Befindlichkeiten, Fühlen, Leben

Von Menschen und Kühen und Katzen

Es gibt sehr viele Häuser in meiner Lieblingsstadt. Ein paar Katzen und viele Fahrräder. Es gibt auch Strassen, die ich nicht kenne. Wobei ich bei letzterem nicht wusste, dass es so viele ! Strassen sind, die ich mal auf dem Stadtplan suchen muss, weil dort ein Klient auf mich wartet. Dass ich immer zu spät komme, liegt vielleicht auch daran, dass die Stadt eine hügelige ist. Und ich es nicht mehr gewohnt bin, Fahrrad zu fahren. Oder es liegt daran, dass viele dieser Häuser alt sind und mir Geschichten erzählen. Wie die Menschen, die auf meine ambulanten Dienste angewiesen sind.

Ich sehe soviel in meinem neuen Job, dass ich mich abends darüber wundere, dass meine Augen nicht abgenutzt sind. (Sie nutzen sich nicht ab, genauso wenig wie das Gehör abends müde ist von den vielen Lebensgeschichten die ich tagsüber höre.) Manchmal bin ich der einzige Mensch, den die Patienten während eines Tages sehen. Und ich sehe manchmal Dinge, die sich mir gedanklich hässlich einbrennen: Schmutz und Verwahrlosung. Stille und Hilflosigkeit. Aber auch Lächeln kann ich sehen. Immer wieder. Wäre dies nicht so, würde ich aufhören, die Hügel hoch und runter zu fahren.

Gegen Abend fahre ich zurück zu den Apfelbäumen. Zu den grünen Wiesen und den Kühen. Sie erzählen ebenso Geschichten, die Bäume und die Kühe. Nur sind ihre etwas ruhiger, viel weniger emotional und sie belasten auch nicht. (Obwohl ich mir Mühe gebe, nicht zuviel wirklich an mich heranzulassen tagsüber.) Dann freue ich mich auf das weiche Fell der Wölfin, die sich freut mich zu sehen. Den Blick hinaus. Die letzten Stunden Tageslicht geniessen, den Himmel nach Schwalben absuchen mit den nicht abgenutzten Augen. Das eine Ohr gedanklich auf das Geräusch gerichtet, dass das Auto des Lieblingsmannes macht, wenn es die kleine Strasse hochfährt. Und dann mich umschlingen lassen,abtauchen wie in die weiche Wärme eines Kissen, wenn er endlich da ist.

Sich fragen lassen:“Erzähl….Wie wars ?“ Und  antworten: „Ach.Es war nichts besonderes heute.“ Und dabei Lächeln. Von einem Ohr zum anderen und wieder zurück.

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Ein Gedanke zu “Von Menschen und Kühen und Katzen

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