Befindlichkeiten, Fühlen, Leben

Liebe Fee

Wenn mal eine Fee daher käme und ich drei Wünsche frei hätte….Komisch. Als ich jünger war, viel jünger als heute, hätten drei erfüllte Wünsche mir nicht gereicht. Ich hatte soviele Wünsche, führte geradezu eine Hitliste meiner Wünsche. Es gab mal eine Zeit, da schrieb ich ihr sogar Briefe, die ich abends auf das Fensterbrett legte. Zusammen mit einem Spielzeug oder ein paar geflückten Blümchen.

Manchmal gingen die Wünsche in Erfülllung und Zuweilen sogar so sehr, dass ich mir das Wünschen verging: Die von mir verhasste Lehrerin, sie gab mir in meinem Lieblingsfach eine schlechte Note mit der haltlosen Behauptung, ich hätte abgeschrieben bei einer Prüfung. (Was nicht stimmen konnte. Ich war die Beste in diesem einen Fach. Allerdings nur dort.), brach sich beim Skifahren das Bein. Daher fiel sie ein paar Wochen aus . Und ich war schuld daran ! Eine Weile verzichtete ich auf die Hilfe der guten Fee, die mir plötzlich düster erschien. Als die Lehrerin gesundete und weiter die Ursache meiner schlechten Laune war, begann ich wieder mit meinen Wünschen: Liebe Fee, ich hätte da eine paar nette Wünsche.

In den letzten Jahren sind die Wünsche klein und anspruchslos geworden. Ich frage mich, ob sich so die innere Zufriedenheit anfühlt oder ob ich einfach aufgegeben habe. Man kann doch nicht einfach so wunschlos durch den Alltag fliegen, das geht doch nicht. Mindestens eine Million im Lotto müsste ich mir doch wünschen. Oder ein neues Auto, dass das klapprige, astmathische ersetzt, das eh bald in sich zusammenfällt. Oder vielleicht eine Reise irgendwohin, wo ich in Ruhe schreiben könnte…? Einen Prinzen, der mich morgens wach küsst, habe ich. Und auch sonst nicht viel, aber genug.

Man kann doch nicht wunschlos in den Tag hineinleben, einfach so zufrieden mit dem, was man hat. Das geht doch nicht. Ich brauche dringend ein paar Wünsche…!

…—)I wish i had an angel(—…

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10 Gedanken zu “Liebe Fee

  1. Sofasophia schreibt:

    nachlese haltend bin ich einmal mehr berührt vom reichtum deiner texte. diese sinnlichkeit …
    ich les dich einfach gern!
    liebgrüss, d.

  2. Ich hätte noch viele Wünsche. Oder sind es eher Träume? Oder nennt sich das Hoffnung? Wie dem auch sei, ich behalte sie alle für mich. So egoistisch bin ich dann.

  3. Also erstens, madame, diese Prinzen, ich kenn da ein paar, die meisten sehen zwar gut aus, sind aber ziemlich doof. Das kommt durch die jahrhundertelange Inzucht. Das wirkt sich irgendwann aus. Und zweitens, ich hab mich immer gefragt, warum niemand als dritten Wunsch sagt, er wolle noch drei weitere Wünsche erfüllt bekommen, und dann noch drei und noch drei und noch drei. Ich meine, da kann die Fee doch gar nicht anders. Die steht doch sozusagen unter Vertrag. Die Leute denken immer nur von zwölf bis mittag.

    P.S.: Die Beste in einem Fach? So eine sind Sie?

    P.P.S.: Bei uns wurden beim Abschreiben beide (!) bestraft. Das war genial.

    • Ich habe es versucht: Als letzten Wunsch unendlich viele Wünsche frei zu haben.
      Ja. Es klappte nicht.

      Ich war die Beste damals in Deutsch und in Zeichnen.
      DAS hätten Sie nicht gedacht, mein Lieber.
      (Ist auch kaum nachvollziehbar heute, wenn ich meine Texte huschhusch schreibe und online stelle. Voller Fehler…Fürr di ick michh am näxten tag Scheme..)

      Zu PPS: Geniale Idee !

  4. Ulla schreibt:

    …genau … und noch drei Wünsche – und noch drei Wünsche …

    Einer meiner Wünsche wäre in jedem Fall, dass ein mutiger Verlag sich endlich was traut … du verstehst?

    Sehr gerne bin ich hier und lese von Prinzen und Feen und vom Leben … immer wieder.

    Danke

    Liebe Grüße

    Ulla

  5. gell das kann einen schon mal bizz aus der Ruhe bringen sich plötzlich zufrieden und erfüllt zu sehen – es gibt Momente da kann ich’s geniessen – doch ebenso gibt es Momente da hab ich vor Verspannung eine böse Nackenstarre weil ich mit eingezogenem Kopf rumlauf weil ich denk uijjuijuij da kommt bestimmt gleich was auf mich nieder … ja wir Menschenkinder …

    • Genau. So geht es mir eben auch. Ambivalent: Einerseits diese glückliche Zufriedenheit.
      Dann wieder dieses nagende Misstrauen: Da kommt doch noch was….
      Und der Bauch, der dazu lacht und sagt : Easy. Geniess es und denk nicht darüber nach.

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