Befindlichkeiten, Lachen, Leben

Begegnung mit dem Teufel #2

Ich kann  ihn schon von weitem sehen, er mich aber nicht. Das Paradoxe daran: Er sieht mich auch nicht, als er direkt vor mir steht. Denn er ist blind.
Seine Haare sind weiss, sein Bart auch. Er läuft bedächtig, stellt gemütlich einen Fuss vor den anderen. Grad so, als würde er mit seinen Fusssohlen die Beschaffenheit des Bodens prüfen, auf dem er spaziert.
In der linken Hand trägt er den Stock. Damit klopft er in regelmässigen Abständen auf die Grasnarben, die den Steinweg eingrenzen, der durch die Wiese verläuft.

Als ich ihn das letzte Mal sah,glaubte ich Schwefel zu riechen. Höllische Bockshufe zu erkennen und ein Blinzeln wahrzunehmen, das nur des Teufels sein kann.

Wichtige Menschen trifft man immer zweimal. Sagte meine Grossmutter immer.
Vielleicht hatte sie recht damit. (Wie mit anderen klugen Weisheiten auch. )

Heute war also Teil 2 der Begegnung, die nicht mehr so teuflisch ablief.
Als wir auf gleicher Höhe sind und uns kreuzen, -der Mann, die Wölfin und ich-, rufen wir uns ein nettes Grüezi zu. Das macht man so. Ich bin im Begriff, gedankenverloren und einen tieferen Sinn hinter dieser Begegnung vermutend, die präzis am gleichen Ort stattfand, weiter meinen Weg zu gehen. 
Als er sagt: „Sie haben einen Hund.“
(Hätte ich eine rauchige Stimme erwartet, die dem erdachten Mephisto gerecht würde, wurde ich enttäuscht. Sie klang warm. Er sprach ruhig, jede Silbe betonend. Ein Mann der es gewohnt ist zu reden.)
„Darf ich,“ fragt er „ihm einen Hundekeks geben ?“
Ein Teufel trägt Prada verteilt keine Kekse. Und ein Teufel mag keine Tiere. Ausserdem schien die Wölfin sehr angetan von ihm zu sein.
Fazit: Er ist keiner. (Bedauerlicherweise. Im Grunde. Wäs hätte das für eine Story gegeben, wenn ich Beweise für seine Existenz hätte liefern können. Hä ?)

Also holt er eine kleine Tasche hervor, öffnet den Reissverschluss, entnimmt ein Guetzli und hält es der Wölfin hin. Dann streichelt er ihr Fell, nicht ohne vorher zu fragen, ob das erlaubt ist.
„Der Hund hat kein schwarzes Fell“ sagt er. „Nein. Es ist eher….“, er unterbricht mich:“Ein Setter, nicht wahr ?“ Ich sage erstmal gar nichts mehr.
Er lacht: „Wissen sie. Wenn man soviel zu Fuss unterwegs ist wie ich, lernt man, sich die Hunde zu Freunden zu machen…“

 Er winkt. Hebt den Blick zur Sonne hoch und ruft mir einen letzten Gruss zu. Dann ist er weg. Bis zum nächsten Mal, da bin ich mir sicher.
Ich glaube nämlich, dass man alle wichtigen Menschen im Leben mehr als zweimal trifft. Das wusste Grossmutter vielleicht nicht.

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8 Gedanken zu “Begegnung mit dem Teufel #2

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