Befindlichkeiten, Fühlen, Leben

Und dann kam Sally

Er war mein treuer Begleiter. Das einzige männliche Wesen, das es länger als zwölf Jahre mit mir aushielt. Er ertrug meine Launen, und ich seine. Als er zu uns kam, war er knapp drei Monate jung, hatte keine Ahnung vom Leben und davon, was man als Hund tun darf und was nicht.. Wir rannten über Felder, wenn er meine Schuhe nicht zerbissen hatte, weil ich sie liegen liess. Er wärmte meine Füsse, wenn ich fror und er trug eine zeitlang Katzenbabys heim, wenn der Bauer nebenan Junge hatte. Kinder liebte er über alles: Er fand immmer wieder Wege, um aus dem Garten auszubrechen und hoch zur Schule zu gehen, wenn er die Kinder in der Pause spielen hörte. Die Lehrer waren weniger begeistert davon, weil er doch ein stattlicher Hund war und ein paar Kinder Angst vor Hunden hatten.
Ich kann mich erinnern, dass er einmal mit auf die Schulreise gehen wollte, die an unserem Haus vorbeiführte. Sie konnten ihn nicht abwimmeln, er stieg mit den Schülern in die Bahn und ich bekam einen Anruf, dass ich ihn in Luzern am Bahnhof, bitteschön, abholen sollte. Er hatte viele Macken, die ich ihm abgewöhnen konnte und solche, die ich akzeptierte. Seine Treue und abolute Zuneigung uns gegenüber war einzigartig. Als er im Januar eingeschläfert wurde, litt ich. Er fehlte mir in meinem Leben. Seinen Napf schob ich unter die Ofenbank, aus meinem äusseren Sichtfeld heraus. Ich schaffte es bis heute nicht, diesen wegzuwerfen.
Und ich war mir nicht sicher, ob ich je wieder einen Hund haben wollte.

Und dann kam Sally. Das Hundemädchen, das fremde Leute wie alte Bekannte begrüsst. Die in ihrem kurzen Leben schon jene Geschichten erlebte, die einfach nicht nötig sind und trotzdem immer noch passieren: Dass Menschen sich einen Hund anschaffen und dann merken, dass sie doch keine Zeit dafür aufwenden wollen. Sally liegt jetzt unter dem Schreibtisch, während ich schreibe. Genauso wie mein Hund vorher. Und genauso wie damals, werde ich jetzt die Hundeleine nehmen und mir ihr an den See laufen. Sie liebt Wasser.
Und sie scheint mich zu mögen, genauso wie ich sie.

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7 Gedanken zu “Und dann kam Sally

  1. na dann auf ein langes und schönes leben sally! – ich denke du hast einen guten platz gefunden. 😉

    @rr: du sagst es: – genau wie zwischen dir und deiner katze, gäu… 🙂

  2. Grüsse an Sally, mir ist es genau so gegangen.
    16 Jahre begleitete mich mein Morris überall hin, bis er in den Hundehimmel gegangen ist.
    Nun ist schon seit 4 Jahren ein neuer treuer Begleiter namens Winslow an meiner Seite.
    Die Liebe zum Wasser teilen wir mit Euch.
    Liebe Grüsse
    Ankastella

  3. Danke für die lieben Gedanken !
    Sally ist wirklich eine ganz Gute : Sie bringt mich zum Lachen. Treibt mich wieder über die Felder und sie fehlt mir, wenn sie nicht an meiner Seite ist.

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