Befindlichkeiten, Leben

Hundeliebe und Tränen

„Sag mal…“ sagt er , „…hast du eigentlich geweint, als dein Hund starb ?“

Wir sitzen im Garten, trinken Wein und im Grunde mögen wir uns. Aber wir verstehen uns nicht. (Das eine schliesst das andere nicht aus. ) Er ist seit zwölf Jahren mein Nachbar, stellen wir fest. Er ist Biobauer, im Handeln und im Herzen, der nichts isst, was importiert wurde. Oder er nicht kennt. Da ist er konsequent. Ich mag Menschen die tun, was sie sagen . Er aber mag Frauen nicht besonders, die selber denken und handeln. Also gibt es zwischen uns immer wieder Spannungen. Laute uns leise. Als er mich fragt, ob ich weinte, als der Hund starb, tat er es auf eine distanzierte Weise. So, als würde er fragen: Du hast doch nicht etwa geweint …? Tränen sind was für Mädchen.
Ich antworte: „Natürlich habe ich geweint. Und wie…! Er fehlt mir, der Hund. “
Ein paar Atemzüge lang ist es still, dann erwiedert er: „Ich auch ! Als unserer starb im Herbst, weinte ich auch…“ Und dann erzählt er Episoden von seinem Hofhund.
Und wir mögen uns. Mal wieder.

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6 Gedanken zu “Hundeliebe und Tränen

  1. sommermoon schreibt:

    ich hab auch geweint als unser kleiner starb…. tut einfach in der seele weh…..
    ich versteh dich und deine hassliebe 😉 zum nachbarn….. muss eben manchmal sein.

  2. Im Grunde finde ich es schpön seltsam, dies überhaupt zu fragen! Natürlich weint ein Mensch, wenn er ein geliebtes Lebewesen durch Tod verliert. Wenn er dies nicht kann ist es vielleicht der Schock, der ihn lähmt oder aber ein verquere „schwarze“ Erziehung, die ihm eingebläut hat, dass man Gefühle nicht zeigen (haben) darf.

    Einen herrlichen SOnntag wünscht Ellen

  3. Axx schreibt:

    Ach Lila,
    Du schreibst noch immer so wunderbar. Ich lese und fühle und verdrücke ein Tränchen für Deinen und auch seinen Hund, gleichzeitig für meinen, der schon vor 14 Jahren starb, den ich schrecklich misse und dem ich noch immer und immer wieder Essenreste unter den Tisch halte und ihn rufe, bis ich merke, er kommt nicht.
    Danke für den tollen Text. Axx

  4. Ich fürchte mich täglich ein paar kurze Sekunden lang vor dem Tag, an dem meine kleine schwarze Frau Wirbelwind mich verlässt.
    Und die Frage finde ich nicht seltsam. Wäre die Antwort gewesen „Nein, wer aus Stahl gemacht ist, weint nicht“, dann wäre das darauffolgende Bekenntnis wahrscheinlich ausgeblieben.

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