Befindlichkeiten, Fühlen, Leben

Äpfel sterben leise

Ich bin heute über einen Apfel gestürzt.

Genau so war es natürlich nicht: Ich fiel nicht der Länge nach hin, weil da ein Apfel lag. Nein. Präzise war es ein Apfel aus Chile, der mir entgegen rollte und vor meinen Füssen den Schwung verlor, sich einmal um sich selber drehte und verwirrt liegen blieb.( Wäre er mit, sagen wir mal, 180 km/h daher gerast wie auf einer Autobahn, wäre ich natürlich konkret und direkt über das chilenische Obst gefallen.Was, wenn ich so nachdenke, mindestens einen gebrochenen Arm bedeutet hätte.)So stand ich also da, zwischen dem Obst und dem Gemüse, mit meinem Einkaufskorb mit  Biojoghurt, Vollkornnudeln und Kopfsalat (Ja Ja. So eine bin ich), und vor mir der unbewegliche Apfel.

„Diese da kommen aus Chile. Wissen Sie. Die sind viel aromatischer als das Schweizer Obst. Heutzutage….“Der Verkäufer holte mit seinen Armen weit aus, als würde er die Winzigkeit
der Distanz zwischen Südamerika und den Apfelbäumen hinter dem Haus auf ein minimum reduzieren. Die Angesprochene nickte, während ihre toupierten, rabenschwarz gefärbten Haare die Bewegung mitmachten, als wären sie zemetiert.“…Heutzutage ist das Obst ja mit dem Flugzeug ruckzuck hier !“Ich hob den Apfel auf, er war intakt, und drückte ihn dem Verkäufer in die noch immer schwirrenden Hand. (Sie befand sich geografisch wohl grad über Brasilien.Rambazamba)

„Oh. Vielen Dank !“ Er lächelte mich geschäftstüchtig und falsch an. „Den können wir unseren Kunden nätürlich nicht mehr anbieten.“ Sprachs und setzte den Apfel auf die Ablagefläche hinter den Kisten. Zu den abgerupften Salatblättern und den faulen Tomaten.Ausgeschieden.Die Kundin lächelte zufrieden. Nahm ihre drei Äpfel und schob die Tüte ihn ihren Einkaufswagen.

Beide verschwanden. Die gestylte Edeldame in Richtung Wein und der Verkäufer, in Erwartung des nächsten Geschäftes, hinterher. Händeringend, da bin ich mir sicher.

Ich nahm den Apfel Loser und legte ihn zurück zu seinen Kumpels und seiner chilenischen Familie .Mitten hinein ins Geschehen. Wenn er schon so weit weg ist von zuhause, darf er wenigstens in Würde von einem Eidgenossen verspiesen werden und muss nicht im Salatkompost landen.

//Die Frage, die ich mir natürlich heimlich und still stelle: War es Suizid ? Ein hinterhältiger  Mordversuch der Apfelmafia  oder schlicht ein Unfall? //

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2 Gedanken zu “Äpfel sterben leise

  1. Jeden Morgen gucke ich, ob es hier etwas Neues gibt und nicht nur morgens, nein, ich gucke immer wieder, ob es etwas Neues gibt.

    Und manche Geschichten lese ich immer und immer wieder, weil ich sie so schön finde – diese hier z. B.

    Danke wollte ich dir nur sagen und einen lieben Gruß hinterlassen,

    Manu

  2. Danke.
    Ich staune immer wieder, und das ist wirklich so, dass meine persönliche Betrachtung der Dinge andere interessieren. Und das die Geschichten, trotz oder gerade wegen ihrer Banalität, gemocht werden.

    🙂 !

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