Befindlichkeiten, Fühlen, Leben

In der Rumpelkammer

Da war ich also gestern in der Rumpelkammer von villa Lila. Dieser kleine Raum ist durch eine Schiebetür mit einer kleinen Treppe in den Keller verbunden. Man sieht weder die Tür, noch ahnt man, was sich dahinter verbirgt. Und das ist gut so. Denn dort steht und liegt ein halbes Leben, zwölf Jahre, die ich in dem morbiden, charimatischen Haus auf dem Land verbrachte, ist auf Holzregalen aufgereiht. Da ich nicht nur die Hüterin der Feuers bin, sonder auch eine Sammlerin, verbrachte ich also gestern Abend Stunden damit, in die Vergangenheit zu tauchen .
Und Geschichten erneut zu durchleben.

Da ist das letzte Glas eine Chutneys, die meine Tante mir immer brachte. Sie hatte lange in England gelebt und von dort die verrücktesten Rezepte mitgebracht. Als sie starb, behielt ich das letzte Einmachglas. Es stehen Gläser mit Muscheln dort, die schönsten sind aus der Bretagne und sie riechen nach Meer und nach Fernweh. Steine, jede Menge Steine und allen Grössen und Formen, die mit Bestimmtheit für mich magisch waren, als ich sie fand und heimtrug. Federn ! Gläser, die halb mit Sand gefüllt sind und in denen hunderte von Federn stecken. Auf Spaziergängen im Wald oder auf dem Feld von Vögeln geschenkt bekommen.
Schneckenhäuser !  schnecke
Grosse und kleine. Irgendwann habe ich sie wohl mal nach Grössen sortiert. Auch sie stehen in grossen Gläsern da, warten still auf ihre Bestimmung. Und wecken Erinnerungen. Zum Beispiel erinnern sich mich an meinen Freund, den ich mal hatte: Jedes Mal, wenn wir Streit hatten, und das hatten wir ziemlich oft (was die Versöhnung um so schöner machte) , ging er raus in den Wald. Um Nachzudenken und seine Wut zu kanalisieren.

Wenn er dann zurück kam, manchmal Stunden später, waren seine Augen glänzend, seine Worte liebevoll und seine Taschen voller Schneckenhäuser.

 

In den Gläsern dort ist auch Meerwasser. Oder Sand, den mir Freunde von ihren Reisen zu den schönen Sandstränden brachten. Was mein Nomandenblut eher noch mehr ins Seufzen brachte. Da stehen Gläser mit eingemachten Quitten, ohne Datum. Fläschen mit Brombeerlikör, die ich bekam und nie öffnete, weil die Flasche so schön ist.
Kleine Wurzeln liegen dort, die die Form eines Tieres oder eines Menschen haben. Getöpferte Geschenke, die zwar hässlich sind, aber einen herzlichen Erinnerungswert haben. Selbstgezogene Kerzen, die nirgens hin passen, weil sie krumm sind.
Windlichter stehen dort, in der Schule von kleinen Händen gebastelt.

…. All das…Sollte weg.
Kram, den ich zwar liebe, die aber nicht mit mir auch die Reise dürfen.
Fazit des gestrigen Abend: Lila stand verzückt und verträumt vor den Regalen mit den Gläsern. Erdachte sich Geschichten und schob, Stück für Stück, liebevoll wieder ins Regal zurück, statt in die Müllkiste.  Und heute morgen plagt mich meine Vernunft:
„Schmeiss weg. Um Himmels willen Lila. Was bist du doch für eine melancholische Tröte ? “
Könnte mal jemand kommen, und alles wegwerfen, ohne dass ich dabei sein muss ?

Standard

17 Gedanken zu “In der Rumpelkammer

  1. ethelind schreibt:

    lila, ich mache es.
    schneckenhäuser, steine und
    federn finden hier viele kollegen. den rest entsorge ich liebevoll.
    wann?

  2. ich erledige das!

    einfach den schlüssel legen. aber bitte nicht hier kundtun, wo du ihn vergräbst, sonst stehn plötzlich ca.18 menschchen vor deinem bau. und dann wird wohl mehr als nur die rumpelkammer geplündert!

    • Rémo, Du solltest doch wissen, dass unter der Treppe diese alten, gelben Gummistiefel von Kornflakegirl steht. Die mit dem rosa Pelzrand. Im linken Stiefel liegt der Schlüssel – ist mit einer alten Socke vorn rein geklemmt, damit es nicht klimpert.
      Aber behalt’s für Dich!

  3. Wirbel schreibt:

    wie wärs mit nem kleinen loslassritual?

    alles, was kompostierbar ist, einpacken und an einer stelle, die nur du kennst, der natur zurückgeben? vielleicht beim einen oder anderen teil, das du loslässt, den eichelhähern und füchsinnen, die zugucken, die geschichte dazu erzählen?

    das mach ich jeweils, wenn ich umziehe … damit ich nicht so viele steine schleppen muss … 🙂

  4. sommermoon schreibt:

    du weisst wie, was, wo du mich findest zu diesem zwecke 🙂
    schmeiss altes weg, ich weiss tut auch weh, doch im endeffekt ist der balast auch fort.
    neubeginn kann kommen…. 🙂

  5. entrümpeln wegschmeissen kompostieren umziehen hallo
    wir wurden nicht etwa enteignet umd mme hat vergessen es dem Hausmeister der kammerzofigenHaushälterin und dem Gärtner mitzuteilen
    ich hoffe es geht nur um die Villa und nicht ums Schloss
    vom Gartenhaus will ich ja gar nicht reden

  6. Pingback: Ich bin ein Glückspilz! « Nedganzbachert – ich steh’ dazu!

  7. germar schreibt:

    Liebe sammlerin
    du bist gefüllt wie die Rumpelkammer, voll Wärme und Licht, einfach davor stehen und verzaubern lassen. es gibt auch ein morgen zum entrümpeln
    lasse Dir Zeit.
    Danke für das Lächeln das Deine Zeilen in meinen Gesicht gezaubert hat
    Germar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s