Befindlichkeiten, Fühlen, Lieben

Ich vermisste dich

– Was hast du heute vor einem Jahr gemacht ?
– Dich vermisst
-Du hast mich damals noch gar nicht gekannt !
-Eben. Darum habe ich dich ja vermisst.

Der Abdruck seines Kopfes ist noch auf dem Kissen, als ich heim komme. Manchmal denke ich, dass ich ihn noch riechen kann. Wie eine Spur, die wolkig eine Sehnsucht nach ihm  wach küsst.
Meistens ist er der erste Gedanke morgens und oft der letzte Abends. Dazwischen ist oft gar nichts.  Ausser die Schulter, an die ich meinen Kopf lege, um ein zu schlafen. Oder die Hand, die meine fest hält.

Wir waren beide an den gleichen Orten. Nur nicht zusammen. Jeder war für sich dort. Schon als Teenager waren wir in der dritten Reihe an den ersten Rockkonzerten, die wir besuchten.Beide. Vielleicht standen wir einander irgendwann körperlich so nahe, dass wie einander berührt haben. Kein Stromschlag, keine Liebe-auf-den-ersten-Blick damals. Nichts. Fremde, die einander nicht mal sehen. Unzählige Male.

Er sagt:
-Ich habe immer Ausschau nach dir gehalten. Aber du hast mich wohl nicht gesehen.

Ich denke:
Ich war mit jemand anderem dort. Genau wie du.

Am 11. Januar 2009 um 11.00 habe ich ihn noch nicht geliebt. Irgendwann danach schon. Und wenn der Abdruck seines Kopfes nicht auf dem Kissen zu sehen wäre, wenn ich heim komme, würde ich mit spitzen Fingern eine Mulde rein drücken. So, als hätte er dort gelegen . Und ich würde an jedes Konzert gehen, an welchem ich ihn vermuten würde.
Dort würde ich Ausschau nach ihm halten. Ganz bestimmt.

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12 Gedanken zu “Ich vermisste dich

  1. Ulla schreibt:

    …deine Texte liebe ich.
    In mir wohnen auch so viele Worte, aber … ich kann sie nicht so wunderschön zu einem Ganzen fügen wie du :o)

    Wann endlich gibt es dein Buch?

    • Schreib für dich selbst. Mich hat es schon oft daran gehindert, in der Klapsmühle zu landen ;-).

      Das Buch ? Keine Ahnung. Das Manuskript kommt immer wieder zu mir zurück: Es kann/will kein Verlag in eine Unbekannte investieren.
      Schliesslich geht es um eine Menge Kohle…

      Wird schon 🙂

  2. Zart, sanft, eindringlich… das geht unter die Haut…Ganz bestimmt.

    Über die Liebe zu schreiben, ohne kitschig und trivial zu werden, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Danke Madame Lila!

    LG – Donna

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