Leben, Staunen

Teuflische Brombeeren

Der Spaziergang mit Sally führt uns manchmal zur alten Eiche. Sie steht schon sehr lange dort, knorrig und mit einem grossen Dach aus Blättern. Vor ein paar Jahren hat sie eine Tochter bekommen. Momentan stecken Dutzende von Eicheln ihre Köpfe in den Boden: Vielleicht bringt einer es zur Keimung.
Um zur Eiche zu gelangen, müssen wir eine Allee aus Sträuchern, Zwetschgenbäumen  und Brombeerranken durchqueren.
 
Heute sah ich dort den kuriosen Hintern einer Frau. Mitten im Brombeergestrüpp. Opulent und in engen Radlerhosen schien das Hinterteil alleine zu sein, ohne Beine und ohne Körper. Ich konnte hören, wie sie (zu den Beeren ?) sprach: „Süss und saftig…Ja. Das mag ich.“ Als ich auf gleicher Höhe wie sie war, hob sie den Kopf aus dem Dickicht. Neben ihr stand ein sehr alter Mann. Er trug einen dieser Hüte, die man wohl im Dschungel trägt und einen Bart: Weiss und lang.
Neben ihm zwei Walkingstöcke, die so unpassend modern wirkten.
„Dunkle Beeren ! Früher habe ich Marmelade aus ihnen gemacht…Hallo. “ Sagte sie lächelnd, zu mir gewandt. „Mögen sie Brombeeren ? “ Fragte sie und reichte mir eine Handvoll.Wir assen sie schweigend. Während ihr Mann mich unverholen anstarrte. Sein Blick schien mich zu durchbohren. „Er ist blind, seit Jahren schon.Naja…“ Meinte sie kauend. „Ich kann nichts sehen. Aber ich kann hören was du sagst!“Flüsterte er. Ich lächelte, obwohl er es nicht sehen konnte.
Sein Blick wich nicht von mir. Wenn er meine äussere Hülle nicht sah, blickte er in mein Inneres ? Ob er die dunklen Flecken auf meiner Seele sehen konnte ?
Der starre Blick verunsicherte mich, ich ging weiter. „Adieu…“ Rief sie mir nach. A dieux ? Nein, ich gehe nicht zu Gott, nur zur alten Eiche.
 
Ein paar Schritte weiter drehte ich mich intuitiv um. Die beiden standen noch immer dort: Sie ass ruhig Brombeeren, und er…schaute mir nach und blinzelte zwinkerte mir zu. Und plötzlich hatte sein Aussehen etwas dämonisches. Es hätte mich nicht gewundert wenn er, statt seiner Füsse, gespaltene Hufe gehabt hätte und es statt nach Weizen, plötzlich nach Schwefel gerochen hätte.

 

 

devil

pic bei ihm gefunden.

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6 Gedanken zu “Teuflische Brombeeren

  1. Staunende, schmunzelnde, begeisterte Grüße

    von

    Manu, jetzt zur Walking-Tour startend …. ich werde nach Brombeeren Ausschau halten 🙂

    P. S. Dank Ulla, meine liebste Freundin, habe ich diesen Blog entdeckt und bin begeistert. Wem soll ich nun mehr danken, zwinker 🙂

  2. Ulla schreibt:

    …bisher las ich still hier mit aber heute, mit dem teuflischen Blick konfrontiert, lasse ich Dir einen Gruß hier…..
    Es gefällt mir sehr, was und wie Du schreibst.

    Brombeergrüße ohne Schwefelduft schickt

    Ulla

  3. Herzlich Willkommen jenen, die aus der Anonymität treten ! (Und danke für die Motivation, die Gedanken weiterhin fliessen zu lassen)

    @Blue…du kennst mich doch, ich kann nicht anders 😉

  4. wildgans schreibt:

    alle so köstlichen hintern- und beerengeschichten mag ich…und solche merkwürdigen blindkäuze noch dabei…
    ja, weiter so.
    gruß von sonia

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