Fühlen, Lachen, Träumen

*Wishlist*

Ich habe mir immer einen grossen Bruder gewünscht. Zu Weihnachten. Ich tat das auf verschiedene Arten, die alle keinen Erfolg brachten. Dass ich so konsequent und über Jahre hinweg diesem Wunsch treu blieb, hatte mit meinem Grossvater zu tun.
Der sagte mir nämlich: „Wenn du dir etwas intensiv genug wünschst, geht es in Erfüllung. „

(Erinnert mich an die spirituellen Lichtgestalten, die alle ihre Wünsche ans Universum abgeben und dann sagen: Es war nicht meine Bestimmung, darum ging der Wunsch nicht in Erfüllung. Etwas grösseres wartet…)

Opa erreichte also, dass ich zum Christkind betete: Schenk mir einen Bruder. Macht nichts, wenn er nicht so hübsch ist oder schon gebraucht. (Ich war damals schon ziemlich sozial) Im Jahr zuvor hatte ich ein Bild fürs Christkind gemalt mit meinem Wunschbruder und an die Wand gepinnt. Dann, in der ersten Schulklasse schrieb ich auf einen Zettel, den ich vors Fenster legte: ich wil 1 bruter hapen. Bite.

Im folgenden Jahr war ich sicher, dass ich den Bruder nicht bekam, weil ich zuviele Rechtschreibfehler auf dem Papier gehabt hatte. Also liess ich mir von der Mutter meines Schulfreundes helfen: Liebes Christkind. Ich war das ganze Jahr über fast brav. Bitte schenke mir einen Bruder und ich werde noch braver sein.
Ich bekam ein Fahrrad.

Irgendwann leuchtete selbst mir ein, dass mein Grossvater unrecht hatte. Man kann nicht alles haben. Ich gab trotzdem nicht auf und suchte meinen Bruder ausserhalb unserer Familie und des Chrsitkindes.

Als Teenager glaubte ich ihn gefunden zu haben: Wir waren am Meer in den Ferien und meinen Wunschbruder hatte ich an diesem Tag kennengelernt. Er war Belgier. Das störte mich nicht, genauso wenig die Tatsache, dass er schon 15 war. Und in dem Augenblick störrisch versuchte, mit seiner Hand unter mein TShirt zu gelangen. Während ich ihn mit beiden Händen davon abzuhalten versuchte. Ich sagte:“Du könntest mein Bruder sein !“ Er erstarrte . Ich interpretierte es als Freude darüber:“Ja ! Ich deine Schwester und du mein Bruder !“ Meine Euphorie war gross. Seine weniger. Er liess mein Shirt und sein Vorhaben fallen und ging.

Seither suche ich nicht mehr. Ich hätte trotzdem gerne einen grossen Bruder.

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2 Gedanken zu “*Wishlist*

  1. Sofasophia schreibt:

    wunderbar geschrieben … ich hoffe, dass du ihn eines tages findest. ich habe einen und bin weischwiefroh darüber!
    liebi grüessli, d.

  2. Schon blöd, nicht ? Ich habe immer alle meine Freundinnen um ihre Brüder beneidet.
    Ihre meist zickigen Schwestern wollte ich nicht haben.
    Aber die raufenden Brüder, die einerseits grob waren und andererseits aber immer bereit mein kaputtes Fahrrad zu flicken…um DIE beneidete ich sie.

    Gruss an deinen Bruder !

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