Befindlichkeiten, Leben

Die Mohnblumenfrau

Sie steht in der Parfümerie vor mir: Alt und zerknittert, mit diesem lieben Omalächeln im Gesicht, das immer seltener zu sehen ist. Ihre Furchen im Gesicht sehen aus, wie ein frisch gepflügter Acker. Würden dort Blumen wachsen, wären es bestimmt blaue Kornblumen und roter Mohn. Hätte ich den Mut, meine Nase in die Falten ihres Kleides zu stecken, ganz kurz nur, röche ich Maiglöckchen. Da bin ich sicher. Sie wird von einem jungen Mädchen bedient, die ihr hübsches Gesicht zugekleistert hat mit Make up. Ihre Haare sind blauschwarz und kleben so an ihrem Kopf, als wären sie betoniert.

Ihr Lächeln wirkt aufgesetzt, als sie die Dame nach ihren Wünschen fragt.
„Eine Gesichtscreme hätte ich gerne…“ Sagt die Mohnfrau.
„Nun. Da haben wir ein breites Angebot. Was haben sie den bisher benutzt ?“
Fragt die Jüngere und verströmt einen süssen Caramelduft.
Die alte Dame lächelt als sie sagt:
„Wasser. Und Seife. Aber wissen sie….Ich denke, ich bin jetzt in einem Alter, in dem man doch mit Gesichtscremen anfangen könnte. “

In der darauf folgenden Stille kann ich nicht anders, als diese mit meinem Lachen zu unterbrechen. Wundervoll.

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7 Gedanken zu “Die Mohnblumenfrau

  1. T.M. schreibt:

    Dieses Omalächeln gibt es deshalb nicht mehr, weil es immer weniger Omas gibt. Denn man bleibt ja heute jung. Das hängt irgendwie zusammen.

    Ich lernte allerdings am Wochenende eine Oma kennen, die war erst 41 (und sah aus wie 25 …) Jaaaaa, da staunen Sie jetzt, Madame.

  2. wildgans schreibt:

    haben sie dein lachen vernommen und dich verkloppt?
    im ernst, deine beobachtung gefällt mir. deine beschreibung!
    gruß von sonia

  3. T.M. schreibt:

    Ich bin immer da, madame, jederzeit, auch, wenn ich mal nix sage. Dann spreche ich halt mit den Augen, aber das können Sie leider nicht sehen.

  4. elana schreibt:

    Die „Mondfrau“ hatte ich neulich beim flüchtigen Surfen hier „getroffen“ und gleich wieder verloren. Wie froh bin ich, dieses Blog gerade eben wieder entdeckt zu haben. Sie ist so wunderherrlich beschrieben, die Mondfrau. Zum Heulen schön.
    Das musste ich loswerden.
    Schöne Feiertage wünscht
    Elana

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