Schreiben

fly away

Als meine Tochter noch klein war, war  sie verliebt in Bälle . Rote, grüne, gelbe. Die Farbe war ihr egal. Rund mussten sie sein, möglichst glänzend und er-fassbar.
Sie bekam immer mal welche und schob sie abends, nach dem Spiel mit ihnen, unter ihr Bett. Schlief auf ihren kugeligen Freunden.
Irgendwann waren wir an einer Kirmes zusammen und sie sah das erste Mal einen Ballonverkäufer, der schwebende Bälle anbot. Sie war fasziniert davon und wollte unbedingt einen haben. Ich kaufte zwei: Einen für sie und einen für ihren Bruder. Während er die Schnur des seinen umschloss mit den Fäusten, liess sie ihren lachend schweben.
Fliegen, sagte sie und schaute dem Ballon fasziniert zu, wie er immer höher stieg und sich im Himmel verlor. Ihr Bruder weinte: Du musst den festhalten ! Er war entsetzt.
Sie aber wollte mehr Ballone kaufen, sie wollte sie alle, um sie fliegen zu lassen.
Das blieb fortan so: Die Bestimmung der Luftballone entspricht ihrem Wesen. Während ihr Bruder alles festhält, sich schwer von etwas lösen kann, öffnet sie ihre Hände und
lässt los. Damals wollte sie alle Ballonsträusse kaufen und sie freilassen. Ich glaube, sie sieht das heute noch so.
 
Mit Menschen ist das ähnlich. Während die einen sich festhalten, lassen die anderen los.
Und vielleicht freuen sie sich sogar darüber, winken und sehen ihm eine Weile nach. Bis er den Horizont überquert.
Flieg !
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8 Gedanken zu “fly away

  1. christina schreibt:

    Liebe Lila – ich weis gar nicht was ich sagen soll – du schreibst hier und zeigst mir damit, etwas was mich seit gestern an anderem Ort verhängt hat

    alles ist mit allem vernetzt, alles hat auf alles einen Einfluss

    da ist es mein Sehen mein Erkennen – mich – und lässt mich für diesen Moment traurig sein – traurig in etwas sehr Gutem

    alles ist mit allem vernetzt, alles hat auf alles einen Einfluss

    ich möchte meinen Ballon nicht platzen lassen und auch nicht selbst zerplatzen – aber ja – ich möchte ihn fliegen lassen

    danke

  2. oh, dann würde es deiner tochter in thailand gefallen. – dort kannst du lebende vögel in käfigen kaufen und dann fliegen lassen.

    (obwohl sie die vögel dann wieder einfangen und den nächsten touristen verkaufen…)

  3. @falki…wir haben schon öfters flügellahme vögel hier gepflegt und sie glücklich wieder fliegen lassen . irgendwann.

    aber wir haben sie noch nie wieder eingefangen.
    oh. heavy. !

  4. ist wirklich heavy! – mein kumpel hat in chiang mai, im norden des landes, auf einmal alle 15 vögel gekauft und frei gelassen. er konnte es nicht ertragen, die tiere so eng zusammengepfercht zu sehen…

  5. Wenn man die Käfigtür öffnete, aber der Vogel den Käfig nicht verließe?
    Wenn man den Vogel aus dem Käfig nähme und er flöge nicht weg?
    Wäre das weniger Freiheit?
    Muss er wegfliegen um frei zu sein?
    Der Ballon ist nicht frei. Er kann nicht entscheiden. Er wird durch die Natürgesetze in die Höhe getragen.

  6. @falki…ich glaube, man könnte alles vögel kaufen und es würde nichts bringen: sie besorgen sich neue.
    ich will nicht nach thailand…

    @ngb…touché !
    gebe ich zu und aus diesem grund fehlen mir erstmal die worte.

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