Fühlen, Lieben

Zum Mond fliegen

Ich erwachte die letzten Tage nicht im eigenen Bett. Sondern in dem Zimmer mit der Wendeltreppe. Dort gibt es Küsse in der Nacht und morgens einen Kaffee, der ans Bett gebracht wird. „Guten Morgen Prinzessin“. Die Prinzessin bin ich: Eine zerzauste Medusa, die sich aus ihren Träumen von Meer und Reisen wickelt. Ich weiss nicht, warum das Ziel meiner Nachtträume in letzter Zeit immer wieder das Meer ist. Wenn ich es endlich erreicht habe, erwache ich.
Mit dem Gefühl nach Salz auf der Haut und Sand an den Füssen. Es würde mich nicht überraschen, wenn ich eine Muschel in der Hand umklammert hätte.
 
Tagsüber haben wir gemeinsam Orte erforscht. „Die Landschaft im Aussen, so wie du sie siehst, spiegelt  dein Inneres wieder…“ Keine Ahnung wer das sagte. Das Innen wäre demnach, als wir im Emmental waren, hügelig, grün und sanft. Mit einem blauen Himmel und weissen Wolken, die im Grunde Fische sind. Oder Herzen. Oder Schiffe. Manchmal Drachen. Freundlich lächelnd .
Das Innen ist aber auch ein Wildbach gewesen, in dem wir Barfuss standen und schöne Steine sammelten: Sally die uns interessiert zusah und dann anfing, sich eigene (immer viel zu grosse) Steine zu suchen um sie ebenfalls weg zu tragen.
Oder kleine Städte mit mittelalterlichen Häusern, manchmal mit verzauberten Gärten. Aber immer mit Blumen vor den Fenstern. Cafes an Plätzen, mit Sommermenschen, die offenbar alle in Ferienstimmung sind. Hübsche Mädchen mit klitzkleinen Röcken treten fast immer kichernd und gruppenweise auf.
Eine alte Frau, die ihre Einkäufe mit einem Trottinette heimfährt. Und der Mann, dessen verschrumpelter Hund genauso aussieht, wie sein Herrchen:
Er schlürft Kaffee (der Mann)  und schiebt sich Tortenstücke in den Mund, bedächtig und versonnen kauend. Während der Hund im Schatten des Tisches liegt und vor sich hin hechelt.
 
Abends schmücken wir Träume aus, erzählen uns Geschichten und bauen gedanklich Luftschlösser, in denen wir wohnen werden. Schafe züchten in Neuseeland ? Warum nicht ? Oder Kakteen in Arizona ? Klar. Apollo 11 brauchte 4 Tage für die Reise zum Mond. Wir brauchen für die Reise dorthin nur ein paar Sekunden.
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4 Gedanken zu “Zum Mond fliegen

  1. wildgans schreibt:

    was für eine schöne schilderung der sommermenschen!!
    weiters wilde träume….
    ein gälischer spruch geht so: die männer in die berge, die weiber ans meer….
    gruß von sonia

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