustelle los mit einem Laster voller Kloschüsseln und Waschbecken und haben es den Brautleuten vor die Tür gekippt, wenn sie am nächsten Tag vorhatten, den Hafen der Ehe anzusteuern … hat aber nichts gemeinsam – oder ?

    ich geb mal jetzt für alle Zeiten ein generalSORRY für mein mich eher nicht kurz fassen können ab
    möcht dies auch hier, wenn erlaubt, für dort und da geltend machen

  5. *lach* @Christina….dein jonglieren mit wort und witz ist köstllich. wir warten ja schon eine weile auf deinen eigenen blog.
    wann ? ist es denn soweit, halte uns bitte auf dem laufenden, ja ?

  6. die Sache mit dem Blog ist so eine Sache – hatte schon einen und hab ihn wieder aufgegeben – manchmal stellt sich mir einer meiner eigenen Füsse in den Weg und dann stolperts ganz fürchterlich – aber dazu nicht hier, vielleicht einmal an andrer Stelle – das du dies schreibst und mit wir benennst schmeichelt mir unglaublich

  7. sommermoon schreibt:

    ah so jetzt weiss ich auch warum du immer einen ruhigen, ausgeglichenen, stabilen, mit dir im reinen eindruck machst…… 🙂 …….
    denke ich werde in mich gehen müssen….hmmmmmm und mich fragen, vieeeeeles fragen ….. 😉

  8. aber nun – was ich eigentlich schreiben wollte – ists mir doch unterm Wasser stehend plötzlich in den sinn gehuscht – ich kann ja gar nicht Auto fahren – und dennoch bin ich mit nem Laster bis vor lilas Haus … erst noch dass ich nicht wusste wo sie zu finden ist … was virtuell so alles möglich ist – dann hätt ich auch es Flugi chartern -„kapern“ hihi – können … stell dir die Container Geschirr vor … lieblieb der vielen Worte

  9. ….. sagt er eine am stammtisch, dass er letzthin eine fliegende untertasse gesehen hab‘, der er noch knapp ausweichen konnte…..
    ….. seine kumpels glotzen ungläubig und er erklärt weiter, dass er dann aber von einer tasse voll am kopfe getroffen wurde…..
    *grin*

  10. @zucker: In Villa Lila leben auch noch Kinder, ein Hund und Katzen und Glas gibt im Gegensatz zu Porzelan ganz eklig scharfe Scherben.Wär‘ doch schad‘, wenn sie nach dem Scherben kehren auch noch Blut wischen muss 🙂

    @lila: wenn ich Dich besuchen darf, bring ich welche mit. 😉
    Keinen Laster voll, aber auch ohne die Gefahr, dass eine „lizenzfreie“ LKW-Lenkerin das Erdgeschoss wegradiert. 😀

  11. @sommer…frag nicht dich selbst, diesmal, frag mich.

    @kopf…gut, der kerl war aber nicht bei mir, hier sind es wirklich nur teller. ich schwör 🙂

    @sugar…nie und niemals behälter aus glas. fliegendes geschirr kann ein sehr hohes tempo entwickeln im freien fall.
    scherben aus glas können ins auge gehen, altes kindheitsmuster. glaube ich.
    ich bleibe bei teller.

  12. @ngb…unsere beiträge haben sich gekreuzt. *zack*.
    habe heute nachschub geholt, falls du mal kommst, darfst du mich ärgern.
    damit ich grund zum ausflippen habe.
    reizthemen habe ich genug, du findest sie, da bin ich mir sicher.

  13. Oh, Flaschen gehen auch ganz gut zum Zerdeppern! Das mache ich jeweils, wenn ich einen Tobsuchtsanfall habe! Ansonsten: Wir haben noch ein paar alte Teller. Falls ich sie nicht selber brauche, bringe ich sie bei unserem nächsten Treffen mit.

  14. @diefrogg: In Villa Lila leben auch noch Kinder, ein Hund und Katzen und Glas gibt im Gegensatz zu Porzelan ganz eklig scharfe Scherben.Wär’ doch schad’, wenn sie nach dem Scherben kehren auch noch Blut wischen muss 😀

    (mein erster Kommentar ohne Tippen durch Wiederverwertung) 😀

  15. @lila: Ich befürchte nur, ein Wochenende wäre zu kurz um sie zu finden, wenn ich nicht zufällig ins Fettnäpfchen trete. Wir sollten mal zusammen Urlaub machen.
    *grins* das habe ich ja gefickt eingeschädelt.

  16. hr.ngb – nun aber mal … ich bin sowas von geschmeidig um die Kurven mit meinem Laster … mit meinen geschmei… Kur… – man braucht nicht für alles ne Lizenz … neee … auch wenn das eigentlich gar nicht hier her ghört … d’Frou G. wieder … tssssss

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