Befindlichkeiten, Fühlen, Lieben

Kommst du du wieder ?

Manchmal stehe ich vor den Büchern des neuen Mitbewohners.Sie stehen im Regal im anderen Zimmer.Die Bücher sind so anders als meine.
Ich hatte nie einen Dostojewski und der de Sade in meinem Regal gehörte dem Kindvater, der das Buch damals mitnahm. Einen Hesse haben wir gemeinsam. Sonst nichts. Die Lust wird geweckt, die Bücher zu lesen, die er las.
Wo anfangen ?
Seine CD Sammlung ist umfangreicher als meine, rockiger, wilder. Sie passt zu ihm. Wenn ich müde bin oder wütend, nehme ich mir eine seiner CDs mit ins Auto.Dann tobe ich mich in meinem kleinen Autouniversum aus, indem ich laut singe.
Lauter als der Motor des klapprigen Opels.
Im Bad riecht es nach ihm, morgens, wenn ich aufstehe. Der Duft erinnert mich an Tonkabohnen, Kastanien und das Meer.
Es stimmt schon: Man kann jemanden gut riechen, oder eben nicht. Ich mochte seinen ureigenen Geruch vom ersten Moment an. Als ich das erste Mal in seiner Welt schlief, dort wo die Wendeltreppe zum Schlafzimmer führt, schneite es und am nächsten Morgen war alles still und weiss draussen.
„Werden wir uns wieder sehen ?“ Fragte er als ich mich verabschiedete und zu Villa Lila zurück fahren wollte.
Manchmal frage ich ihn dasselbe morgens, wenn er geht:“Sehen wir uns wieder?“ Vielleicht brauche ich noch eine Weile um die Tatsache zu integrieren, dass seine Bücher hier sind. Seine CDs und sein flüchtiger Duft.

Das Bloggen wird nicht mehr mit soviel Enthusiasmus betrieben. Der neue Mitbewohner hört zu und dient als direkter

Konsument meiner Erzählungen, manchmal ist er auch geduldige Klagemauer. Diese Texte dann, abgekaut, im Blog wiederzugeben käme mir schäbig vor: Sie müssen frisch sein wie Croissant. Ganz frisch und duftig.

Wenn dann noch Zeit bleibt, will die Hündin mit mir über die Felder rennen. Katzen jagen und erzogen werden.
Sie ist die sekundäre Nutzniesserin meiner Texte: Sie mag sie alle. Besonders, wenn ich Hundekekse in den Taschen der Jeans habe und sie fürs Zuhören belohne.

 
Und wenn dann noch immer Zeit bleibt, schreibe ich an meinen Kurzgeschichten weiter : Es ist einfacher an mich selbst zu glauben, wenn er es tut. Es wird immer Menschen geben, die in einem das sehen, was man sein könnte.
Nicht das, was man glaubt zu sein.
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11 Gedanken zu “Kommst du du wieder ?

  1. ich bin schon ganz froh, wenn man sieht wie ich bin. so zwischen dem witz und den feuchten äuglein. wenn man sehen würde, wer ich sein könnte, wäre das …. irgenwie schön.

    wann seh ich euch wieder? ich vermiss euch.

  2. schööööön
    Lila der letzte Hauch von Wehmut & Eifersucht ob unserem Schlossalleinseindasein ist verflogen – Herr Mitbewohnen Sie können bleiben solange Se wollen – die fettesten Braten werd ich für Sie in den Ofen schieben und die süssesten Apfelkuchen … Junge komm an meine Brust … Willkommen im Schloss und nun lasst uns feiern

  3. Serge schreibt:

    Bei Fjodor Dostojewski musste ich schmunzeln. Schuld und Sühne. Pflichtlektüre, in der Studienzeit. Viel Spass mit eurem Mix!

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