Leben

Von Kühen und dem Fahrrad

Drei Wochen ist es nun her, dass mein altes Auto röchelnd seinen Geist aushauchte. Exitus, sagte Otto, der Fachmann von meiner Werkstatt. (Otto heisst nicht wirklich Otto. Oder doch …?) Da sei nichts mehr zu machen. Schrott, caddy sozusagen. Ich weinte nicht, als er das sagte. Und beschloss fortan Fahrrad zu fahren. All die Vorteile, abgesehen von der Ökobilanz, leuchteten mir ein: Her mit den straffen Waden von früher. Gesunde Luft einatmen und die 8 km Fahrt zur Arbeit, hügelauf und hügelab, sind leicht zu bewältigen. Einkaufen für mich und die drei Mitbewohner auch. Positiv denken Lila, was sind schon 32 km Radfahren täglich ? Eben….

Heute dann die Apocalypse. Das gefühlte Ende meiner Karriere als Velorennfahrerin. Das kam so….Aber nein, eigentlich wollte ich noch erzählen, wie schön der Weg ist, den ich täglich fahre. Die Kühe, die ich jeden Morgen begrüsse: „Guten Morgen Emma, gut geschlafen ? Hallo Gertrude, alles okay ? Ahhh. Selina ! Dein Kalb noch nicht geboren ? Oh. Kommt schon noch.“ Die Leute, die ich täglich treffe, es sind immer die gleichen: Die Lady, die frühmorgens auf ihrem Balkon die erste Zigarette raucht, zerzaust und müde, bevor sie die Kinder für die Schule weckt. Der Hund, der am Gartenzaun auf mich wartet um ein paar Meter kläffend mit mir um die Wette rennt. Die Krähen, die ihr Nest wütend gegen den Bussard verteidigen….

Ende damit. Fertig. Weil…Der alte Mann mit dem noch älteren, klapprigen Fahrrad (drei Gänge, maximum) , mich kurzerhand und lächelnd überholte. Mit einer Hand lässig grüssen. Während ich keuchend um Atem rang auf dem steilen Stück. Nein. SO nicht.
Ich rief Otto an und sagte kleinlaut: Ich will ein Auto. Otto lachte, ich konnte es hören, und sagte etwas wie „Velo kaputt …?“ Nein, Fahrrad läuft gut aber ich will nicht mehr ! (Und stramme Waden habe ich auch keine bekommen. Das sagte ich nicht.) Wieviel ich ausgeben kann für ein Auto ? Nichts…Gar nichts. Im Grunde. Otto schwieg. Ich hob meine Stimme um eine Okatve an und hoffte, es klänge nicht allzusehr bittend: „Otto? Otto !….Egal was für ein Fahrzeug, echt. “ (Meinetwegen eine Harley oder ein Traktor. Auch das sagte ich nicht. )
„Gut, “ sagte er nach einer Weile, „ich habe da was. Alt ist es. Aber es fährt.“

Ich küsste den Telefonhörer. Hüpfte auf der Stelle und wenn der alte Mann mich morgen früh wieder überholt, macht es mir gar nichts. Und wer will schon stramme Waden ?

Standard

8 Gedanken zu “Von Kühen und dem Fahrrad

  1. Du gibst auf? So kenne ich Dich gar nicht! 😆
    Aber ich freue mich für Dich, dass Du wieder ein Auto bekommst.
    Übrigens kann man auch als Autobesitzerin hin und wieder mit dem Rad fahren.
    (Ach ja: mir haben Deine Waden immer gefallen …)

  2. Ich schliesse mich dir an. Meins gab letzte Woche den Geist auf und seitdem sind wir auf Fehlersuche. Sch*** Elektronik. Das neue Steuergerät oder was auch immer, könnte fast soviel kosten, wie das Auto noch Wert hat. Sachen gibt’s, die machen gar keine Freude. Dami.
    Also deshalb Willkommen im Club Lady Lila.

  3. Ach ja….eure Anteilnahme tut mir ausserordentlich gut.
    Heute früh war ich gerüstet, vorsorglich hatte ich ein RedBull (vom Mitbewohner geklaut) dabei, falls der Oldie mich wieder hinterrücks und so…
    Nun. Feige war er und heute nich zugegen. Schade schade.

    Selina hat ihr Kalb übrigens noch immer im Bauch und morgen bin ich maybe besitzerin eines uralten Opels.
    Yeah 🙂 !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s