Denken

Die Neun

weltenbaum1Odin hing neun Tage und neun Nächte an der Esche Yggdrasil . Die lange Zeit einer  geistige Schwangerschaft, bevor er zu seiner Weisheit gelangt.Die Zweige des Baumes wachsen über die neun Welten in den Himmel hinein. Odin war ein impulsiver, wütender Poet, der schlussendlich die Runen fand. Neunmalklug sein.
Im 2009.
Standard

Ein Gedanke zu “Die Neun

  1. Gerhard Hess schreibt:

    Material zur „heiligen Neun“

    Da Zahl 3 als erste rein männliche Ziffer galt, musste die 9 als dreifache Triade, die „Erfüllung des Mann-Prinzips“ repräsentieren. Sie verdankt also ihre Hochschätzung zu allererst dem arithmetischen Umstand, daß der männliche Gottes- und Lichtwert 3 durch Multiplikation mit sich selbst 9 ergibt – so gelangt sie zur Bedeutung der „göttlichen Vollendung“.

    Zum anderen wurde der siderische Monat von 27 Tagen einstmals in drei 9-Tage-Wochen eingeteilt. Zeiteinteilungen in 9-er Perioden zeigen die Feste für Apollo, die alle 9 Jahre in Delphi durchgeführt wurden. Ebenso feierte man nach 9-jährigen Fristen die großen heidnischen dänischen und schwedischen Opferfeste in Ledra und Uppsala, von denen Thietmar von Merseburg und Adam von Bremen berichteten. 9-tägige Andachten und 9-fache Opfer wurden dort dargebracht.

    9 Nächte hing Odin verwundet im Weltenbaum, bevor er die Runen fand (Edda, Havamál 138). 9 Nächte muss der sonnige Freyr auf die Vereinigung mit seiner geliebten Gerda warten (Edda, Skirnirsmál 42). 9 Räume im Weltenbaum kennt die eddische Seherin (Völuspa 2). 9 Mütter gebären den göttlichen Lichtgeist Heimdall (Weltleuchte), so berichtet die Edda. 9 Götter brachte das göttliche Urprinzip der Altinder hervor (Atharvaveda XI. 4,10). 9 Götter, „die Neunheit“ als Bestandteil des Sonnenkörpers, schufen nach ägyptischer, heliopolitanischer Theologie das weltliche Leben. Nach hinduistischer Anschauung umkreist der Sonnengott auf seinem 9.000 Yojana breiten Wagen die Erde.

    Wir sehen schon, dass sich die 9 zur Sonnenzahl verdichtet, ist doch die Sonne das sichtbarste, komprimierteste Gottesgleichnis überhaupt. In den griechisch-ägyptischen Zauberpapyri vom Beginn unserer Zeitrechnung zeigt es sich schließlich ganz unmissverständlich, da wird bei Quersummenziehungen die 9 als griech. Buchstabe Th für Theos (Gott) gedeutet und verstanden.

    Im „Papyrus II, 125“ aus Anfang 4. Jh. heißt es: „Du, größter und mächtiger Gott, […] du hast mir als Geschenk verliehen die Kenntnis deines höchsten Namens, dessen Zahlwert 9999 ist. […] Dich rufe ich, Klarischer Apollon.“ Die QS von 9999 ist 36, die (Himmels-)Kreiszahl, wiederum mit QS 9. In anderem Papyros besteht der Geheimname des Sonnengottes aus 36 Buchstaben, die seine heilige Zahl 3663 (QS 9) ergeben und, von vorn wie von hinten gelesen, als sog. Palindrom die 36 Dekane der Ekliptik (12×3) enthalten. Der germ. Sonnengott war Frô; sein Wort bildet sich aus den Runenbuchstaben f = 24 + r = 20 + o = 1; die Addition ergibt: Fro = 45 (QS 9).

    So wie in mittwinterlicher ODiNG-Kalenderspanne der Sonnensohn (ing-Rune) dem Urvater (d-Rune) folgt, so muss auch in frühjährlicher Werdezeit die erblühte Sonne (s-Rune) aus dem hochgereckten Frühlingshimmel (t-Rune) hervorgehen, der antiken Vorstellung gemäß, dass die Luft das Feuer gebiert.

    Sonnenheil liegt bei mythischer Betrachtungsweise in der 9. Deshalb helfen 9 Knoten in einem Band gegen Verrenkungen. Ein Neunmalkluger besitzt die geistige Sonnenhelle. Die Gründonnerstagsspeise, aus 9 Kräutern bereitet, ergibt „Negenstärke“, d.h. 9-fache Kraft.

    Ein weiterer Verständnisbezug der 9-Zahl klingt schon in ihrem Namen an; in indogerm. Sprachen ist eine Übereinstimmung der Wortstämme für „neun“ und „neu“ zu erkennen. Ebenso besteht nach den Schreibungen der alten Pyramidentexte zwischen dem Zahlwort „neun“ und dem Wortstamm „p´sd“ der vom Neuerscheinen der Sonne im Osten gebraucht wird und auch der Benennung des Neumondfestes zugrunde liegt, ein Zusammenhang. Im sehr alten Tarockspiel „Minchiate von Florenz“ ist die 9. Karte „das Glücksrad“.

    Tatsächlich spricht die Volksmeinung von 9 Monaten menschlicher Schwangerschaft bis zur Neuwerdung des Lebens. Auch in eddischer Rigsðula 6, 20 u. 33 heißt es von menschlicher Schwangerschaftsdauer: „liðo meirr at Þat mánuðr nío…“ „allmählich vergingen der Monde neun. Darauf brachte Amma ein Bübchen zur Welt…“. Die von gynäkologischer Seite errechnete biologische Mutterschaft von ca. 265 Tagen und 9 Stunden stimmt recht gut überein mit 9 synodischen Lichtmondmonaten von jeweils 29 Tagen und l3 Stunden. Die menschliche Entwicklung im Mutterschoße dauert den Mittelwert von 9 Lichtmonden. Solches Wissen demonstriert der Runenschöpfer in seinem ODiNG’schen Kalenderkreis. Nach 9 Monden „gebiert“ die Große Mutter die urmütterliche Grundpotenz (7 b-Rune  1 o-Rune), der Himmelsvater die uranische Urkraft (8 t-Rune  2 d-Rune), der solare Siegeheros das Feuerkind (9 s-Rune  3 q-ing-Rune). Die drei Anfangs-Runen „o, d, q-ing“ gebären wiederum nach 9 Monden dies: Die Urmutter der Mütternacht  die Göttin der Herbst-Tagnachtgleiche (1 o-Rune  19 k-Rune) -, der Doppelaxt-Jahresanfangs-Weihegott  den Oktober-Wagenherrn (2 d-Rune  20 r-Rune) und das Januar-Sonnenfeuer-Kind  den Winteranfangs-Asen-Wodin (3 q-ing-Rune  21 a-Rune). Nicht allein mythologisch stimmen diese runischen Metamorphosen, sie harmonieren auch nach arithmetisch-gematrischer Logik: Die 1 entspricht jungfräulicher 7, die 8 ist Kubikzahl der 2, die 9 ist potenzierte 3 -; die 1 hat gleiche QS wie 19 -, die 2 hat gleiche QS wie 20 -, die 3 hat gleiche QS wie 21. Ein religiöser Legendenkanon in Zahlen und Buchstaben !

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