Befindlichkeiten, Fühlen, Lachen, Schreiben

Von Zyankali, alten Damen und den Morden

-Liebste ? Nimm doch von den Keksen dort zum Tee…
-Du hast frische gebacken…? Wie lieb von dir !

Die angesprochene schiebt den kleinen Tisch mit der gelegten Patience in die Ecke und zupft sich den Beistelltisch mit dem Teeservice in greifbare Nähe. Mit kleinen, spitzen Fingern nimmt sie sich einen der Kekse. Zebricht ihn und führt ihn zu ihrem erwartungsfroh leicht geöffneten Mund. Sie formt ein kleines Ohh.

Ich frage mich, wo sie das Zyankali oder das Arsen verstecken und wieviele Leichen sie in ihrem Garten verbuddelt haben. Die sterblichen Überreste müssen im Garten sein, da bin ich mir sicher. Unter den Rosen vielleicht, oder bei den Hortensien.Vielleicht auch hinten bei der Eiche ? Während sie, plötzlich einvernehmlich und friedlich, ihren Tee trinken und mich ignorieren, beisse ich mir auf die Lippe um nicht unkontrolliert herauszuplatzen:
-Ich weiss was ihr getan habt !
-Was denn, Liebes ? (Würde die eine oder die andere fragen. Und ich würde von den Morden erzählen, von meiner Vermutung, die schliesslich meine Wahrheit ist. Und am Ende wäre ich selbst tot. Bei den Rosen verbuddeln, bitteschön, wennschon)

Die Katze, die eingerollt neben dem Eingang des stilvollen Häuschen in einem Sessel schläft, ist nur eine gemütliche Tarnung. Und das die eine der Schwestern im Rollstuhl sitzt, ist genauso ein Trick.
Ich gehe davon aus, dass ich die letzte einer langen Liste von Krankenschwestern bin, die in einer ähnlichen Situation das Zeitliche segneten: Zuerst wird jemand gerufen mit dem Auftrag, der  Rollstuhllady (Ein Trick ! Ganz sicher) zu helfen. Dann….Zack…Sie wurde nie mehr gesehen.
So ist das doch.

Ich packe meine Utensilien in den Rucksack zurück. Desinfiziere flüchtig meine Hände und lasse die beiden alten Damen nicht aus den Augen: Sie schlürfen Tee aus dünnen Porzellantassen und reden leise miteinander.Es riecht leicht nach Mottenkugeln und Maiglöckchen. Der Baum vor den Fenster zittert mit den Ästen im Wind und ich zucke zusammen, als eine der Schwestern mich fragt:

-Liebes ? Nehmen sie doch ein Tässchen Tee mit uns….

Oh nein ! Ganz bestimmt nicht. Niemals.
Ich war weg, bevor sie zu Ende gesprochen hatte.

Das Original…ich habe sie heute getroffen, da bin ich mir ganz sicher !

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Ein Gedanke zu “Von Zyankali, alten Damen und den Morden

  1. Nur um auch mal konstruktiv etwas beizutragen: Arsen ist gar nicht gut. Es dauert Monate, vielleicht Jahre, und ist in jedem Falle post mortem leicht nachzuweisen, nach Jahrzehnten noch. – Gift ist sowieso blöd. Ich bin mehr für die Psycho-Schiene: Gegenstände, die dort auftauchen, wo sie nicht hingehören, nächtliche Klopfgeräusche, bei Gewitter plötzlich aufspringende Fenster, Stimmen, am Morgen vielleicht ein toter Wellensittich … und dann der Kinsky (mit Knopf im Ohr) von hinten „Noch einen Wunsch, Mylady?“

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