Befindlichkeiten, Fühlen

Platons Liebe

Wir sassen nächtelang nebeneinander. Haben zuviel von deinem Whisky getrunken, zuviel geraucht und haben die Träume und Gedanken geteilt.
Manchmal auch unser Schweigen. Du hast mir vom Schimmelreiter erzählt, der nachts durch deine Kinderwelt ritt. Und vom Deich, den du aus dem Fenster deines Zimmer sehen konntest. Du konntest mich faszinieren mit den Erlebnissen in Ägypten, den Tuareg und dem Mythos der Sumerer. Wenn wir abends weg gingen und mit deinem Auto durch Hamburg fuhren, blieben die Leute stehen. Alte Frauen schüttelten entsetzt den Kopf, machten sich mit ihren Händen das Kreuz auf die Brust. Ich lachte darüber, du warst diese Reaktionen gewohnt. Für mich waren sie neu. ohsldorf
Es war kalt und es roch für mich ungewohnt nach Salzwasser, der Wind blies immer etwas und du hattest die Gewohnheit, mir die Enden des Schals vorne in die Jacke zu stecken.

Manchmal standen wir bei den grossen Schiffen, sponnen zusammen Geschichten über das Ziel ihrer Reise. Und wie es wäre, wenn wir als blinde Passagiere mitfahren würden.

Wenn wir unsere Nasenspitzen nicht mehr fühlen konnten, weil wir Eisklötze waren, wärmten wir uns in Kneipen . Die SchickiMickiSzene war nie unsere Welt. Schwiegen manchmal, liessen die Menschen dort auf uns wirken. Hörten ihnen zu: Futter für deine Bücher und für  meine Geschichten.

 

Wir lasen die gleichen Bücher. Dachten oft das gleiche manchmal genügte der Blick des einen, damit der andere verstand.
Dir ging es damals nicht gut, ich habe dich zu den Therapien begleitet und während die Infusion lief, habe ich dir erzählt. Geschichten. Um dich abzulenken.
Während andere Patienten uns umflossen, sich fragend, was wir uns zuflüstern.

Im Sommer sah Hamburg anders aus, fühlte sich anders an.  Du hast mich am Bahnhof abgeholt. Weisst du noch wie du viel zu früh dort warst, weil du befürchtet hast, dass ich mich verlaufe ? Wir sassen abends draussen bei den Bäumen, bis wir die Augen nicht  mehr offen halten konnten.
Du hast mir von Platons Gleichnis erzählt. Davon, dass die Menschen kugelige Wesen waren, die den Zorn der Götter auf sich zogen. Diese trennten die Menschenwesen in zwei Teile. Und seither, hast du gesagt, rollen sie als Hälften herum und suchen die andere Hälfte. Um ganz zu sein.
Ein paar Jahre waren wir ganz. Platonische Liebe.
Dann gingst du verloren.

 

 

 

 

 

Nachts
Wenn du in Träumen liegst
Sammle ich deine Atemzüge
Auf meiner Feder
Verspinne sie

Mit meinen Gedanken
Zu geheimnisvollen Wörter
Schreibe daraus ein zartes Gedicht
Füge sanfte Liebkosungen ein
Benetze es mit deinem Duft
Wo ich nicht da bin 
Um die frierende Seele zu wärmen
Schlinge die Wörter mit deiner Zärtlichkeit
Um deinen Leib
Verknote es mit mir
© Kai-Uwe Götz
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