Leben

Kampf der Viren #1

Ich bin nie krank.
Zumindest war ich es die letzten Jahre nicht. Während den heftigsten Grippeausfällen im Team, war ich oft die zähe Gallionsfigur, die einfach nicht krank wurde. Die Kolleginnen blieben zuhause, schauten sich Gerichtssendungen im Nachmittagprogramm an, während ich gewährleistete, dass die Patienten weiterhin versorgt wurden.
 
Heute bin ich krank.
Und ich zelebriere es ausgiebig, schwitze unter der Decke, träume von einer Apocalypse aus Viren, die mir den Rest geben. Meine Lust, dies der Welt mitzuteilen, ist enorm:
Ich bin krank ! Schrieb ich R. frühmorgens. Lange musste ich nicht auf Antwort warten: Du Arme ! smste er zurück und erklärte, dass ich Sorge zu mir tragen soll und dass Tee trinken hilft. Gut, denke ich, krank sein ist schön. Man wird bemittleidet. Ich wälze ich mich in den Gedanken, dass ich eigentlich ganz gerne krank bin, weil die Wirkung des Pulvers, Vitamine und ganz viel Chemie, mich gesund fühlen lassen. Halsweh ? Nein. Fieber ? Weg. Gliederschmerzen ? Auch nicht.
Aus Langeweile schlafe ich ein und erwache, weil der Regen ans Fenster prasselt :
Ich bin noch immer krank ! Sms ich R , weil ich nicht einsam sterben will. Hat er mich vergessen ? Schliesslich leide ich und schmelze in meinem eigenen Schweiss davon.
Seine Antwort kommt umgehend und bestätigt mir, dass es noch mitfühlende Menschen gibt. Gut so.
In meiner Langeweile lese ich ein Buch , kann mich nicht konzentrieren, fixiere einen Punkt an der Decke über dem Bett: Ist das eine Mücke ?! Mein Versuch sie mit einer Socke zu erschlagen, scheitert. Ich lege mich wieder hin, ermüdet von dem Kampf. Wiederstehe dem Wunsch, R wieder darauf aufmerksam zu machen, dass ich noch immer krank bin. Um mehr Mittleid zu ergattern.
Ich gehe in die Mailbox und werde dort darauf aufmerksam gemacht, dass ich guten Sex habe, wenn ich mir das angepriesene Produkt kaufe: Danke, guten Sex habe ich auch so.
Die Redaktion schickt mich am Sonntag zu einer Berichterstattung und ich sage zu. Ich beantworte eine Mail, indem ich quer über auf dem Bett auf dem Bauch liege. 
Trage meine unsexy Wohlfühlhosen, die Haare stehen in alle Richtungen ab, meine Zähne sind nicht geputzt und ich hoffe, dass der Zahnlückige nicht auf die Idee kommt, mir einen Tee ans Bett zu bringen.
Darum ist er wohl der Einzige, der nicht weiss, dass ich krank bin.
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8 Gedanken zu “Kampf der Viren #1

  1. christina schreibt:

    Lieber R. – das haste gut gemacht, sag der Lila dies ganz oft und ich werd mich jedesmal hintanschliessen.
    Nun liebe liebste aller…naduweisstschon…lila Systemkollegin – was könnt ich nun in die Tasten hauen, doch du wärst ja keine Systemkollegin, wenn die meinen Worte dazu nicht ebenso auch die deinen währen – so sag ich lediglich aller aller gutste Besserung und sKerzle ist angezündet.
    Lila – sterben tun wir später – viel später – weil jetzt geh ich uns erst mal zwei Tassen vom Grünen einschenken.

  2. sommermoon schreibt:

    Hey S……. das kann doch nicht sein, dass du im Bett liegst und krank bist…….. 😦
    Ich wünsche dir guuuuuuuuuute Besserung……. dicke baci

  3. R. schreibt:

    ja jetzt bin ich hier eingedingst, ich meine, eingelocht…öh, eingeloggt, und was soll ich sagen? aber klar doch. dasselbe wie ich dir am morgen schon durchs sms zugesteckt habe. aber eben so dass es jeder sehen kann:

    “ heb sorg zuder! es chund scho guet!!“

    baci R

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