Befindlichkeiten, Fühlen

Abschiedsbriefe

Sie setzte sich vor ihren Laptop, band die Haare zusammen und schrieb einen Abschiedsbrief. Mit solchen Briefen kannte sie sich aus: Sie hatte schon hunderte verfasst und ein gutes Dutzend davon verschenkt. Die meisten löschte sie wieder oder, vor allem damals, wurden sie zerknüllt und sie landeten im Abfalleimer. Meistens weinte sie dabei: Vorher, während oder nach dem Schreiben. Abschiedsbriefe sind so traurig, ihnen haftet etwas melancholisches an. Sie sind süssbitter, wie sie Bonbons, die ein gemein saueres Inneres haben. Das erst zum Vorschein kommt, wenn man sich durch die Süsse gelutscht hat.

Da die meisten Briefe oder Mails nie den Empfänger erreichten, sie neigte schon immer zur latenten und übertriebenen Emotionalität, wissen bis heute 1 Million Menschen nicht, dass sie sich von ihnen getrennt hat. Um sich am nächsten Morgen wieder mit ihnen lächelnd schweigend versöhnt zu haben. Diesen einen Brief aber, der letzte einer langen Reihe, wurde aber persönlich dem Empfänger abgegeben.

Das ging so: Sie schrieb ein Dutzend Fassungen davon, verwarf sie, weinte kein bisschen dabei, und nahm am Ende den einzigen Brief, der nur zwei Sätze enthielt. In der Kürze liegt die Würze, oder so ähnlich. Sie zog sich das Band aus den Haaren, schüttelte sie und liess all die Worte fliegen, die sich in den letzten sechs Jahren darin verstrickt hatten. Dann stieg sie ins Auto und fuhr zum Empfänger des Briefes. Dort angekommen war sie inzwischen so wütend, sie ist ungemein emotional (wie gesagt) , dass sie den Brief mit den zwei Sätzen einfach auf den Tisch dort warf und durch ihre Haare wieder ein Band zog. (Um es gleich wieder wegzuziehen. Und die Haare wieder zu befestigen. Übersprunghandlung nennt sich dieses Verhalten. Natürlich lässt es sich googlen)

„Das kannst du nicht tun.“ Sagte der Empfänger des Briefes. Er weinte nicht übrigens, es hätte auch nicht gepasst.
„Kann ich. Siehst du ja …“ Erwiderte sie, büschelte erneut die Haare und hinderte eine kleine Träne daran, zu fliehen und aus ihrem Auge zu rollen.

Anschliessend fühlte sie sich wie eine Flasche Champagner, dessen Korken irgendwie zu früh los ging. Fühlte sich betrunken. Mutig und stark. Weinen würde sie nicht, aber mit Hektolitern Tränen die Räume fluten, weil ihre Kolleginnen weinten, als sie es ihnen sagte.
„Das kannst du nicht tun, uns alle verlassen…“
Oh doch. Das kann sie. Und sie freut sich darauf, woanders hinzufliegen. Woanders weiter zu wachsen und andere Wege zu gehen. Und irgendwie ist plötzlich Frühling, in ihr drin…

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8 Gedanken zu “Abschiedsbriefe

    • thx !
      Ich hätte Lust zum Zirkus zu gehen, als Seiltänzerin . (Ich leide unter Höhenangst 😉 )
      Oder Springbohnen in Australien zu züchten…

      Am Ende lande ich wohl doch wieder in der Medizin, phhh.

    • …danke mein Lieber.
      Das Zeitformat stimmte nicht, ursprünglich wurde es ja noch von Ihnen Monsieur geändert.
      Sie erinnern sich ?

      Nun. Bin wieder aktuell. Habe keinen Schimmel angesetzt oder so 😉

      Ps. Wir müssen mal wieder was tun, gemeinsam.

  1. Ulla schreibt:

    …Frühling ist schön, innen und außen.

    Guten ChampagnerFlug wünscht

    Ulla

    PS: Danke für Deinen Rat ….ich schreibe – und …tatatataaaa, es wird.

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