Befindlichkeiten

Befindlichkeiten #1

Es gibt Menschen, die glauben, dass sie durch Spiegel hindurch sehen können und auf der anderen Seite jemand anderes sehen.
Dabei sehen sie nur sich selbst . Die eigene Verletzlichkeit und die Ängste werfen sie dem erdachten Anderen vor.

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Gestern in einem Kaffee das strahlende Leuchten einer jungen Frau am Nebentisch gefühlt. Ihr Lachen war zeitweise das Einzige, dass das Klirren von Geschirr und die gedämpften Gespräche übertönte.
Die Mitbewohnerin fragte mich abends, ob ich auch schon Tränen gelacht habe. Und der  kleine Mitbewohner will wissen, warum alte Menschen nie laut lachen, sondern nur so verhalten lächeln. „Ist es, weil sie wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben ? Macht sie das traurig ? „

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Das Rotieren des Teilchenbeschleunigers am Cern hatte keinen Einfluss auf meine Essgewohnheit dreihundert Kilometer weiter weg. Im Gegenteil: Ich schlich den ganzen Tag um eine Schokolade herum, die ich Stückweise verschlang. Abends war sie gänzlich Teil meines Systems.

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 Über einen Begriff gestolpert, den ich nicht kannte : Geloltologie.

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Frühmorgens während der Fahrt zur Arbeit die Heizung aufdrehen und sich mittags wundern, dass man auf der Heimfahrt schwitzt: Bei der Mittagstemperatur um zwanzig Grad, sollte man die Heizung drin zudrehen. Oder dies zumindest in Erwägung ziehen.

 

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7 Gedanken zu “Befindlichkeiten #1

  1. @lila: Ich glaube nicht, dass das Spiegelphänomen nur bestimmte Menschen betrifft.
    Selbst wenn wir durch eine Glasscheibe sehen, wird oft ein gewisser Teil unseres eigenen Bildes reflektiert. Und wie sehr wir uns auch anstrengen, können wir den anderen doch nur aus unserer eigenen subjektiven Perspektive erkennen.
    Mea culpa – ich gehöre auch zu diesen Menschen 😉

  2. @jungerMitbewohner: Ältere Menschen lachen nicht weniger, weil sie traurig wären, sondern weil sie gelernt haben, das sich das nicht gehört. Man spricht im Zug nicht laut miteinander, sondern flüstert. Man jubelt nicht laut, wenn man sich über ein Geschenk freut, sondern bedankt sich ruhig und zivilisiert. Nur nicht auffallen. Nicht anecken. Immer schön dezent.

  3. @nedganzbachert: Aslo die Alten am Morgen im Zug, mit roten/grünen Socken und mit einem Stock bis an die Zähne bewaffnet sind alles andere als leise.

    @Lila: Dann hat es also doch ein schwarzes Loch gegeben. Zum Glück verschlingt das nur Schokolade 🙂

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