Befindlichkeiten, Fühlen, Leben, Schreiben

Von Fröschen, Überraschungseiern und dem Leben

Talwärts rollen mir zwei Büchsen entgegen: Eine auf meiner Strassenseite.Die andere auf eben der anderen. ‚RedBull‘, denke ich, als ich das Fahrrad am Strassenrand liegen sehe und einen Jungen in einem gestreiften TShirt, der angespannt den Lauf seiner fliehenden Getränkedosen bewacht. Der nur auf den Moment wartet, bis die Strasse frei ist und er sich seine verlorenen Dosen zurückholen kann. Ich mache einen Bogen mit meinem Auto, um der Büchse auszuweichen. Der Fahrer des Autos auf der Gegenfahrbahn macht das Gegeteil: Kurz am Lenkrad drehen, grinsen, und die Dose überfahren. Es zischt. Der Junge guckt, lässt die Arme hängen und ich denke laut: Arschloch.

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Der Basilikum mag mich nicht. Konkret: Alle Basilikümer mögen mich nicht. Noch konkreter: Die Saat mag mich nicht. Sie haben es noch nie über das winzige Babypflänzchenstadium geschafft. Verehrte Leserschaft: Ich liebe Basilikum. Der ist so Sommer, dass mehr davon in meiner Nase gar nicht Platz hat. Und ich wiederum mag die hochgezüchteten Basilikum nicht, die jetzt allerorts in kleinen Töpfen zu kaufen sind. Ich will, und das seit Jahren schon, mein eigenes Kräutchen aufziehen. Liebe Leser: An zuwenig Zuneigung fehlt es nicht. An Sonne und Wasser auch nicht.(Alles andere spriesst und gedeiht. ) Haben Sie mir einen Rat ? Denn ich werde mir heute wieder Samen besorgen, zum allerletzten Mal, und es erneut probieren.

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Es ist irgendwie wie mit diesen Überraschungseiern: Wenn ich das Dossier eines Klienten in den Händen halte, weiss ich ziemlich viel über seinen Gesundheitszustand und über den Auftrag, den ich bei ihm/ihr habe. Und aufgrund der Adresse, kann ich mir ein bisschen vorstellen, was mich erwartet. Oft täuscht es mich aber: Messibuden können ebenso in teuren, neuen Häusern zu finden sein, genauso wie in alten Gebäuden. Auch nach einem Monat in der ambulanten Krankenpflege kann man mich noch schockieren und ich denke, diese Menschlichkeit lasse ich mir nicht nehmen. Wenn ich innerhalb einer Strasse eine fünfzigjährige Frau habe, die so adipös ist, dass sie sich nicht mal mehr die Schuhe alleine anziehen kann und direkt gegenüber eine Patietin, die aufgehört hat zu essen, als ich Partner starb. Sie wiegt jetzt noch 35 Kilo und ihr Wunsch ist einzig, zuhause sterben zu können.

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Im Garten hier steht jetzt eine Badewanne. Sie ist grün und ist mit selbstgemalten Blumen verziert. Ich habe sie von meinem ‚alten‘ Team bekommen als Abschiedsgeschenk. Die Tränen der Rührung flossen innerlich, da ich mich am neuen Ort sehr wohl fühle, ist da nur ein winziges, pochendes Stück Melancholie. Ich glaube, Seerosen würden der Wanne gut stehen. Oder sie eignet sich für mitternächtliche Regenwasserbäder bei Vollmond. Vielleicht teilt gar mal ein verzauberter Frosch das Bad mit mir. Ein paar Wünsche hätte ich da schon:

(Wurde mit unsichtbarer Zaubertinte getippt. Kann man nicht lesen. Nein. Das hilft es auch nicht, wenn du die Nase nahe an den Bildschirm schiebst)

Standard

7 Gedanken zu “Von Fröschen, Überraschungseiern und dem Leben

  1. Bei mir wachsen Basilikümer jedes Jahr wie Unkraut. Die Saat einfach ausstreuen. Weder andrücken noch einbuddeln – einfach obendrauf liegenlassen. Basilikum mag es sonnig warm und feucht, vielleicht die ersten Tage drinlassen. Das kommt dann von ganz allein, ehrlich.

    (Hilfe, ich gebe Gartenbauratschläge. Ich hasse mich selbst …)

    • Ich dich nicht.

      Vielleicht habe ich meinen Basilikum zuuuu lieb gehabt: Habe ihn nämlich immer schön zugedeckt. Mit Erde und eben Liebe.

      Wird er diesmal was, lade ich euch zu selbstgemachter Pasta mit Basilikumpesto ein.

      Wird er nichts, wovon ich nicht ausgehe, bring einfach bitte Basilikum mit.

  2. Sofasophia schreibt:

    gefällt mir, dein text. das heisst, gefallen mir, deine texte. dein ganznaheammenschsein – hinfühlen, hinschauen, erzählen …
    danke!

  3. Ulla schreibt:

    … so wie sich bei mir alle Knobizehen in der Erde aufgelöst haben. Nix sprießt in zartem Grün. …Matsch ist es…..
    Zu viel Wärme hätte ich, wurde mir von einer Expertin gesagt …. hmmmmm, gibt es das? Es kommt Deiner BasilikumLiebe nahe …. fällt mir gerade so auf. :o)

    Gutes Gedeihen Deinem Grünkraut und meinem Knobi … berichte mal, ob es funzt.

    Beste Grüße schickt

    Ulla

    • …dein Knoblauch verschwindet ?
      Du wohnst doch nicht zufällig in Transilvanien …?

      Basilikum ist in (auf !) der Erde. Solange das Wetter uns aber ein Herbstdrama spielt, keimt wohl gar nichts.

      Ich drücke uns die Daumen 🙂

  4. Sie haben ja eine ganz neue Frisur! Sehr hypsch, Madame.

    (Meine grösste Sorge war, dass jetzt miis Bildli fort ist … ist aber noch da, pffff …)

    • Wissen Sie, Monsieur, ich habe das alte Layout dooferweise abgeschossen. Sozusagen. Ins Nirvana aller Dingsbums geschickt.
      Irgendwie kam mir das entgegen: Altes Leben im neuen Design. Jaja.

      (Bildli und Kommentare sind selbstverständlich noch da)

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