Befindlichkeiten, Fühlen

Dämone schlafen nicht, sie tun nur so.

Als er den Raum verliess, sass sie still am Tisch. Als er ihn ein paar Minuten später  wieder betrat, ertrank sie fast in ihren Tränen. Ihren Blick starr an den Horizont gerichtet, sah sie Bilder vorbeiziehen, die sie noch trauriger machten, als sie doch schon war.
Wenn sie weinte, tat sie es ausgiebig. Flutete Räume mit ihren Tränen. Bis sie keine mehr hatte. Er gab ihr Taschentücher und eine Schulter, die sie vollweinen konnte. Hielt sie fest, damit sie wieder atmen konnte…
Sie wusste schon Wochen vorher, dass dieser Tag kommen würde, der sie unendlich traurig machte. Aber sie schob den Gedanken weit weg. Wie einen Zahnarzttermin oder das Ausfüllen der Steuerrechnung. Ihr war es nicht möglich, sich vorzubereiten : Als Kind schloss sie die Augen, wenn etwas schlimmes geschah, in der Hoffnung, dass alles wieder heil war, wenn sie die Augen wieder öffnete. So verfuhr sie auch in dieser Situation: Nicht hinsehen. Das Monster schläft, weck es nicht, indem du es ansiehst.
Er stand aber pünktlich vor ihr, sabbernd und mit gefletschten Zähnen, und forderte das Lösegeld.
 
Als sie wieder reden konnte, sagte sie: „Das ist so, wie wenn eine Liebe zerbricht oder der Geliebte einem verlässt.“
„Es ist fast schlimmer.“ Erwiederte er. Und diesmal schluckte sie die Tränen hinunter. Damit sie am nächsten Tag noch welche haben würde.
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3 Gedanken zu “Dämone schlafen nicht, sie tun nur so.

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