Befindlichkeiten, Kino, Leben

1408 oder wie Frau sich Filme ansieht

Ich liebe Filme. Und ich schaue sie mir gerne als DVD an ohne störende Werbung. Ich mag Störungen nicht, nein, ich verachte sie gar. Bei mir hat sich die Methode des 5/5 bewährt.
Diese Art des Konsums des Streifens bezieht sich allerdings ausschliesslich auf Filme, die ich eigentlich gar nicht ansehen will:
5 Minuten hinschauen. Dann ein ängstlich ein beliebiges Kissen vors Gesicht drücken und mich 5 Minuten in der Küche verstecken.
Dann wieder Beginn bei 5 Minuten Film. (Dies hat den Vorteil, dass der Film im Grunde 180 Minuten dauert. )

Ich mag Filme mit Tiefgang, solche, in denen Frauen nicht nur sexy Nebenrollen spielen dürfen, sondern geliebte, starke Frauen sind. Pedro Almodovar, dänische Dogmafilme oder kleine Studiofilme. (Zugegeben: Zweiohrkücken gehörte auch dazu.)
Manchmal verirre ich mich allerdings gerne in ein anderes Genre: Thriller. Solche, die ohne blutrünstige Waffenkriege auskommen allerdings. Und zuweilen liegen DVD meines Lieblingsmannes herum.

Zuerst ignoriere ich sie kalt, seine Filme. „Mann…Viel zu brutal und überhaupt: Da tauchen bestimmt wieder nackte Frauenleichen auf.“ Mann ignoriert meist meine Einwände. Schliesslich ist er klug genug zu wissen, dass ich irgendwann doch, wenn ich alleine zuhause bin und Muse habe, zu seinen Filmen greife.

So wie gestern.
Eine Flasche Wein. Der Umzug inklusiv Laptop zum bequemen Sofa. Ein Glas. Alle Lichter löschen und Start. Wundervoll, die ersten 15 Minuten. Eine reine kafkaeske Qual für mich, die restlichen 75 Minuten. Die ich abwechslungsweise damit zubrachte, zur Ablenkung die Küche zu putzen (weiter traute ich mich nicht in die Räume des jetzt bösen Hauses) , überall Licht zu machen (wo ich mich hintraute, mit dem *Handy bewaffnet), die Flasche Wein fast leer zu trinken, dem Lieblingsmann verstörte sms zu senden (Komm heim ! Muss aufs Klo! Kann nicht alleine..), alle 5 Minuten die Mailbox zu checken, (Keine Mail ? Okay. Dann muss ich wohl den Film doch zu Ende…) und immer wieder in den Film zu tauchen. Mich einsaugen zu lassen von einer psychotischen Stimmung, die mich immer wieder nahe an einen Herzinfarkt trieb.

Als Mann dann endlich heim kam, fand er mich erschüttert vor dem noch laufenden Film vor.
Und ich versprach mir selbst: Nie nie nie wieder so ein Horrorfilm.

*Warum das Handy und nicht etwa ein Fleischermesser ? Ich bin Pazifistin…! Und vielleicht reicht die Zeit, wenn der Killer mich überfällt, um eine Notsms zu schreiben ? Notfalls erschlage ich ihn mit dem Handy. Ganz einfach.

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4 Gedanken zu “1408 oder wie Frau sich Filme ansieht

  1. lach! das kenne ich.

    seit ich vor 20 jahren einen film mit „fredy krüger“ sah (eins zwei drei, fredy kommt vorbei….) und dann 3 wochen schlafstörungen hatte, entschied ich, dass ich für das genre horror völlig unbrauchbar sei. diesen schwur habe ich bis heute eingehalten.

  2. 1408 ist genial. Aber ich bin auch nur ein Mann.
    Als Frau vom Lande hast du mit Sicherheit immer ein Victorinox dabei? Also keine Bange. Es dauert demnach länger bis er dich erwischt.

    Es gäbe noch Notfallhandys mit 2 Tasten „Brauche Hilfe“ und „Brauche sofort Hilfe“.

    Moment……. ich höre hinter mir was……
    Es ist zum Glück nur Fredy.

  3. Da schau ich nach langer Netzabstinenz mal wieder vorbei und fühle mich….wiedererkannt…*gg*…
    Solche Filme ohne meine Decke zum Verstecken? Undenkbar…
    Hab jetzt aber wieder eine starke Schulter, an der ich mich verstecken kann…also wäre der Film doch mal einen Versuch wert?
    Liebe Grüße in die Schweiz…

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